Warum Japan Hakenkreuze auf Landkarten hat

Andere Kulturen, andere Landkarten. In Japan werden buddhistische Tempel mit Hakenkreuzen gekennzeichnet. Um Touristen nicht weiter zu verwirren, werden diese nun ersetzt. Die Hakenkreuze, nicht die Touristen.

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Glück für alle! © picture alliance / Stephan Scheuer

In unseren Breitengraden kennen die meisten das Hakenkreuz wohl am ehesten aus der Zeit des Nationalsozialismus, das heute zu oft auf Hauswände, Grabsteine oder Bushaltestellen geschmiert wird. Doch die Swastika ist keine Erfindung der Nazis. Sie ist ein gut dokumentiertes, antikes Symbol, das in Asien, Europa und seltener auch in Afrika und Amerika gefunden wurde – das älteste ungefähr 10.000 vor Christus.

Im Hinduismus, Jainismus und Buddhismus gilt das Hakenkreuz bis heute als religiöses Glückszeichen und ist ständiger Wegbegleiter in Asien. Sie können sowohl links- als auch rechtsgewinkelt sein.

Genauso in Japan. Das Land verwendet das Symbol, um auf Landkarten den Ort buddhistischer Tempel zu kennzeichnen – und hat auf diese Weise Touristen aus dem Westen verwirrt. Die haben angeblich unzählige Beschwerden eingereicht, die Symbole wären schwer zu verstehen oder beleidigend.

Den Touristen zuliebe

Das Land möchte jetzt die Swastika und andere missverständliche Symbole von den Landkarten nehmen. Als Gastgeber der Rugby-Weltmeisterschaft 2019 und der olympischen Sommerspiele 2020 hat das Land nun eine Reihe neuer Symbolbilder erstellt, die etwaige Missverständnisse aus dem Weg räumen sollen.

Buddhistische Tempel sollen zukünftig mit dem Symbol einer dreistöckigen Pagode statt mit einer Swastika bezeichnet werden. Die Symbole werden Ende März veröffentlicht.

Es war allerdings nicht nur das Hakenkreuz, das Touristen verwirrte. Ein einfaches X, das zwei Schlagstöcke symbolisieren soll, kennzeichnet auf japanischen Landkarten eine Polizeiwache. Das Zeichen wird in Zukunft durch einen salutierenden Polizisten ersetzt. Ein H mit einem Kreis drum herum kennzeichnet in Japan keinen Helikopter-Landeplatz, sondern ein Hotel.

Japan möchte damit ein Umfeld schaffen, in dem sich ausländische Besucher leicht zurechtfinden. Mit 19,74 Millionen Besuchern im vergangenen Jahr und einer Steigerung von mehr als 47 Prozent im Vergleich zu 2014 hat Japan einen Besucherrekord verzeichnet. Vor allem auch aufgrund der bevorstehenden Veranstaltungen erwartet das Land einen großen Zustrom an Touristen.

Social Media: „Touristen, bildet euch!“

Die Entscheidung, das Swastikasymbol zu ersetzen, wurde getroffen, nachdem die japanische Geospatial Information Authority (GSI) mehr als 1000 Menschen aus 92 Ländern darüber befragt hatte, inklusive Touristen, Botschafter und Austauschschüler. Insgesamt sollten 18 verschiedene Landkarten-Symbole auf ihre Verständlichkeit überprüft werden.

Das Ergebnis: Obwohl die Swastika einen antiken Ursprung hat, teilweise gegen den Uhrzeigersinn gedreht ist und in Japan seit Jahrhunderten mit dem Buddhismus assoziiert wird, bringen es die meisten Touristen mit dem Nationalsozialismus in Verbindung.

Die Änderungen werden nicht für Landkarten auf japanischer Sprache gelten, und auch die Symbole auf den Tempeln selbst bleiben unverändert. Von den 18 bestehenden Symbolen werden sechs ersetzt.

„Social Media“-Nutzer in Japan kritisieren die Entscheidung hingegen. Ignorante Touristen müssten sich besser bilden und verstehen lernen, dass es sich hierbei um Jahrhunderte alte Symbole handelt, die tief mit der Geschichte des Buddhismus verknüpft sind.