Warum Iran Kinder und Jugendliche hinrichtet

Sie waren noch Kinder, als sie wegen schwerer Straftaten im Iran zum Tode verurteilt wurden. Mindestens 49 von ihnen warten auf ihre Hinrichtung. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International spricht von mindestens 73 Jugendlichen, die seit dem Jahr 2005 hingerichtet worden sind.

© Atta Kenare/AFP/Getty Images

Demonstranten in Iran. © Atta Kenare/AFP/Getty Images

Welche Vorwürfe erhebt Amnesty gegen Iran?

Mindestens 73 Menschen sollen zwischen 2005 und 2015 hingerichtet worden sein, die ihre Straftaten verübt hatten, als sie noch minderjährig waren. Mindestens 49 sollen derzeit auf ihre Hinrichtung warten, viele von ihnen schon seit einigen Jahren. Anmesty International spricht von einer Dunkelziffer, die deutlich höher sei. Die Vereinten Nationen (UN) hatten im Jahr 2014 mehr als 160 jugendliche Todeskandidaten geschätzt.

Grafiken: Mark Heywinkel

Warum sitzen in Iran Jugendliche in Todeszellen?

Verurteilt wurden sie wegen Mordes, Vergewaltigung, Drogenvergehen, Gefährdung der nationalen Sicherheit, Förderung der „Verdorbenheit auf Erden“ oder Feindschaft gegen Gott.

Anders als in Deutschland gibt es im Iran kein Jugendstrafrecht. In Deutschland beträgt die Jugendstrafe laut Jugendgerichtsgesetz sechs Monate bis fünf Jahre, in Ausnahmefällen bis zu zehn Jahre. Tatsächlich hat Iran aber ein Abkommen gegen die Todesstrafe gegen Minderjährige unterzeichnet, berichtet Amnesty.

Was wissen wir über die vermeintlichen Straftäter?

Wir wissen, dass einige von ihnen zur Zeit der Straftat sehr jung waren, Amnesty schreibt von Hingerichteten, die 12, 13, 14 Jahre alt waren. Einige sind schon vor ihrem 18 Geburtstag hingerichtet worden.

Amnesty stellt im Bericht einige Beispiele vor.

Saman Naseem

Saman Naseem gehört zur kurdischen Minderheit in Iran. Im Jahr 2013 wurde er wegen „Feindschaft gegen Gott“ und „Förderung von Verdorbenheit auf Erden“ zum Tode verurteilt. Er hatte gestanden, an bewaffneten Angriffen gegen den Staat teilgenommen zu haben. Später sagte er, das Geständnis hätte er nur unter Folter abgegeben. In diesen Tagen soll sein Fall neu verhandelt werden.

Makwan Moloudzadeh

Makwan Moloudzadeh wird die Vergewaltigung eines 13 Jahre alten Jungen vorgeworfen, er selbst soll bei der Tat ebenfalls 13 Jahre alt gewesen sein. Unter Folter gestand er laut Amnesty die Tat. Im Zuge seines Prozesses widerriefen angebliche Opfer jedoch ihre Aussagen: Die Polizei habe sie zu den Vorwürfen gezwungen. Verurteilt wurde Makwan dennoch. Seiner Familie zufolge habe man ihn rasiert und auf einem Esel durch die Stadt geführt. Später wurde er hingerichtet.

Was bedeutet der Bericht politisch?

Iran und der Westen sind sich im vergangenen Jahr näher gekommen – doch es war eine turbulente Zeit. Der Atomstreit endete und mit ihm die Sanktionen; nun streitet Iran mit Saudi-Arabien und anderen umliegenden Staaten. Irans Präsident Hassan Ruhani ist derzeit in Europa unterwegs und wirbt für Wirtschaftsverträge, um sein Land wieder an den Weltmarkt anzuschließen.

In diese Zeit fällt der Amnesty-Bericht. Europäische Regierungsvertreter haben nun die Möglichkeit, Ruhani unter Druck zu setzen. Ob das bei Wirtschaftsgesprächen tatsächlich passiert? Schwer zu sagen. Aber westliche Politiker werden sich die Frage gefallen lassen müssen.