Warum die zweite Staffel von „Stranger Things“ noch besser ist als die erste

Mike, Lucas, Dustin und Will sind zurück. Die Monster sind noch größer, der Glibber noch schleimiger und es gibt noch mehr coole 80er-Referenzen.

Lucas, Dustin und Mike im Ghostbusters-Outfit. Screenshot: Netflix US & Canada/Youtube

Was haben ich dem vergangenen Freitag entgegengefiebert! Meine liebste Kindergang seit den drei Fragezeichen ist auf die Bildschirme zurückgekehrt. Glaubt man den Instagram-Storys dieses Wochenendes haben auch fast alle die zweite Staffel von Stranger Things gesehen.

Nachdem der nun vorläufig letzte Abspann vorbeigezogen ist: Wie ist die zweite Staffel? Ist sie besser oder schlechter als die erste? Falls euch vom Bingewatchen der Schädel brummt: Wir haben wichtigsten Dinge und Personen der beiden Staffeln miteinander verglichen.

Achtung: Es folgen Spoiler.

1. Die Nerds: Niedliche Kindergang vs. aufmüpfige Teenager

Im Zentrum von Stranger Things stehen die Freunde Mike, Lucas, Dustin und Will. Letzterer verschwindet in beiden Staffeln. Während er in der ersten von einem Ungeheuer in eine andere Dimension entführt wird, wird in der zweiten Staffel sein Körper zum Wirt für ein noch größeres Monster. In beiden Staffeln suchen seine Freunde nach ihm.

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Welche Staffel macht es besser?
Wer in der ersten Staffel nicht mindestens einmal „Aww, wie süß” gerufen hat, werfe den ersten Stein. Unbestreitbar ist der Welpenaugenfaktor der vier Jungs ein Grund für den Erfolg der Serie. In der zweiten Staffel sind Mike und Co. immer noch niedlich, aber man merkt, dass sie langsam Teenager werden. Das größte Problem ist nämlich nicht mehr, ob sie noch ein wenig länger im Keller spielen dürfen, sondern wie sie ein Mädchen zum Tanzen auffordern sollen.

Was die Teenie-Jungs der zweiten Staffel aber besser machen als die Kiddies in der ersten Staffel: Sie erinnern einen noch mehr an einen selbst. Wenn man den Flirt-Struggle der vier sieht, fragt man sich unweigerlich: War ich auch mal so weird? Gleichzeitig beruhigt man sich selbst aber damit, dass man wohl zumindest auch lustig anzusehen war.

[Außerdem auf ze.tt: Zusammen vor dem Fernseher hängen ist gut für eure Freundschaft]

2. Die Mutter: Panik-Joyce vs. Power-Joyce

Nicht nur Wills Freunde versuchen ihn zu finden. In beiden Staffeln verliert auch seine Mutter Joyce nie die Hoffnung, dass ihr Sohn lebt. So kommuniziert sie in der ersten Staffel über Weihnachtsbeleuchtung mit Will, auch wenn das alle um sie herum glauben lässt, sie wäre verrückt. In der zweiten Staffel ist Joyce weniger wahnhaft, aber nicht minder stur. Keine Ärzte- oder Monsterschar kann sie davon abhalten, ihren Will zu beschützen.

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Welche Staffel macht es besser?
Staffel zwei, denn man erkennt bald: Es gibt keine Power-Joyce ohne Panik-Joyce. Wills Mutter zieht ihre Power aus ihrer Panik. Joyce versteckt ihre Angst in der zweiten Staffel zwar hinter einer gelasseneren Fassade (und einem besseren Haarschnitt). In scheinbar unbedeutenden Szenen wird aber schmerzlich klar, dass die Panik immer noch ihr ständiger Begleiter ist. Wenn Will etwa immer zur Schule gefahren wird, statt wie früher mit dem Rad zu fahren. Wenn die Schulsekretärinnen bei ihren Anrufen genervt die Augen verdrehen, weil das wohl nicht das erste panische Telefonat ist. Es wird klar: Joyce Leben ist nicht mehr so wie früher. Sie beklagt aber nicht ihr Schicksal, sondern kanalisiert ihre unendliche Angst in Unterstützung für ihren Sohn. Power-Joyce gewinnt somit.

3. Liebenswerter, aber toter Nebencharakter mit „B“: Barb vs. Bob

Barbara und Bob sind Nebencharaktere. Beide sind nerdig. Beide werden von Monstern umgebracht.

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Welche Staffel macht es besser?
Staffel eins. Barb ist ein uncooler Teenager. Aber waren das nicht die Besten von uns? Und haben wir uns nicht immer gesagt: Irgendwann werden wir das alles hinter uns lassen und cool sein?! Barb wurde diese Gelegenheit durch ihren frühen Tod genommen. Das ist trauriger als der Tod von Bob, der zwar auch ein uncooler Nerd ist, aber zumindest die Gelegenheit bekommen hat, mit seinem Highschool-Schwarm Joyce zusammen zu sein.

[Außerdem auf ze.tt: Frauen sind immer noch zu wenig im deutschen Fernsehen zu sehen]

4. Der König der Schule: Steve vs. Billy

Während in der ersten Staffel Steve der beliebteste Junge der Schule ist, muss er seine Krone in der zweiten Staffel abgeben. Mit Billy gibt es nämlich einen neuen Typen, der mit steiler Frisur, rücksichtslosem Verhalten und möglichst viel Alpha-Männchen-Gehabe zu glänzen versucht.

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Welche Staffel macht es besser?
Definitiv Staffel zwei, denn Steve mag zwar nicht mehr der König der Schule sein, aber er ist ganz klar König der Herzen. Er hat nämlich ein paar grundlegende Dinge gelernt: Zum einen, dass es unwichtig ist, wie beliebt du in der Schule gewesen bist. Zum anderen, dass Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme viel besser sind als Überheblichkeit. Das liest sich jetzt so wie die Ratschläge eurer Mutti, aber es ist wahr. Der beste Beweis: Steve. Außerdem: Danke für die Haarpflegetipps, Mann!

5. Der Bösewicht: Demogorgon vs. Gedankenschinder

In beiden Staffeln geben die Jungs den Bösewichten Namen aus dem Dungeons-&-Dragons-Universum. In der ersten Staffel kämpfen sie gegen den Demogorgon: ein Monster, dessen Kopf eine Art gefräßige Knospe ist. In der zweiten Staffel ist der Endgegner ein Organismus, der aussieht wie ein funky Christbaumständer, aber unter anderem Wills Körper als Wirt nutzt, und droht, in die reale Welt zu gelangen.

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Welche Staffel macht es besser?
Staffel zwei. Warum der Gedankenschinder gruseliger ist als der Demogorgon? Simple Mathematik: weil Dutzende Demogorgons auch im Babyformat immer noch gruseliger sind als ein großer Demogorgon. Mr. Clarke, der Wissenschaftslehrer der Jungs, wäre richtig stolz auf uns für diese Herleitung!

6. Retterin in der Not: Elf vs. Jane

Auf der Suche nach Will finden die Jungs in der ersten Staffel das Mädchen Elf. Sie ist aus einer Forschungseinrichtung entlaufen und hat telekinetische Fähigkeiten. Im Staffelfinale opfert sie sich, um ihre Nerd-Freunde zu retten. In der zweiten Staffel stellt sich heraus, dass Elf nicht tot ist, sondern versteckt im Wald lebt. Sie verlässt aber ihr Zuhause, um ihre eigene Vergangenheit aufzuarbeiten und erfährt unter anderem, dass sie eigentlich Jane heißt. Im Staffelfinale rettet Jane wieder ihre Nerd-Freunde.

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Welche Staffel macht es besser?
Die Charakterentwicklung ist toll. Und die rebellische Jane ist eine natürliche Entwicklung der kindlichen Elf. Allein der große Streit mit ihrem Ziehvater, bei dem die Türen mal so richtig knallen, zeigt, dass Elf erwachsener wird. Und man gönnt es dem Charakter auch, sich selbst zu entdecken und weiter zu wachsen.
Aber: Die Erscheinung, der Höhepunkt, kurzum das Beste in der ersten Staffel war Elf. Sie war ein kleines Mädchen. Aber sie war auch eine Naturgewalt, eine loyale Freundin, eine mutige Kämpferin und vieles mehr. Elf war in der ersten Staffel ein so vielschichtiger Charakter, wie es ihn selten gibt. Dass sie sich nun weiterentwickelt, ist toll. Aber niemand kommt an Elf heran, die in der einen Sekunde ihre Freunde rettet und sich in der nächsten im Badezimmer tapfer die Tränen aus dem Gesicht wischt. Nicht einmal Jane schafft das.

Die zweite Staffel Stranger Things ist da und sie hat uns vieles gegeben, was wir uns gewünscht haben. Liebgewonnene Charaktere haben sich weiterentwickelt, neue Figuren sind hinzugekommen, Jane formerly known as Elf hat den Tag gerettet. Bei aller Wiedersehensfreude stellt sich doch die Frage: Reicht das für die Zukunft? Denn so spannend und gut die zweite Staffel ist: Es gab nur wenige richtig große Sprünge in Sachen Erzähltechnik. Es bleibt abzuwarten, ob die dritte Staffel mehr Wagnisse eingeht. Falls sich die Macher*innen weiter auf Altbekanntes stützen, könnte Stranger Things aber dasselbe Schicksal ereilen wie die drei Fragezeichen: Wir nutzen die Geschichten aus Nostalgiegründen beim Einschlafen.