Warum Facebook sicherheitshalber eure Nacktbilder sehen will

Was erst einmal paradox klingt, ist als Sicherheitsmaßnahme gedacht: Australien kooperiert mit Facebook, um gegen den Missbrauch von intimen Bildern vorzugehen.

Nicht jedes intime Foto ist für die Öffentlichkeit bestimmt. © Marvin Meyer/Unsplash.com

Gerade erst hat die Sängerin Sia ein Nacktfoto von sich getwittert. Überschrift: „Jemand versucht offenbar, Nacktfotos von mir an meine Fans zu verkaufen. Spart euch das Geld, hier ist es umsonst.“ So viel Selbstbewusstsein hat nicht jede*r, wenn es um intime Porträts geht. Immer wieder geraten solche Fotos in die falschen Hände, manchmal bleiben sie nach einem Beziehungsende zurück, schlimmstenfalls laden sie dann im Internet, in Chats, auf Social-Media-Seiten.

In Australien berichtet jede fünfte Person zwischen 16 und 49 Jahren, dass schon mal eines ihrer Fotos missbraucht wurde. Jetzt nimmt das Land neben den USA, UK und Kanada an einem Pilotprojekt von Facebook teil, welches verhindern will, dass intime Fotos von Australier*innen auf Facebook, im Messenger oder auf Instagram gepostet und geteilt werden.

Dafür sollen erwachsene Bürger*innen, die Angst haben, dass ein intimes Foto von ihnen online geteilt wird, zunächst ein Formular auf der Seite der Onlinesicherheits-Beauftragten ausfüllen. Anschließend werden sie dazu aufgefordert, das Foto über den Messenger an sich selbst zu schicken, während die Sicherheitsbeauftragten Facebook Bescheid geben. Eine Technologie verhindert dann, dass das Bild von anderen hochgeladen oder online geteilt werden kann.

Präventionsmaßnahme im Test

Wie das funktioniert? Gegenüber dem australischen Rundfunksender ABC sagte die Regierungsbeauftragte für den Schutz von Bürger*innen im Internet Julie Inman Grant, dass Facebook eine Art digitalen Fingerabdruck erstellen würde: „Das Foto selbst wird nicht gespeichert, sie speichern den Link und nutzen künstliche Intelligenz sowie eine andere Abgleich-Software.“

Onlinesicherheits-Beauftragte Inman Grant hofft, dadurch die Netzwelt etwas sicherer zu machen: „Dieses Pilotprojekt hat das Potenzial, Täter*innen die Kontrolle und die Macht über ihre Opfer zu nehmen, insbesondere im Falle von Expartner*innen-Vergeltung und Sextortion [Anm. d. Red.: Sextortion ist eine Erpressungsmethode, bei der Internetnutzer*innen mit der Verbreitung von intimen Fotos erpresst werden].“