Warum die Urlaubsorganisation immer an mir hängen bleibt

Meine Freund*innen und ich fahren regelmäßig nach Italien. Und immer kümmere ich mich um alles. Ich mache das eigentlich gern – es kann aber auch richtig nerven.

"Du sprichst doch Italienisch, oder?" Foto: Stocksnap ⁄ CC0-Lizenz

Nach Feierabend widme ich mich aktuell den italienischen Namen diverser Fischarten. Ich kenne bereits Trota, Duro, Razza, Sgombro und Rombo, ihres Zeichens Forelle, Barsch, Rochen, Makrele und Steinbutt. Cozze sind Miesmuscheln, klar, Vongole kennt ohnehin jeder, und auch ein Riccio di Mare (Seeigel) schreckt mich nicht mehr. Ich plane allerdings kein halbjähriges Sabattical bei einem wettergegerbten Fischer auf Sizilien, sondern einen Urlaub. An der toskanischen Silberküste. Mit Freund*innen.

Es ist seit Jahren das immer gleiche Spiel: Spätestens Anfang März fängt mein Freundeskreis an, sich Gedanken zu machen, wohin die Reise denn dieses Jahr gehen soll. Es wird verglichen, debattiert und aussortiert, Spanien oder Frankreich, Kroatien oder Italien, polnische Seenplatte kontra Kanutour im Spreewald. Bei Bali und Singapur wären alle am Start, aber niemand will sich den Flug leisten.

„Du sprichst doch Italienisch“

Es bleibt meist bei Europa, denn die meisten von uns haben sowieso maximal zwei Wochen Zeit. Da lohnt ein Trip durchs australische Outback nicht. Oder eine Tempeltour durch Thailand. Und weil sich niemand in Frankreich Knoten in die Zunge sprechen will, fällt die Wahl meist auf ein bisschen Dolce Vita im Land von Pizza und Pasta. Ziemlich bald fällt dann dieser Satz: „Du kennst dich doch da unten aus und sprichst Italienisch!“ Ja, spreche ich. Meistens nicke ich dann ergeben, aber nicht, weil ich nicht hin will. Ich liebe Italien. Ich nicke ergeben, weil ich weiß, dass ab diesem Punkt fast die komplette Urlaubsorganisation an mir hängen bleibt.

Die drei Schritte bis zur Ankunft

Schritt eins: Das AirBnB. Ich bin sowieso die einzige, die einen Account beim globalen Bettendealer hat, also suche ich mögliche Unterkünfte aus. Bäh, zu weit vom Meer entfernt. Bäh, die Stadt ist nicht fußläufig erreichbar, bäh, jemand müsste auf der Couch schlafen, bäh bäh bäh. Im Schnitt dauert es einen Monat, bis sich alle auf eine adäquate Räumlichkeit geeinigt haben. Ich frage an, buche über meine Kreditkarte und schicke dann Belege und meine Kontodaten in die Runde – mit der Bitte, mir den ausgelegten Betrag demnächst zu überweisen. Ab diesem Punkt beginnt das monetäre Glücksspiel: Manchmal kommt das Geld schnell, manchmal zügig, manchmal gar nicht. „Oh je, es tut mir so leid, das habe ich vergessen!“ Ich bin mittlerweile schon glücklich, wenn ich meine Finanzen ein halbes Jahr nach verbrachtem Urlaub wieder zusammen habe.

[Außerdem bei ze.tt: Warum Reisen mit 30 besser ist als mit 20]

Schritt zwei: Hm. Wie kommen wir denn da überhaupt hin? Manchmal lohnt sich ein Flug, manchmal ist es sinnvoller, mit dem Auto zu fahren. Wer hat denn überhaupt eines? Wie viele von uns plus Gepäck passen da rein? Oder brauchen wir doch einen Leihwagen, und wenn ja, wie teuer wird das? Ich verbringe ganze Abende mit der Recherche nach Tarifen und Routen, bis wir uns darauf einigen, dass wir uns doch mit Papas zwanzig Jahre altem Volvo auf den Weg machen. Ein Navi haben wir immerhin. Nur wer wie lange fährt, werden wir direkt auf der Fahrt auslosen.

Schritt drei: Wir sind da! Jetzt geht es richtig los. Ich hoffe inständig, dass das gemietete AirBnB allen Anforderungen gerecht wird und die versprochene Klimaanlage nicht den klassisch italienischen Streik einlegt. Der Kühlschrank ist leer, also essen gehen. Nur wo? Ich empfehle, denn meistens „warst du in dem Eck doch schon mal“. Reservierung nötig? Ja klar.  „Ruf doch einfach kurz an“. Ich bequatsche den*die Kellner*in am Telefon, uns trotz full house irgendwo in eine Nische zu quetschen. Fischrestaurant, juhu! Kannst du uns mal die Karte übersetzen? Kann ich, einigermaßen – ich bin vorbereitet und habe brav vor dem Urlaub meine Vokabeln gelernt. Ja, ich mache das nicht zum ersten Mal.

Es reicht!

Den Rest des Urlaubs bleibe ich in der Rolle der Dolmetscherin. Ich tue das gern, aber manchmal stellen mich auch meine engsten Freund*innen vor emotionale Rätsel. Wenn jemand sogar auf Reisen mit dem linken Fuß aufsteht und mich beim Frühstückseinkauf in der Bäckerei anraunzt, warum ich den Namen eines bestimmten Kekses nicht kenne, bin ich sehr froh, dass uns die Verkäuferin vermutlich nicht verstanden hat. In solchen Momenten weise ich dezent darauf hin, dass ich kein Wörterbuch auf zwei Beinen, sondern Mitreisende bin. Einmal habe ich einem nörgeligen Freund kommentarlos meinen Reisesprachführer in die Hand gedrückt und den Laden verlassen. Er kam eine halbe Stunde später wieder heraus, war ziemlich durchgeschwitzt und hatte alles Mögliche gekauft. Nur nicht das, was er eigentlich wollte.

[Außerdem bei ze.tt: Ich fühle mich nur auf Reisen zu Hause – und bin damit nicht allein]

Dieses Jahr geht es an die toskanische Silberküste. Ich freue mich sehr auf diesen Urlaub, auf die gemeinsame Zeit mit meinen Freund*innen, auf Pasta, Wein, Sonne und Meer. Ich lerne schon fleißig Fisch-Vokabeln, damit ich die Speisekarten noch besser übersetzen kann. Ich bin gespannt, ob meinen Freund*innen die Unterkunft gefällt, die Bars und Pizzerien, in die ich sie schleifen werde, der Tauchkurs, den ich mit einem bekannten Tauchlehrer abgemacht habe. Im Jahr darauf steht eine organisierte Studienreise nach Griechenland an, nur für mich allein. Ich kann kein Griechisch. Ich war bei einem Veranstalter. Ich lasse planen.