Warum eine Hochzeit ohne Gäste traumhaft ist

Hochzeit ohne große Feier, nur zu zweit? Ein Paar erzählt, warum das nicht öde, sondern großartig ist.

Nur sie, er und die Standesbeamtin. Und das Meer im Hintergrund. © Mark Hinwood

Es gibt Dinge, die macht man besser zu zweit: Schränke tragen, Sex haben oder ein Duett singen zum Beispiel. Und Heiraten. Dafür braucht es zwei. Mehr aber auch nicht.

Rund 400.000 Paare heiraten jedes Jahr in Deutschland. Während die einen von Rauschekleid, großer Party und Riesentorte träumen, finden andere alleine den Gedanken daran anstrengend: der ganze Blumenschmuck-Kram, Menü-aussuchen-Stress und das DJ-finden-Gedöns. Wen lädt man ein, wen nicht? Und die nervigen Erwartungen von Verwandten und Bekannten erst. Eine*r jammert später immer, man kann es nie allen recht machen. Teuer ist Heiraten auch. Im Durchschnitt geben Brautpaare in Deutschland rund 6.500 Euro für Location, Menü und Deko aus. Manchmal sind auch die Familienverhältnisse so vertrackt, dass man schon bei der Vorstellung an ein Zusammentreffen den neuen Hochzeitsanzug durchschwitzt.

Viele Paare entscheiden sich da lieber gleich gegen das große Hochzeitsding. Sie heiraten spontan im Standesamt oder heimlich im Urlaub und kommen – Überraschung! – als Ehepaar wieder nach Hause. Mit glänzenden Augen und überwältigt vom Nur-du-und-ich. Vom simplen Ja zum*r anderen, ohne Publikum, ohne Show.

Urlaubsreise ins Eheleben

Fünf Jahre waren Sina und Oliver schon zusammen, als er die Sommerurlaubstickets nach Hawaii buchte. Hochzeit war nie groß ein Thema gewesen, zu unwichtig, fanden sie und so ein Riesending sowieso nicht ihrs. Also plante Oliver lieber ein kleines, privates Riesending, nur für sie beide. Er organisierte eine hawaiianische Standesbeamtin, einen Fotografen, kaufte Ringe. Und Sina ahnte nichts. „Wenn nicht mal die Braut von der Hochzeit weiß, können sich auch Familie und Freunde nicht beschweren“, war Olivers Idee, „und Hawaii ist so weit weg, da kann man nicht einfach ankommen nach dem Motto: ‚Hallo, kommt ihr spontan zu unserer Hochzeit?‘.“

Für manche das Schönste, was sie sich vorstellen können: nur Meer und Schatzi, sonst nichts. © Mark Hinwood

Eine Woche bevor es losging, griff er zum Telefon und rief erst seine und dann ihre Eltern an. „Ich habe ihnen erzählt, was ich vorhabe und gesagt, dass ich hoffe, dass sie Ja sagt“, erzählt er. Am anderen Ende der Leitung war es erst still. Das ist toll, klang es dann aus den Hörern, genau so eine Aktion passt zu euch.

Ein paar Tage später packte Sina ihre Koffer. „Nimm lieber ein bisschen mehr Kleider mit, bei mir im Koffer ist noch Platz,“ sagte Oliver zu ihr. Am zweiten Abend bei Sonnenuntergang am Strand dann der Antrag. Sina war baff und etwas geschockt. Dann sagte sie Ja.

„Allerdings,“ schob Oliver hinterher, „die ganze Sache ist schon in vier Tagen“. Bitte wie? Krasse Nummer, dachte Sina. Vier Tage, um sich an den Gedanken zu gewöhnen. Vier Tage lang im Glücksschockmoment.

Will man diesen privaten Moment teilen?

Auf der Rückseite einer Hotelrechnung notierte Sina am Abend vor der Trauung ihr Treueversprechen. Nach US-amerikanischer Tradition sagt sich das Brautpaar in der Zeremonie, was sie aneinander lieben. „So etwas Privates hätten wir niemals vor anderen Leuten sagen wollen“, erzählen sie. Am Hochzeitsmorgen ging es noch mal zum Baden ans Meer, mit einem Starbucks-Kaffee in der einen und einem Avocado-Beef-Sandwich in der anderen Hand. Ein perfekter Urlaubstag.

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Der Hochzeitsstrand war einsam, die Sonne stand tief. Meeresrauschen und das Klicken der Kamera des Fotografen. Sonst nichts. Zehn Minuten, vielleicht zwölf, dauerte das Versprechen für die Ewigkeit. „Uns dort zu sagen, was wir für einander empfinden, war das Schönste“, sagen sie. Später gab es ein Hochzeitsdinner für zwei. Statt Torte einen Espresso zum Dessert, der so stark war, dass beide in dieser Nacht vor Herzklopfen nicht einschlafen konnten.

„Er hat kapiert, wie ich ticke“

„Weder der Antrag noch die eigentliche Trauung waren für mich das wirklich Entscheidende“, sagt Sina. „Er hätte den Antrag auch im Supermarkt machen können. Das Romantischste und absolut Umwerfende war, dass da jemand ist, der kapiert, wie ich ticke und weiß, was zu uns passt“, strahlt sie. Sommer- statt Rauschekleid, ein paar wenige Blüten statt Blumenschmuck-Invasion, kein Party-Bash, kein Orga-Kram, kein Stress, ob sich die Gäste wohlfühlen. Eine Hochzeit braucht keine Gäste, um ein unvergessliches Erlebnis zu sein. Heiraten ist die Essenz der Zweisamkeit.

Am nächsten Tag schickten sie die Nachricht an Freund*innen und Verwandte. Zurück kam ein Glückwunsch-Sturm. Es ist eben nicht die Zeremonie, die ein Paar definiert. Wer das gesellschaftliche Großereignis überspringt, kann sich das hochdosierte Glück alleine injizieren. „Ich dachte immer, ich brauche keinen Ehering“, sagt Sina. „aber jetzt will ich ihn gar nicht mehr abziehen.“

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In den Wochen danach besuchte das frisch vermählte Paar Freund*innen und Verwandte, um mit ihnen anzustoßen. „Bei einer Hochzeit hat man nie für den Einzelnen Zeit“, sagen die beiden, „aber wenn man später alle nach und nach trifft, feiert man monatelang immer wieder Hochzeit!“

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