Warum der neue Elektro-Bulli nicht in die Fußstapfen des Hippie-Busses treten kann

Der Hippie-Bulli schrieb Geschichte. Ab 2022 soll er nun elektrisch betrieben wieder auf den Markt kommen – leider. Eine Meinung.

Der neue Hippie-Bus 2.0 Foto: Volkswagen AG

Weite Hosen, bunter Haarschmuck, ein Joint und ein Bulli. Wer nostalgisch ist und der 1968er-Freiheit hinterhertrauert, hat vermutlich einen Bulli in der Garage stehen oder wenigstens ein Poster davon an der Wand kleben.

Der Bus, der vor 65 Jahren als praktisches und bezahlbares Auto auf den Markt kam, entwickelte sich schnell zum Kult-Auto mit großer Flower-Power-Fangemeinde. Mittlerweile gibt es sogar eigene Festivals, die allein dem Bulli gewidmet sind.

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Dabei war der Hippie-Kleinbus-Hype immer schon etwas ambivalent. Denn während die Ökos einen umweltfreundlichen Lebensstil propagierten, fuhren sie mit den Sprit-Schleudern durch das Land und verpesteten die Luft. Doch die Ästhetik und der Mythos um den Kleinbus machte die unbequeme Seite des Autos damals wett.

Das soll sich anscheinend nun ändern. Volkswagen kündigte an, eine modernisierte Form des Bullis, nämlich den VW ID Buzz, bald wieder in Serie auf den Markt zu bringen. Der Unterschied: Der Kleinbus ist elektrisch betrieben. Bereits im Juni kündigte Markenchef Herbert Diess in einem britischen Magazin an, dass Volkswagen diesen elektrischen Transporter bauen wolle und dass er in die Fußstapfen der legendären VW-Busse Bulli T1 und T2 treten solle.

Ob der elektronische Abklatsch des Bullis das jedoch erreichen kann, ist jedoch fraglich. Denn der Elektromotor bleibt nicht das einzige Unterscheidungsmerkmal. Auch die Schnauze des neuen Kleinbusses sieht anders aus: Statt den spitzen Zügen, die das Markenlogo in ein Dreieck fassen, wirkt die Vorderseite der neuen Version sehr modern und schnittig. Vielleicht für manche zu modern, um sich in der Nostalgie des alten Hippietums zu wälzen.

Schnittige Leuchten statt runde Scheinwerfer-Äuglein

Auch die niedlichen Scheinwerfer, die an runde Äuglein erinnern, sind Vergangenheit und wurden durch moderne Leuchten ersetzt. Ganz davon abgesehen, ist es ohnehin schwer möglich, einen Mythos auferleben zu lassen, der so eng mit den historischen und kulturellen Ereignissen in den 70ern verknüpft ist. Da wird ein Elektro-Auto aus dem Jahre 2022 wohl kaum mithalten können.

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Diess‘ Ankündigung wirkt zudem ein bisschen wie ein Versuch, sich von dem schmutzigen Image reinzuwaschen, das sich Volkswagen durch die Diesel-Affäre eingebrockt hat. Erst Ende Juli kam heraus, dass VW, Audi, Porsche und Daimler seit den 1990er Jahren ein Kartell gebildet haben sollen, um sich vor Kosten zu drücken.

Auch wenn der elektronische Bulli sicherlich die sauberere Variante ist – das umweltfreundlichste Transportmittel ist es noch lange nicht. Eine volle Bahn ist immer noch besser für die Umwelt, als wenn sich jede*r ein neues Elektro-Auto kauft. Und wer trotzdem bei seinem Hippie-Bus bleiben möchte, sollte doch lieber seinen alten in der Garage pflegen.