Warum diese Lehrerin aus Bethlehem eine Million Dollar bekommt

Kinder in Palästina wachsen in einem Klima aus Hass, Angst und Gewalt auf. Hanan Al Hroub schafft es, sie zu verantwortungsvollen und friedlichen Menschen zu erziehen. Dafür ist sie jetzt als beste Lehrerin der Welt ausgezeichnet worden.

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Al Hroub mit ihren Schülern © Screenshot Youtube

Es war ein dramatisches Ereignis, dass Hanan Al Hroub dazu brachte, Lehrerin zu werden. Ihr Mann war mit ihren Kindern in Bethlehem auf dem Heimweg von der Schule, als sie in einen Schusswechsel gerieten. Ihr Mann wurde verletzt, überlebte aber. Die Kinder waren nach dem Vorfall traumatisiert. Sie zogen sich zurück und auch ihre schulischen Leistungen verschlechterten sich, erzählt sie in einem Video.

Sie fühlte sich allein gelassen, auch von den Lehrern, die ihren Kindern nicht helfen konnten. Al Hroub begann, sich Spiele für ihre Kinder auszudenken und lud dazu auch Kinder aus der Nachbarschaft ein. Langsam gewannen sie ihr Selbstvertrauen zurück und wurden geselliger und auch wieder besser in der Schule.

Kinder belohnen, nicht bestrafen

Für Al Hroub ein Schlüsselmoment. Sie wechselte ihr Studienfach und wollte Grundschullehrerin werden. Ihr Ansatz: Den Kindern, die im gewalttätigen Umfeld des Westjordanlands aufwachsen, Gewaltlosigkeit und Verantwortungsbewusstsein für ihr Handeln beibringen. Dazu nutzt sie vor allem Spiele und versucht selbst, als Vorbild voranzugehen. Sie straft Kinder nicht, sondern belohnt richtiges Verhalten.

Das tut sie offenbar so gut, dass die Varkin Foundation sie nun mit dem „Global Teacher Prize“ ausgezeichnet hat, einem Preis, den manche Medien auch als Nobelpreis für Erziehung bezeichnen. Er ist mit einem Preisgeld von einer Million US-Dollar notiert und wird seit 2015 jährlich vergeben.

Im vergangenen Jahr gingen mehr als 5000 Nominierungen aus 127 Ländern ein. Jeder kann Lehrer für den Preis vorschlagen. Eine Jury aus Bildungsexperten, Journalisten und Lehrern entscheidet dann. Sunny Varkin, Gründer der Stiftung, möchte mit dem Preis das Renomée des Lehrer-Berufs aufwerten.

Auch Hollywoodstars auf der Verleihungszeremonie

Al Hroubs Rektor wurde auf ihr Talent aufmerksam und ermutigte sie, es auch anderen Kolleginnen und Kollegen näherzubringen. Mit Erfolg. In Al Hroubs Würdigung auf der Seite der Varkin Foundation heißt es: „Ihr Ansatz hat dazu geführt, dass Gewalttaten in den Schulen zurückgegangen sind; sie hat Kolleginnen und Kollegen dazu gebracht, ihren pädagogischen Ansatz zu überdenken.“ Zur Preisverleihung in Dubai lud Varkin auch Hollywoodstars wie Salma Hayek und Matthew McConaughey ein.

Doch der wahre Star des Abends war Al Hroub. Sie kündigte an, das gesamte Preisgeld für ihre Schüler auszugeben.