Vorsicht vor Feel-Bad-Managern: Wie wir mit schlechten Chefs umgehen können

Kein Lob, keine Freizeit, keine Gehaltserhöhung: Warum viele Chefs es nicht schaffen, ihre Mitarbeiter zu motivieren, und wie wir reagieren können, wenn wir es mit einem schlechten Chef zu tun haben.

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Gegen schlechte Chefs hilft bessere Kommunikation. Pexels/CC0

Meine Freundin Susanne hat gerade eine Gehaltserhöhung bekommen. Freuen kann sie sich darüber kaum. Denn sie hat ein Jahr darum gekämpft. Jetzt bekommt sie zwar mehr Geld, ist aber trotzdem erschöpft und frustriert. Die lange Auseinandersetzung mit ihrem Chef hat ihr vor Augen geführt, wie wenig er ihre Arbeit schätzt. Nicht weil ihre Arbeit für die Firma entbehrlich wäre oder sie schlechte Ergebnisse erzielt. Susanne glaubt, das Gegenteil ist der Fall: Nachdem sie drei Jahre lang mit einem unterbesetzten Team wichtige Projekte geleitet hat, selbst in ihrem Urlaub für kranke Kolleg*innen eingesprungen ist, und motiviert und freiwillig Überstunden angehäuft hat, glaubt ihr Chef einfach, dass das alles selbstverständlich ist. Und dass sie das gerne macht. Das stimmte auch – bis heute. Denn jetzt hat Susanne einfach keine Lust mehr.

So wie Susanne geht es vielen. Deutschlandweit haben 16 Prozent der Arbeitnehmer*innen schon innerlich gekündigt. Die Gründe für die Unzufriedenheit im Job sind verschieden, doch ihren Ursprung haben sie meistens in schlechtem Management.

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Viele Vorgesetzte schaffen es nicht, auf ihre Mitarbeiter*innen einzugehen. Warum ist das so? Für den Business-Coach Peter Groß ist die Antwort einfach: Es liegt an der langen Tradition des autoritären Führungsstils in Deutschland. Bevor sie selbst Chef wurden, haben viele Führungspersonen nie erlebt, was moderne Führung ausmacht. Dabei liegt der wichtigste Punkt eigentlich auf der Hand: Kommunikation.

„Das ist wie in jeder Beziehung“, erklärt Peter Groß, „wechselseitiges Vertrauen wird durch Kommunikation aufgebaut.“ Wenn Vorgesetzte nicht zuhören, wissen sie nicht, was ihre Mitarbeiter*innen beschäftigt. Umgekehrt verstehen die Mitarbeiter*innen Entscheidungen des Chefs nicht, weil er sie nicht erklärt.

„Meistens stehen Vorgesetzte selbst unter Druck. Statt das zu kommunizieren, finden sie den Mitarbeitern gegenüber Ausreden. Das schafft Misstrauen.“ – Peter Groß, Business-Coach

Wie in Susannes Fall. Als ihr Chef zum ersten Mal von ihrem Wunsch nach einer Gehaltserhöhung hört, würgt er das Gespräch schnell ab: Das ist aktuell nicht möglich. Nach einigen Monaten geht sie wieder auf ihn zu. Jetzt ist er gereizt, macht ihr ein schlechtes Gewissen. Doch Susanne bleibt hartnäckig. Immerhin: Nach einem Jahr bekommt sie eine Gehaltserhöhung zugesagt. Aber geringer als erhofft und erst ab dem neuen Jahr gültig, also vier Monate später. Susanne fühlt sich vor den Kopf gestoßen.

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Für Business-Coach Peter Groß ist das ein klassischer Fall von Fehlkommunikation: „Meistens stehen Vorgesetzte selbst unter Druck. Von oben bekommen sie zum Beispiel die Vorgabe, als Sparmaßnahme im laufenden Jahr keine Gehaltserhöhungen zu vergeben. Statt das zu kommunizieren, finden sie den Mitarbeitern gegenüber Ausreden. Das schafft Misstrauen.“

Schon ein bisschen mehr Wertschätzung kann helfen

Zum Ausgleich könnten Vorgesetzte ihre Wertschätzung auch anders ausdrücken: Indem sie eine*n Mitarbeiter*in mal früher ins Wochenende schicken, nachdem er wochenlang für ein Projekt gebuckelt hat. Dem gestressten Familienvater anbieten, einmal in der Woche im Home Office zu arbeiten. Das Team zu einem Betriebsausflug einladen. Oder indem sie die Arbeit ihrer Mitarbeiter*innen zwischendurch einfach mal loben.

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„Manche Chefs führen ihr Team nach dem Motto „Wenn ich nichts sage bin ich zufrieden, nur wenn etwas schief läuft schalte ich mich ein“, erklärt Peter Groß, „dabei würde es schon reichen, wenn sie sich nach einem abgeschlossenen Projekt in einem Halbsatz für die gute Arbeit bedanken würden. Bei der Kommunikation von Wertschätzung brauchen Chefs dringend Nachhilfe. Leider sind die meisten da bisher völlig ignorant.“

„Eine Einzelperson ist leicht zu ignorieren, ein ganzes Team nicht.“ – Peter Groß, Business-Coach

Arbeitnehmern rät Peter Groß, Kommunikation von ihren Chefs unbedingt einzufordern. „Bei manchen Anliegen lohnt es sich, sich mit den Kollegen zusammen zu schließen. Eine Einzelperson ist leicht zu ignorieren, ein ganzes Team nicht.“ Bezüglich der Einstellung der Vorgesetzten hofft der Business-Coach auf einen Kulturwandel.

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Wenn schon nicht wegen der besseren Arbeitsatmosphäre, dann doch zumindest wegen der Geschäftsbilanz, denn da ist die Zufriedenheit von Mitarbeiter*innen längst kein rein sozialer Faktor mehr, sondern ein wichtiger Aktivposten: „Wenn der Chef nicht auf seine Mitarbeiter eingeht, kann das teuer werden. Die Stimmung spiegelt sich in einer großen Fluktuation im Team. Unzufriedene Mitarbeiter werden krank, machen nur noch Dienst nach Vorschrift oder suchen sich eine neue Arbeitsstelle.“

Was du tun kannst, wenn sich die Kommunikation nicht bessert

So geht es auch Susanne. Früher liebte sie ihren Job, heute ist er eine Pflicht. Sie macht nur noch, was nötig ist. Nach acht Stunden fährt sie den Computer herunter. Im Urlaub und an Wochenenden schaltet sie ihr Handy aus. Ihr Überstundenkonto feiert sie konsequent ab. Einige Monate will sie ihre hart verdiente Gehaltserhöhung noch genießen. Dann sucht sie sich einen neuen Job.

„Dienst nach Vorschrift“, aber richtig: Wenn trotz hartnäckiger Versuche, die Kommunikation am Arbeitsplatz zu verbessern, die Stimmung schlecht bleibt, ziehen sich viele in den „Dienst nach Vorschrift“ zurück. So, bist du damit rechtlich auf der sicheren Seite:

  • Leg eine Liste mit den Punkten an, die dein Stellenprofil ausmachen
  • Geh mit dieser Liste zum Chef und bitte ihn darum, die Punkte schriftlich zu priorisieren (z.B. nach Dringlichkeit oder Kosten)
  • Bewahre die besprochene Liste gut auf
  • Verbessert sich nichts am Arbeitsumfeld, erfülle in deiner Regelarbeitszeit die wichtigsten Punkte der Prioritätenliste, die unwichtigeren kannst du weglassen, um pünktlich nach vereinbarter Arbeitszeit nach Hause zu gehen. So kannst du zeigen, was in deiner Arbeitszeit zu leisten ist – und was nicht.