Warum ich es liebe, auf Kreuzfahrt zu gehen

In den Schlaf geschaukelt werden, salzige Luft in der Nase und ein Blick über das weite Meer – das ist der Stoff, aus dem Träume gemacht sind. Wieso sind Kreuzfahrten nur mit so vielen Vorurteilen besetzt? Ein Kommentar.

"Eine Kreuzfahrt bedeutet Freiheit, auch wenn man eigentlich gar nicht weg kann." Pexels II CC0

Kreuzfahrten seien etwas für Rentner*innen, sagen meine Freund*innen. Kreuzfahrten seien für die Reichen und Schönen, sagen meine Großeltern. Als ich meinen Liebsten von den diesjährigen Urlaubsplänen erzähle, schlägt mir Unverständnis entgegen. Sind es nicht Backpacker-Touren und Festivalbesuche, die ich mit meinen jungen 28 Jahren unternehmen sollte? Nein, ich gehe auf Kreuzfahrt. Während mein Freundeskreis sich irgendwo im Schlamm suhlt oder sich mit Blasen an den Füßen am anderen Ende der Welt selbst findet, liege ich in einem der Sieben Weltmeere entspannt auf dem Sonnendeck.

Eine Meute Rentner*innen auf Kaffeefahrt?

Dabei kann ich die Ungläubigkeit meiner Freund*innen und Großeltern sogar ein wenig nachvollziehen. Als ich meine erste Kreuzfahrt vor sechs Jahren antrat, war ich ebenfalls skeptisch. Was sollte ich den ganzen Tag machen, wenn der große Dampfer von einem Ziel zum anderen schipperte? Mir schossen damals Bilder von überkandidelten Kapitänsdinnern in den Kopf, die ich in der Fernsehserie Traumschiff gesehen hatte. Ich dachte an Menschen, die ihren Alterszenit schon lange überschritten hatten, feierlich klatschend vor Eisbomben, die am Ende sowieso nicht mehr gegessen würden, weil die Hälfte der Gäste seekrank wäre. Ich machte mich also gefasst auf eine Art Kaffeefahrt, mit dem Unterschied, dass sie auf einem schwankenden Schiff unternommen würde.

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Zu meiner Überraschung wurde ich am Hafen nicht von einer Meute Rentner*innen überrannt. Stattdessen liefen fröhliche Kindern an mir vorbei, die voller Vorfreude auf den riesigen Dampfer blickten, der sich vor uns erhob. Schon als ich das Kreuzfahrtschiff zum ersten Mal sah, faszinierte es mich. Es war irgendwie nicht von dieser Welt. Obwohl es sich nüchtern betrachtet nur um einen großen Stahlkoloss handelte, fühlte ich mich direkt zu Hause.

Kreuzfahrten bedeuten tägliches Ankommen, aber auch tägliches Abschiednehmen

Die Magie einer Kreuzfahrt entwickelt sich wie eine Welle, die zu Beginn ganz seicht über das Meer huscht, um sich dann immer höher aufzutürmen. Mein erstes emotionales Überschwappen erlebte ich während meiner ersten Hafenausfahrt. Mit dem obligatorischen Glas Sekt in der Hand lauschte ich der Ausfahrmusik und musste mir das Pipi in den Augen verkneifen. Kreuzfahrten bedeuten tägliches Ankommen, aber auch tägliches Abschiednehmen. Jeder Tag ist ein kleiner Neuanfang. Noch während ich mich von einem schönen Reiseziel verabschiede, sehe ich schon gespannt dem nächsten Ziel entgegen.

Eine Kreuzfahrt, die ist lustig, eine Kreuzfahrt, die ist schön. © Autorin

Als Kind habe ich oft davon geträumt, die Augen zu schließen und beim nächsten Lidschlag plötzlich an einem anderen Ort zu sein. Diesen Traum erfülle ich mir während einer solchen Schiffsreise jeden Tag aufs Neue. Gehe ich abends cocktailgeschwängert ins Bett, weiß ich nicht, welche Skyline mich beim Blick aus dem Fenster am Morgen begrüßen wird. So ist es immer wieder ein Abenteuer, während des Frühstücks den nächsten Stop aus der Ferne zu erkunden.

Schlaraffenland auf dem Schiff

Während meine Backpacker- und Selbstfindungs-Freund*innen vermutlich das erste Bier öffnen und sich eine Dose Ravioli warm machen, wähle ich zwischen vielen verschiedenen Restaurants, ohne mich von meinem schwimmenden Hotel begeben zu müssen. Das Highlight einer jeden Kreuzfahrt ist schließlich das Essen. Wer nach so einem Urlaub weniger Kilos auf die Waage bringt als zuvor, hat irgendetwas falsch gemacht. Gegessen werden kann zu jeder Zeit und so ziemlich immer das, wonach einem gerade ist. Nach zwei Gläsern Sekt den typischen Bock-auf-etwas-Fettiges-Hunger? Kein Problem. Die Pizzeria auf Deck 10 freut sich über einen Besuch.

Die Menge der Möglichkeiten entspannt mich. Alles kann, nichts muss.“

Eine Kreuzfahrt bedeutet Freiheit, auch wenn man eigentlich gar nicht weg kann, solange man sich auf dem Meer befindet. Stundenlang auf den unendlich weiten Horizont starren oder doch lieber einen Cocktailworkshop machen? Vielleicht auch einen Besuch im Theater wagen oder eine Runde im Pool schwimmen? Manchmal schaffe ich es sogar, mich zu einer Sporteinheit zu motivieren, um zumindest das schlechte Gewissen über die zu mir genommene Kalorienmenge zu minimieren. Die Menge der Möglichkeiten entspannt mich. Alles kann, nichts muss.

Tschüss Vorurteile

Nein, liebe Freund*innen, Kreuzfahrten sind nicht nur etwas für Rentner*innen. Und ja, liebe Großeltern, leisten kann sich diese Art des Reisens heute fast jedermann. Ich glaube, die Vorurteile über Seereisen sind inzwischen überholt. Wer es nicht ausprobiert hat, weiß nicht, was ihm entgeht. Wenn ihr euch in zu vollen Toilettencontainern den Sand aus den Haaren kämmt oder euch während eurer Selbstfindung mal wieder verlaufen habt, müsst ihr doch zugeben: So eine gemütliche Sonnenliege mit Meerblick, die euch sanft in den Mittagsschlaf schaukelt, wäre doch gar keine so schlechte Alternative, oder?

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