Warum es okay ist, dass mein Partner mit anderen schläft

Als Maria und Jan zwei Jahre zusammen waren, spürte Maria, dass sie auch mit anderen schlafen wollte. Für Jan anfangs eine Horrorvorstellung, heute leben sie polygam.

"Keine Kontaktdaten, keine Details." © flickr / neto baldo

Wenn ich Maria, 28, und Jan, 30, treffe, bin ich immer wieder fasziniert. Es gibt kaum ein Paar in meinem Freundeskreis, das sich auch nach mittlerweile vier Jahren Beziehung immer noch so verliebt anguckt, die Finger nicht voneinander lassen kann und so gut harmoniert. Ich treffe die beiden heute in unserer Stammkneipe und erfahre im Detail von ihrem persönlichen Erfolgsrezept.

Bevor Maria Jan kennenlernte, hatte sie zwei feste Beziehungen. Die eine hielt zwei Jahre und auch mit ihrem Exfreund war sie knapp anderthalb Jahre zusammen. Diese Beziehung zerbrach, weil Maria damals befürchtete, keine ausreichenden Gefühle mehr für ihn zu haben. „Ich kann heute gar nicht mehr genau sagen, ob es wirklich die Gefühle waren, die weniger wurden. Größer wurde aber in jedem Fall mein Interesse anderen Männern gegenüber.“ Betrogen habe sie ihn nie, kurz davor sei sie aber einige Male gewesen. „Es gibt ja einfach die Situationen, in denen du jemanden kennenlernst, der dir optisch gut gefällt. Und dann fragt man sich auch, wie es wohl wäre, ihn zu küssen oder gar mit ihm zu schlafen.“ Allein die Tatsache, dass sie überhaupt Augen für andere Männer hatte, verunsicherte Maria sehr. Sie hatte immer geglaubt, dass so etwas nicht passieren würde, wenn die Beziehung erfüllend genug sei. Und dann begegnete ihr Jan.

Die Sehnsucht nach neuen Reizen

„Die ersten zwei Jahre liefen gut. Umso überraschter und auch verletzter war ich dann, als Maria mit ihrem Vorschlag um die Ecke kam“, gibt Jan heute zu. Auch Maria sei glücklich gewesen und der Sex mit Jan immer wunderbar. Aber irgendwann, so erklärt sie, sei in ihr wieder ein Interesse aufgekommen. Ganz langsam, aber immer intensiver. „Ich liebte Jan sehr und für mich war er nach wie vor der Mann, mit dem ich zusammen sein wollte. Aber immer öfter, wenn ich abends mit meinen Freundinnen unterwegs war, angemacht worden bin oder mir jemand auffiel, hätte ich mich gerne darauf eingelassen. Nicht, weil ich einen neuen Partner suchte. Ich spürte den Reiz nach etwas Neuem und wollte sexuelle Abwechslung.“

In ihrem ersten Impuls versuchte sie zu ergründen, woran es ihr fehlte. Liebte sie Jan nicht genug? Lag es am Sex, der zwar immer noch vertraut und gut, aber irgendwie auch gewöhnlich und unaufregend war? Oder war sie vielleicht gar nicht fähig, eine langjährige Beziehung zu führen?

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Matthias Jasper, Paartherapeut mit den Standorten Köln und Wächtersbach, erklärt hierzu: „Nach einer längeren Beziehung kann es vorkommen, dass die Motivation nach Lebendigkeit und Abenteuern immer größer wird. Gerade dann, wenn die Beziehung besonders eng ist, empfindet der eine den anderen vielleicht als langweilig und möchte sich weiterentwickeln, obwohl die Gefühle füreinander nicht nachgelassen haben müssen.“

Jan gehört mein Herz, aber Sex möchte ich auch mit anderen haben.“ – Maria

Die Situation erinnerte Maria an ihre Vergangenheit. Eine Trennung kam für sie nicht infrage, ihn zu betrügen sowieso nicht. „Je intensiver ich über mein Verlangen nachdachte, desto klarer wurde mir, was ich brauchte: Jan gehört mein Herz, aber Sex möchte ich auch mit anderen haben.“ Ohne ihre Beziehung zu ihm zu gefährden, träumte sie trotzdem davon, sich sexuell weiterzuentwickeln. Für Maria sei es eine unglaublich spannende Vorstellung gewesen, mit einem Fremden zu schlafen und von jemandem begehrt zu werden, der nicht ihr fester Freund war. „Der Reiz nach etwas Neuem und der tiefe Wunsch nach Aufregung wurden immer größer.“

Verlangen besiegt die Eifersucht

Maria gestand Jan ihre Wünsche. Sie wusste, dass sie ihn damit verletzte und er sich zurückgewiesen fühlen würde. Andererseits wusste sie auch, was passieren würde, wenn Jan ihren Vorschlag annahm: nicht nur sie würde mit anderen Männern schlafen, auch er würde sich mit anderen Frauen vergnügen. Obwohl der Gedanke erst schmerzte, so musste sie abwägen, welches Gefühl stärker war: ihr Verlangen oder die Eifersucht?

Wie sollte ich jemals ertragen, dass sie mit einem anderen in die Kiste springt? – Jan

Maria bat Jan darum, es einfach mal zu probieren. Sollte es gar nichts für ihn sein, so konnten sie ja noch mal neu überlegen. „Natürlich war ich sehr verletzt und wollte mir überhaupt nicht vorstellen, dass das etwas für mich sein konnte. Für mich war und ist Maria bis heute die schönste Frau überhaupt. Andere attraktive Frauen fielen mir auch damals schon auf, aber Interesse an ihnen hatte ich nie. Und wie sollte ich jemals ertragen, dass sie mit einem anderen in die Kiste springt? Damals ein echter Horrorgedanke.“

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Anfangs dachte Jan sogar kurz über eine Trennung von Maria nach. „Mein erster Gedanke war, dass ich lieber von ihr getrennt sein wollte, als sie teilen zu müssen.“ Aber dann – und über diesen Schatten sprang er nur für sie – schenkte er ihr sozusagen kurz darauf einen Freifahrtschein. So nannte er ihn damals noch. „Ein einziges Mal durfte sie und ein einziges Mal durfte ich.“ Jan hoffte, dass Marias Verlangen nach neuen Reizen erst mal gestillt werden würde. Und das eine Mal, so entschied er, könne er schon irgendwie verkraften, solange er diesen Freifahrtschein eben auch für sich nutzte.

Therapeut Jasper sagt: „Mit seiner anfänglichen Skepsis hätte sich Jan in große Gefahr begeben, wenn er den Freifahrtschein nicht auch für sich in Anspruch genommen hätte. Es hätte hier auch leicht passieren können, dass er Maria erlaubt, ihrem Verlangen nachzugeben und dann in ein großes Loch der Eifersucht gefallen wäre. Mit einem anschließenden Vertrauensbruch.“

Das erste Mal

Den ersten Freifahrtschein plante jeder für sich. Jan verabredete sich mit seinen Kumpels an einem Samstag für das übliche Barhopping. Und auch Maria zog mit ihren beiden Mitbewohnerinnen um die Häuser. „Meine Kumpels waren ziemlich neidisch und meinten, ich hätte den Jackpot gezogen. Tolle Frau zu Hause, aber in ein anderes Bett dürfe ich trotzdem springen. Ich wusste, dass Maria an dem Abend ebenfalls unterwegs war und versuchte die Vorstellung, sie liege irgendwann in den Armen eines anderen Mannes, komplett auszublenden. Das gelang mir überraschenderweise auch.“

Sie war hübsch. Und konnte gut küssen.“ – Jan

Bis heute haben Jan und Maria nicht im Detail über dieses erste Mal gesprochen. Details vermeiden sie grundsätzlich, den Grund dafür sollte ich später erfahren. „Ich sah dieses Mädchen mit blonden Locken an der Bar stehen und fand sie auf Anhieb total sexy. Vorher sind mir schöne Frauen natürlich auch aufgefallen, aber ich habe nie einen Schritt weitergedacht. Da ich ja jetzt durfte, sprach ich sie an.“ Sie flirteten, tranken Bier und Sambuca und verstanden sich blendend.

Als das Mädchen Jan irgendwann küsste, fühlte sich das zuerst befremdlich an. „Es war schön, aber ich hatte automatisch kurz ein schlechtes Gewissen. Sie war die erste Frau, der ich nach zwei Jahren näher kam. Und sie war nicht meine feste Freundin.“ Aber vor allem: Das Mädchen war Jan egal. Obwohl er sie nett und sexy fand, spielte sich das Kennenlernen auf einer ganz anderen Ebene ab. Es ging eben nicht darum, ob sie mögliche Feste-Freundin-Qualitäten mitbrachte oder single war, sondern einfach um den Fakt, dass sie hübsch war. Und gut küssen konnte.

„In meinem Bett schläft nur Maria“

Jan ging mit zu ihr. Obwohl darüber vorher nicht gesprochen wurde, war klar, dass er sie nicht mit in sein Bett nahm. Darin schlief er mit Maria. Und nur mit ihr. Mittlerweile war sie an jenem Abend ähnlich weit gekommen. Und auch für sie war klar, dass ihr Aufriss nicht mit zu ihr kommen durfte. Heute sagt sie: „Der Typ hat mir optisch super gefallen. Obwohl man sich natürlich auch unterhält und sich ein bisschen kennenlernt, war sein Charakter vollkommen nebensächlich. Ich wollte mit ihm schlafen, weil er heiß war.“ Den ersten Sex beschreiben Jan und Maria als „gut, aber etwas unbeholfen“. Vor allem, weil es das erste Mal war, aber auch, weil sie es darauf angelegt hatten und es passieren musste. Sie wollten beide testen, ob sie sich das auch in Zukunft vorstellen konnten.

Kein Kuscheln nach dem Sex

Beide gingen nach dem Sex nach Hause. Und beide fühlten sich gut. Jan: „Das war ein klassischer One-Night-Stand. Keine Gefühle, keine anschließende Handynummer, reiner Sex mit einer Fremden.“ Seine anfänglichen Zweifel erklärt er so: „Ich kenne Maria und weiß, wie leidenschaftlich, aber auch wie liebevoll und zärtlich sie sein kann. Wenn wir miteinander schlafen, fassen wir uns anders an, wir lieben uns in jeder Form.“ Jan habe befürchtet, dass Maria so mit einem Fremden schläft, wie sie es mit ihm tut.

Diese Form von Nähe wollte ich mit dem Typen nicht.“ – Maria

Sein erstes Mal habe ihm aber die Augen geöffnet. Jan bemerkte: Das sind zwei verschiedene Dinge, die er in dieser Nacht trennte. Es gibt Sex mit Gefühl, den er mit Maria hat. Und eben Sex ohne Gefühl, den er mit der Fremden hatte. Beides schön, aber beides auch vollkommen unterschiedlich und unvergleichbar. Wichtig war für Jan auch, dass sich die Gefühle für Maria nicht veränderten. Maria beschreibt ihr Empfinden ähnlich. Für sie sei ebenfalls klar gewesen, dass sie anschließend nicht aneinander gekuschelt einschlafen. „Obwohl ich natürlich hundemüde war, wollte ich unbedingt nach Hause. Diese andere Form von Nähe, wie ich sie beispielsweise durchs Kuscheln habe, wollte ich mit dem Typen nicht.“ Die habe sie ja mit Jan.

Maria und Jan schliefen in dieser Nacht beide in ihren eigenen Betten. Das ist bis heute nach solchen Abenden so.

Der Tag danach

Als sie sich am nächsten Abend sahen, waren beide ein bisschen nervös, aber voller Vorfreude. „Ich weiß noch, wie wir uns in die Arme fielen und uns ständig sagten, wie sehr wir uns lieben“, sagt Maria lächelnd und küsst Jan. Das brauchten beide, um sich gleich zu Beginn zu bestätigen, dass diese Nacht nichts an ihren Gefühlen füreinander verändert hatte. Als sie auf dem Sofa lagen und sich eng umschlungen von ihrem Abend erzählten, versuchten beide anfangs den Details aus dem Weg zu gehen. Aber sie brannten trotzdem darauf, zu erfahren, wie der*die andere die Nacht empfunden hatte. Nicht genau zu wissen, was passiert war, sondern welche Gefühle sie am nächsten Tag hatten.

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Jan machte den ersten Schritt. „Es war aufregend, neu und schön auf eine ganz eigene Weise.“ Aber vor allem: „Ich habe noch mal gespürt, wie sehr ich Maria liebe. Ich habe nie daran gezweifelt, aber ich erkannte noch mal mehr, wie wunderbar die Nähe und Vertrautheit mit Maria ist. Wie aufregend auch das Unbekannte mit einer Fremden sein kann, aber wie gerne ich dann in Marias Arm liege, mich voll und ganz auf uns einlassen kann und mich aber gleichermaßen auch frei fühle.“ Ab dem Zeitpunkt beschlossen Jan und Maria, in Zukunft auch mit anderen schlafen zu dürfen.

Was für diese Form der Beziehung gegeben sein muss

Wie ist es möglich, dass zwei Menschen, die sich so sehr lieben, nicht die pure Eifersucht packt? Jasper sagt:

„Meine Erfahrung zeigt, dass es bei mindestens 80 Prozent der Partner, die fremdgehen, nicht um klassische Eifersucht geht, sondern diesem Gefühl eine Angst zugrunde liegt – die Angst, verlassen zu werden. Meistens beginnt dieses Gefühl der Angst, wenn sich die Beziehung bedroht anfühlt.“ Oftmals ist das dem*der Einzelnen nicht klar und er spricht von Eifersucht. Ab wann es sich aber nach einer Bedrohung anfühle, sei davon abhängig, welche Grenzen gezogen worden sind. Die müsse jedes Paar für sich definieren. „In einer Partnerschaft sollte es einen eigenen Schutzkreis der Intimität geben, bei dem die Grenzen unterschiedlich sein können.“

Unsere Liebe ist unantastbar.“ – Maria

Maria und Jan haben für sich einen eigenen Schutzkreis definiert. Sie erklärt: „Dass wir uns lieben, ist die Grundvoraussetzung. Unsere Liebe ist unantastbar.“ Dafür seien aber Gespräche unverzichtbar. Jan sagt: „Wir reden vermutlich mehr über unsere Gefühle füreinander als andere Paare. Aber so stellen wir unsere Liebe auch nie infrage, im Gegenteil: Wir fühlen uns noch sicherer.“ Vor allem empfänden sie dadurch niemanden als Bedrohung. Auch Jasper ist sich sicher, dass Kommunikation besonders bei diesem Beziehungsmodell notwendig ist. Es gebe keine festen Standards, wie eine Partnerschaft funktioniere. Aber es müsse gesprochen werden. Deshalb sei es auch klug, dass Regeln aufgestellt werden. Die haben auch Jan und Maria.

Keine Kontaktdaten und keine Details

Beide wissen, dass bei ihnen die Gefahr, Gefühle für jemand anderen zu entwickeln, besonders hoch ist. Deshalb dürfen auch keine Kontaktdaten ausgetauscht werden. Sex ja, wieder sehen nein. Das Versprechen haben sie sich gegeben. Sollte es allerdings doch mal passieren, haben die beiden auch eine Lösung. Jan sagt: „Wir haben uns geschworen, dass wir es uns sofort erzählen, falls sich Gefühle entwickeln sollten. Wie auch immer wir dann damit umgehen werden, wir müssen darüber sprechen. Und nicht erst eine Woche später, sondern sofort.“ Bislang sei das aber noch nicht passiert.

Die zweite Regel: Details aus der Nacht werden nicht erzählt. Und das liege überraschenderweise nicht daran, dass diese Details einen der beiden verletzten könnten. Maria erklärt: „Wir leben zwar in einer Partnerschaft, wollen aber vor allem sexuell nebeneinander existieren und nicht nur miteinander. Jeder lebt seine eigene, sexuelle Freiheit. Das, was wir miteinander machen oder welche Wünsche wir haben, besprechen wir im Detail. Alles, was Jan ohne mich tut, geht auch nur ihn etwas an. Das ist meines Erachtens auch Teil des Freiraums, den wir uns geben.“ Für Maria und Jan ist ihre Sexualität Teil jedes Individuums.

Jasper sagt: „In vielen Partnerschaften wird die Sexualität als etwas Gemeinsames und als fester Bestandteil gesehen, der gemeinsam erlebt wird. Dadurch, dass es in diesem Fall getrennt wird, kann das Beziehungsmodell auch funktionieren und es entsteht keine Eifersucht.“

Eine eigene Definition für ihre Intimität

Innerhalb von zwei Jahren haben beide mittlerweile mit fünf anderen geschlafen. Ich bin überrascht, dass es nicht mehr sind. Jan erklärt: „Es ist ja nicht so, dass wir losziehen und sagen so, heute schlepp ich mal jemanden ab. Es geht vielmehr um die Situationen, in denen du jemanden triffst, von dem du dich sexuell total angezogen fühlst. Und dich davor auch trotz Beziehung nicht verschließen musst. Aber diese Begegnungen gehören ja auch nicht zu einem normalen Samstag.“ Wenn Maria und Jan zusammen ausgehen, machen sie das bewusst und genießen es, ein Paar zu sein.

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Maria ist davon überzeugt, dass Menschen zwar feste Partnerschaften brauchen, aber es sexuell schwierig sei, sich langfristig an nur einen Menschen zu binden. Der Experte erklärt: „Es ist evolutionsbedingt, dass Wesen im Kern polygam sind. Schon früher waren die Überlebenschancen in einer Herde besser. Wir sind aber auch monogam sozialisiert. Für Jan und Maria funktioniert ihr Beziehungsmodell, weil sie trotz Polygamie ihre Grenzen festgelegt haben. Sie leben in einer Partnerschaft, sprechen über Gefühle und ihre Bedürfnisse. Sie fühlen sich dadurch nicht bedroht, weil sie ihre Beziehung beispielsweise auch durch Regeln schützen.“

Etwas rein Körperliches

Obwohl Jan anfangs größere Schwierigkeiten allein mit der Vorstellung hatte, so sieht er das heute deutlich entspannter: „Es ist meistens die Fantasie, die schmerzt.“ Am Anfang habe er sich vorgestellt, dass Maria so mit einem anderen schlafe, wie sie es mit ihm tue. Voller Leidenschaft, voller Emotionen. „Dabei habe ich aber vor allem an dieses Gefühl gedacht, an ihr Herz und ihre Liebe. Dieses Gefühl hat sie aber nur für mich, genau wie ich für sie.“

Wenn Jan mit einer Fremden schläft, geht es nicht um Nähe und um Gefühle. Es sei ausschließlich sexuelles Verlangen. „Dass wir andere Menschen nackt sehen und sie berühren, hat etwas rein Körperliches“, erklärt auch Maria. Das sei genau der Punkt, an dem viele Paare scheitern, sagt Jasper. „Das Körperliche kann schon ausreichen, um das Gefühl der Eifersucht auszulösen. In der Theorie ist die Vorstellung, der Partner schlafe mit jemand anderem, vielleicht ertragbar und es selber zu machen sogar reizvoll. In der Praxis folgt dann häufig das böse Erwachen: Die Beziehung fühlt sich bedroht an, die Angst vor dem Verlassenwerden wird größer.“ Die Sexualität von der Partnerschaft zu trennen und eine neue Definition des Schutzkreises zu finden, könne dem entgegenwirken.

Maria und Jan vergleichen den Sex, den sie miteinander haben, nicht mit dem, den sie mit Fremden haben. „Wir haben das große Glück, dass wir beides genießen dürfen: Vertrauten Sex mit viel Liebe und Nähe und eben das große Unbekannte, das auf eine eigene Art wunderbar sein kann.“