Warum bereuen Frauen One-Night-Stands mehr als Männer?

Einer der Gründe dafür liege in der Angst vor sozialem Stigma. Höchste Zeit, dass wir mit Vorurteilen gegenüber Frauen und Lust aufräumen.

Ob das wirklich sein musste? © Goulden / Photocase

Jeder, der mehr als einmal einen One-Night-Stand hatte, wird wissen: Das kann ziemlich in die Hose gehen. Aber es kann halt auch ziemlich famos sein. Manchmal schwarz, manchmal weiß. Und dazwischen natürlich auch jede Menge Grau. Aber es ist noch ein Stück weit komplizierter.

Wenn wir einen One-Night-Stand bewerten, geht es nicht nur um warme Körper, multiple Orgasmen oder ob man noch zusammen Kaffee getrunken hat. Es geht auch darum, ob wir männlich oder weiblich sind. Denn ja, das macht einen Unterschied.

„Wie war es für Dich?“

Studien über heterosexuelle Casual-Sex-Erlebnisse zeigen: Männer lassen sich demnach schneller auf One-Night-Stands ein und bereuen es eher, wenn sie eine entsprechende Gelegenheit auslassen. Dabei haben sie deutlich öfter einen Orgasmus. Ob der Sex dann auch toll war, sei mal dahingestellt, aber immerhin. Frauen hingegen sind zurückhaltender was One-Night-Stands angeht, sie bereuen das Erlebnis eher und sind sexuell oft nicht befriedigt.

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Der Orgasm Gap zeigt, dass Frauen bei heterosexuellem Sex zu kurz kommen. Dass Frauen weniger enthusiastisch sind, wenn es darum geht, einen One-Night-Stand einzugehen, ist ein Ergebnis, das sich nicht in allen Studien bestätigt. Werden Frauen und Männer zu ihrer Bereitschaft zu Casual Sex befragt, ist die Geschlechterdifferenz deutlich: Männer würden sich zu einem großen Prozentsatz darauf einlassen, Frauen nicht. Wird die Bereitschaft jedoch in einem vermeintlich sicheren Setting – wie etwa einem Psychologie-Labor –, abgefragt, verschwindet die Geschlechterdifferenz fast vollständig.

Das große Bedauern

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Frauen unter größerem sozialen Druck stehen, wenn es um Casual Sex geht. Eigentlich hätten sie schon Lust dazu, aber diese Lust wird eben oft unterdrückt. Eine aktuelle Studie der Norwegian University of Science and Technology und der University of Texas beschäftigte sich genau damit.

Die Wissenschaftler, ausschließlich Männer, befragten insgesamt 263 heterosexuelle Studierende zwischen 19 und 37 Jahren danach, wie sie sich nach ihren letzten One-Night-Stands gefühlt hätten. Während Männer zu mehr als 50 Prozent mit dem Erlebnis zufrieden waren, galt dies nur für eine von drei Frauen. Laut der Wissenschaftler spielen dabei mehrere Aspekte eine Rolle: Frauen seien weniger risikobereit und würden größere Sorgen vor sexuell übertragbaren Krankheiten oder einer ungewollten Schwangerschaft haben.

Ein weiteres Ergebnis, das sich bei der Studie zudem herauskristallisierte, ist: Die Sorge um den eigenen Ruf treibe nur Frauen um.

Sorge um die sexuelle Reputation ließ sich eindeutig nur mit sexuellem Bedauern von Frauen assoziieren.”

Für die Wissenschaftler ist das ein Hinweis darauf, dass Geschlechterdifferenzen größtenteils evolutionär bedingt seien. Und eben nicht durch soziale Veränderungen angeglichen werden könnten: „Viele Sozialwissenschaftler gehen davon aus, dass in sexuell egalitären Kulturen wie Norwegen Geschlechterdifferenzen verschwinden. Das tun sie aber nicht. Das macht die Ergebnisse zu sexuellem Bedauern im modernen Norwegen auch wissenschaftlich so interessant.”

Ja, aber …

Das ist sicherlich eine Sichtweise. Eine andere wäre aber, festzustellen, dass es auch in sexuell liberalen Gesellschaften noch lange nicht so liberal zugeht, wie wir meinen. Frauen und Lust, das ist eine schwierige Allianz. Da hat sich auch mit der sexuellen Revolution der 1968er nichts geändert

Männliche Lust gilt – nach wie vor – als gesetzte Naturgewalt. Frauen hingegen gelten als weniger lustvoll, als gefühliger – sie inspirieren Lust, sie brodelt auf keinen Fall in ihnen. Frauen leiden dadurch bei One-Night-Stands unter Angst vor der schlechten Reputation. Ein Bedauern, das sich bei Männern nicht einstellt.

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Die Angst um den eigenen Ruf muss gar nichts sozialem Ausschluss zu tun haben. Diese Angst wirkt viel subtiler, viel banaler. Eine Freundin erzählte mir mal, dass sie sich dafür schäme, wenn ein One-Night-Stand in ihrer Wohnung sehe, dass sie einen Kondom-Vorrat hat. Weil er dann denken könnte, sie hätte öfters One-Night-Stands. Tja, Stigmata sind Absurditäten egal. Daher geht es darum, zu verstehen, wie diese Ängste und dieses Bedauern wirken.

Das ist natürlich schwierig, betrifft es doch mehrere Fragen. Wer wen zuerst anspricht und wie wir uns dabei fühlen. Wer für die Verhütung zuständig ist und wer sich keine Sorgen macht. Was uns zusteht, was wir erfragen dürfen. Ob wir hinterher gekränkt sein sollen. Oder wie wir es erleben, wenn es einfach geil war.

Ein One-Night-Stand kann ziemlich in die Hose gehen, klar. Aber wer sich für seine Lust schämt, bei dem ist es viel wahrscheinlicher.

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