Wacken-Bürgermeister über Metal-Fans: „Das sind alles nette Menschen“

75.000 Metal-Fans kommen in das 1.800-Einwohner Dorf Wacken in Schleswig-Holstein. Für den Ort ein Ausnahmezustand. Ein Anruf bei Axel Kunkel (55), der seit 1989 Bürgermeister ist.

© Sean Gallup/Getty Images

Es- ka- la- tion. © Sean Gallup/Getty Images

ze.tt: Herr Kunkel, auf welche Band freuen Sie sich am meisten?

Kunkel: Am Donnerstag spielt Iron Maiden. Die hab ich schon mal gesehen und finde sie gut. Alle Dorfbewohner bekommen ja Bändchen und wir gehen auch jeden Abend hin.

Lebt seit 1987 in Wacken: Bürgermeister Axel Kunkel. © Birgit Kunkel

Also hören Sie privat auch Heavy-Metal?

Naja, Heavy-Metal eher nicht, aber Rockmusik schon. Aber das ist ja nicht nur Krach. Im Laufe der Jahre hat man sich da so reingehört.

Das Festival gibt es seit 1990. Wie waren die Anfänge?

Zu Beginn kamen ja nur ein paar Tausend Menschen. Aber die Skepsis war groß. Wir dachten uns: Was sind das für Menschen? Die sind schwarz gekleidet, die grölen rum. Unsere beiden Töchter waren da noch klein, die durften während des Festivals nicht raus. Aber mittlerweile gibt es kein Misstrauen mehr. Die sind gar nicht so, wie sie aussehen. Das sind alles nette Menschen.

Die Fans und Bühnen verteilen sich auf einer Fläche von 240 Hektar. Das entspricht in etwa 300 Fußballfeldern. © Olaf Malzahn/ICS/dpa

Heute reisen 75.000 Festival-Gäste an. Dazu kommen nochmal 20.000 bis 30.000 Menschen aus dem Umland, die nur gaffen wollen. Wie finden sie das?

Das ist eine Entwicklung, die uns nicht gefällt, aber die man nicht aufhalten kann. Das hat vor drei oder vier Jahren angefangen. Die Haupststraße ist ein wenig wie der Ballermann auf Mallorca. Die stehen dann am Straßenrand und wollen tatowierte und gepiercte Menschen anschauen, die anders aussehen. Es war sogar schon mal ein Bus aus einem Altersheim aus dem Umland da. Die haben denen schwarze T-Shirts angezogen, sie in einen Bus reingesetzt und sind mit ihnen durch die Haupstraße gefahren – nur damit sie gucken können. Das ist zum Teil schon absurd. Den echten Fans gefällt das nicht.

Das Ortsschild gilt als beliebtes Souvenir. Wann wurde das letzte geklaut?

Da muss man unterscheiden. Drei der Ortschilder gehören der Gemeinde Wacken und drei der Straßenbauverwaltung. Unsere haben wir vor ein paar Jahren angeschweißt, da müsste man mit einer Flex kommen, um die wegzumachen. Die von der Straßenbauverwaltung kommen schon immer mal wieder weg.

Heavy-Metal-Fans aus Spanien vor dem Ortsschild. © Carsten Rehder dpa/lno

Was kostet denn so ein Schild?

Der Einkaufspreis liegt bei 160 Euro. Wir haben auch mal versucht, die als Souvenir zu verkaufen. Aber das wollte keiner. War wohl zu teuer.

Wie ist es mit der Lärmbelastung?

Es ist schon laut, aber es sind ja auch nur ein paar Tage. Am schlimmsten ist komischerweise der Dienstag, an dem noch gar keine Bands spielen. Das ist dann die Musik von den Campingplätzen. Wenn Ostwind ist, ist es leiser, dann zieht der Schall von Wacken weg. Aber Ostwind haben wir nicht so oft.

Und der Müll?

Da sind die Veranstalter sehr vorsorglich. Die wollen deswegen keinen Ärger bekommen. Überall sind Leute unterwegs und sammeln alles ein. Am Sonntagabend, wenn das Festival vorbei ist, findet man nirgendwo mehr einen Kronkorken. Da ist Wacken das sauberste Dorf der Republik.

Haben Sie einen Tipp an die Festival-Gäste?

Nicht zu wenig Bier trinken (lacht). Aber im Ernst. Genügend Klamotten, falls es wieder kalt und feucht wird und Sonnencreme, falls die Sonne brennt.

Wacken profitiert von den Festivalgästen. Die Jungs links im Bild bieten sich beispielsweise als Lieferanten an.  © Patrick Lux/Getty Images