Wann ist endlich Schluss mit Sexismus in Kinderfilmen?

Auch die neuesten Kinderfilme zeigen, dass Frauen vor allem durch ihr Aussehen statt durch Kompetenz und innere Werte vorankommen.

Emma ist als Geschäftsfrau völlig ungeeignet, wie der Film "Happy Family" zeigt. © 2017 Warner Bros. Ent.

Neulich habe ich den dritten Teil der Kinoreihe Ich – Einfach unverbesserlich gesehen und musste den Atem anhalten. Zum wiederholten Male wurde mir bewusst, wie viel unterschwelliger und ganz offensichtlicher Sexismus in Kinderfilmen stattfindet. Im Film mit den Minions gibt es eine Versammlung, vor der zwei menschliche Hauptcharaktere deutlich eingeschüchtert auf ihre Chefin warten.

Eine weibliche Chefin, immerhin, die jedoch ein sehr negatives Frauenbild verkörpert. Sie tritt sehr angsteinflößend und herrisch auf, nicht etwa kompetent und freundlich. Anders ist es ihr nicht möglich, die Rolle als weibliche Führungsposition zu bewerkstelligen, müssen sich Macher des Films gedacht haben.

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Filmwechsel zu Happy Family, der im August dieses Jahres in die Kinos kam. Die Familie ist zu Beginn unglücklich und die Rollen der Eltern sind klar verteilt. Der Vater ist der Hauptverdiener, maßlos gestresst und überarbeitet. Die Mutter hat zwar einen eigenen kleinen Buchladen, verdient damit jedoch keinen Cent und trägt somit nichts zum Einkommen der Familie bei.

Werden nicht seit Jahren gleiche Gehälter für die zwei Geschlechter gefordert und dazu appelliert, dass Frauen durchaus auch mal mehr verdienen können als Männer? In der Filmwelt ist dies anscheinend noch nicht angekommen, wie die negative Rollenverteilung in Happy Family annehmen lässt.

Der Film nimmt später eine Wendung, die Familie wird verwandelt. Einer guten Hexe sei Dank wird die Mutter von ihrem Leid befreit und nimmt die Gestalt eines Sexy Vamps an. Die Proportionen zwischen Brust, Taille und Hüfte sind unnatürlich, sie trägt einen knappen Blazer mit tiefem Ausschnitt und Lack-Overknees. Für Frauen gibt es wohl nur zwei Möglichkeiten: graue Maus ohne Erfolg oder sexy Frau, die die Augen aller Männer auf sich zieht.

Biene Maja auf Diät

Und auch die Tierwelt bleibt nicht verschont vom Sexismus. Die fröhliche Biene Maja wurde auf Diät gesetzt und tauchte vor einigen Jahren deutlich schlanker wieder auf. Es reichte wohl nicht, dass die „kleine, freche, schlaue Biene Maja“ nur was im Köpfchen hatte. Sie musste auch optisch zur flotten Biene werden – und das in Zeiten, in denen Frauen für die Akzeptanz unterschiedlicher Körperideale kämpfen.

Auch die Disney-Prinzessinnen der letzten zehn Jahre verkörpern problematische Schönheitsideale. Beinahe alle dieser Frauen haben ein rundes Gesicht, runde Augen und ein zierliches Näschen – wie sollte sich der Prinz sonst in sie verlieben? So wurde ein Schönheitsideal propagiert, das Niedlichkeit ausdrückt und den starken Charakter der Prinzessinnen in den Hintergrund rücken lässt.

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Eine Analyse von 2.000 Filmen hat gezeigt, dass Frauen in vielen Fällen keine wichtige Rolle spielen. Lediglich in 22 Prozent aller Filme wurde den weiblichen Darstellerinnen mehr Text zugewiesen. Heldinnen wie „Mulan“ werden in ihren eigenen Filmen in den Schatten gestellt und haben im wahrsten Sinne des Wortes weniger zu sagen.

Die Debatte um Gleichberechtigung wird in einigen Jahren hoffentlich überflüssig sein, wenn Menschen jeden Geschlechts endlich gleich behandelt werden. Wenn jedoch die jüngeren Generationen Filmvorbilder vorgesetzt bekommt, die veraltete Rollenbilder und Klischees repräsentieren, wird sich langfristig nichts ändern. Die realen und gezeichneten Darsteller*innen auf der Leinwand sollten positive und zeitgemäße Vorbilder sein.