Nett ist die kleine Schwester von glücklich

Was macht uns glücklich? Anderen zu helfen, ihnen positiv zu begegnen, uns zu engagieren. Über die Wissenschaft hinter den guten Taten.

Christof Stache/AFP/Getty Images

Helfen macht Helfer glücklich: Eine Freiwillige in der Bayernkaserne. Christof Stache/AFP/Getty Images

Wo Leid ist, da ist auch Licht. Wo Menschen leiden, da kommen andere, um zu helfen. Der Bürgerkrieg in Syrien treibt Millionen Menschen nach Europa; in Deutschland stehen an jedem Tag andere auf, um ihnen zu helfen. Sie tun sich damit selbst etwas gutes.

Jeden Tag eine gute Tat, so haben wir das als Kinder bei Tick, Trick und Track aus Entenhausen gelernt, und die hatten es von ihrer Pfadfinder-Gruppe Fähnlein Fieselschweif. Die Wissenschaft zum Glück war damals noch wenig ausgereift – Psychologen beschäftigten sich zur Zeit der Ducktales (Ender der 1980e war das), eher mit Angst, Hass, Narzissmus. Heute ist das anders. Psychologen, Ökonomen und Neurowissenschaftler arbeiten an den Studien zum Glück.

Nettsein macht glücklich

Freundlichkeit macht uns glücklich, sagt Emiliana Simon-Thomas. Sie ist wissenschaftliche Leiterin des Greater Good Science Center (GGSC) der Universität Berkeley und hat Studien zu diesem Thema für ihre Studenten zusammengefasst. Kurz gesagt:

  • Geld für andere ausgeben macht uns glücklicher, als wenn wir uns selbst etwas Gutes tun.
  • Anderen helfen aktiviert unser Belohnungszentrum im Gehirn.
  • Wer ehrenamtlich arbeitet ist zufriedener mit seinem Leben – und gesünder.
  • Bekanntschaften und Freundschaften werden aufgewertet – nette Menschen sind weniger allein.
  • Nette Menschen haben mehr Erfolg bei der Fortpflanzung.

Der letzte Punkt stammt von Charles Darwin, schreibt Emilianas Kollege Dacher Keltner bei Psychology Today. Kurzfassung: Nette Eltern waren erfolgreicher bei der Aufzucht ihres Nachwuchses. So wurden nette potenzielle Zeugungspartner auch eher ausgewählt.

Schenken macht glücklich

Tatsächlich haben Psychologen in Experimenten herausgefunden, dass Geld ausgeben uns glücklich macht – wenn wir Geschenke kaufen oder es an Menschen spenden, die es wirklich brauchen. Dafür hat sich Psychologin Lara B. Aknin, damals noch Studentin, an eine Straße in Vancouver gestellt und Umschläge verteilt. Sie sollten sie einige Minuten nach der Begegnung öffnen.

Fünf Dollar waren darin, und eine Anweisung: Gib dieses Geld bis heute Nachmittag für dich selbst aus. Oder: Gib dieses Geld für jemand anderen aus oder spende es.

Lara hatte sich die Telefonnummern der Teilnehmer aufgeschrieben und sie gefragt, wie glücklich sie waren.

Am Abend rief sie wieder an und fragte, wie es ihnen ging, nachdem sie das Geld ausgegeben hatten. Tatsächlich waren jene Testpersonen glücklicher, die das Geld für andere ausgaben. Lara hatte einigen übrigens 20 Dollar gegeben, statt fünf. Mehr Geld machte jedoch keinen Unterschied im Glücksgefühl.

Üben macht glücklich

Psychologin Barbara L. Fredrickson hat Menschen zum Nettigkeits-Training geschickt, genauer gesagt zur „Loving Kindness Meditation“. Die Idee dahinter: Seid nett zu anderen! Auf der Homepage zu ihrem Buch „Love 2.0“ hat sie diese Meditationen in englischer Sprache hinterlegt.

Schon nach wenigen Wochen spürten die Teilnehmer positivere Gefühle, und ganz allgemein mehr Lebenszufriedenheit. Das wirkte sich wiederum auf ihre Gesundheit aus.

Gene machen glücklich

Sonja Lyubomirsky schreibt im Greater Good Magazin, dass unser Glück zu 50 Prozent in unseren Genen liegt, zu 10 Prozent von den Umständen unseres Lebens abhängt – und zu 40 Prozent von unserem Verhalten.

Deshalb hat sie ihre Studenten aufgefordert, fünf nette Dinge zu tun, „Dinge, die ihr normalerweise eher nicht gemacht hättet“. Dem kleinen Bruder einen Comic kaufen. Einen Freund zum Flughafen fahren. Nett zu Werbe-Anrufern sein. Und die Studenten fühlten sich glücklicher – wenn sie alle fünf guten Tagen an einem Tag vollbrachten.

Anderen zu helfen ändere den Blick auf uns selbst: „Wir fühlen uns besser mit anderen verbunden – und wir interpretieren das Verhalten anderer positiver, großzügiger.“ Dazu kommt, dass Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft abfärben: „Wenn du anderen hilfst, kannst du dabei neue Freunde finden, andere Menschen wissen zu schätzen, was du tust. Und sie geben es vielleicht zurück, wenn du Hilfe brauchst.“ ☜ Und das wiederum sagen sogar Evolutionsforscher: Nettes Verhalten setzt sich durch. Sie sprechen von reziprokem Altruismus: „Ich kratze deinen Rücken, du kratzt meinen.“

Ihr Vortrag:

Sonja zitiert ein chinesisches Sprichwort:

Willst du Glück für eine Stunde – mach ein Nickerchen.
Willst du Glück für einen Tag – geh angeln.
Willst du Glück für einen Monat – heirate.
Willst du Glück für ein Jahr – erb ein Vermögen.
Willst du Glück für dein ganzes Leben, dann hilf jemand anderem.

Glück ist eine Herzensangelegenheit

Da ist etwas dran. Denn an normale Lebensereignisse gewöhnen wir uns: Ob wir nun Glück oder Pech haben, reich werden oder unseren Job verlieren, unser Glücksgefühl sinkt oder steigt irgendwann wieder auf sein normales Level. An das Glück, anderen zu helfen, gewöhnen wir uns indes nicht. Wer regelmäßig hilft, der fühlt sich auch nach ein paar Monaten noch besser.

Wir stärken – ganz medizinisch betrachtet – unser Herz, wenn wir anderen helfen. Hannah Schreier hat dafür Zehntklässler gebeten, Grundschulkindern bei den Hausaufgaben zu helfen. Das Ergebnis: Die Zehntklässler waren glücklicher, Herz und Kreislauf waren gestärkt.

Glück ist also eine Herzensangelegenheit, in jeder Hinsicht. Wir tun uns etwas Gutes. Ob wir nun Flüchtlingen die Haare schneiden, ein wenig Geld spenden oder Deutsch unterrichten.


Wollt ihr mehr wissen? Hier könnt ihr euch die Vorlesungen von Emiliana Simon-Thomas und ihren Kollegen vom Greater Good Science Center anschauen. Hier haben wir darüber berichtet.