Warum es sich lohnt, nicht nur Englisch zu lernen

Englisch ist die Sprache der Zukunft, haben wir in einem Beitrag festgehalten. Leser Georg Gauger findet, dass es sich lohnt, auch andere Sprachen zu lernen. Aus Tansania hat er uns eine Antwort geschrieben.

Selfie

Georg Gauger auf dem Weg zur Schule in Bulongwa. Selfie

Georg Gauger ist 18 Jahre alt und hat gerade Abitur in Ludwigsburg gemacht. Jetzt ist er seit einem Monat in Tansania, dort leistet er seinen Freiwilligendienst und hilft in einer weiterführenden Schule aus. Sein Beitrag erschien zuerst in seinem Tumblr georgintansania.

Ein gutes Englisch bringt einen in der Welt sehr weit, selten aber viel weiter als einen Pauschaltouristen. Jedenfalls in Ostafrika.

„Wer einen Bedarf deckt, den sonst niemand decken kann, der hat immer einen Vorteil. […] Doch wer gehört werden will, der sollte vor dem Swahili-Kurs vielleicht noch an seinem Englisch arbeiten.“ Aus dem ze.tt-Beitrag „Welche Sprache wir jetzt lernen sollten“.

Englisch ist die wichtigste Fremdsprache in Europa und wird das vermutlich auch bleiben. Die eigenen Sprachkenntnisse aufzubessern ist deshalb kein Fehler, aber das ist ein Kiswahili Kurs genausowenig.

Denn Sprache öffnet Türen, ein paar Worte, die wichtigsten Sätze und Begrüßungen, reichen oft schon aus, um den Gesprächspartner zum Strahlen zu bringen.

Auch wenn man nach einigen Sätzen zu Englisch wechselt oder sich einfach nur anlächelt, weil man nichts mehr sagen kann, sind mir Menschen komplett anders begegnet, wenn ich sie auf Kisuaheli, oder gar auf Kikinga (die Stammesprache in der Region Makete) angesprochen habe. Das lohnt sich nicht nur für schöne Momente beim Treffen von Schülern oder älteren Frauen. Man hebt sich ab, von den Englisch-Sprechern. Und das merken Verkäufer und übertreiben es nicht ganz so mit den „Muzungu“-Preisen, den höheren Preisen für Touristen.

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Eine außergewöhnliche Sprache zu sprechen macht einen Unterschied, nicht nur im Urlaub. Als Sprecher einer solchen sticht man aus der Masse der Nur-Englisch Sprecher heraus. Auch wenn Kiswahili oder Mandarin der Karriere nicht direkt helfen: Man fällt positiv auf. Egal, ob beim Personaler oder der neuen Bekanntschaft beim Feiern.

Aber eine Sprache besteht nicht nicht aus nur Vokabeln und Grammatik. In einer Sprache steckt mehr: Sie sagt viel über die Kultur der Sprecher aus. Ich meine damit nicht nur das Spaghettikochen mit dem Italienischkurs, sondern tiefer gehende Strukturen.

Die unzähligen Begrüßungen im Kiswahili sind dem komplett anderen Umgang der Menschen miteinander geschuldet. In einer Kultur in der man (fast) jeden grüßt und nach Neuigkeiten fragt, sind mehr Floskeln nötig, als in einer Kultur, in der man schweigend aneinander vorbeirennt.

Mehr, als nur Wörter

Auch wenn immer alles „nzuri“ (gut), „safi“ (sauber, gut) oder „poa“(passt schon) ist, egal, die Geste zählt. Sprachen öffnen Türen, die sonst verschlossen bleiben. Und sie helfen, eine Kultur zu verstehen. Wenn ein Mann in der Sprache aktiv „heiratet“ und eine Frau „verheiratet wird“, dann spricht das Bände.

Auch aus diesen Gründen werde ich versuchen etwas „Kikinga“, die Sprache der Wakinga zu lernen. Aber auch einfach weil es Spaß macht.

Bevor du dich zum dritten Business-English-Kurs in diesem Jahr anmeldest, schau lieber mal die anderen Sprachen an.

Danke. Asante.