Warum Kartoffel-Salat cooler ist als Quinoa-Salat

Quinoa-Salat mit Süßkartoffeln, Mungobohnen-Sprossen und Avocado-Dressing. Sonst noch Wünsche? 

Foto: VICUSCHKA/Photocase.de

Lecker Kartoffelsalat! Foto: VICUSCHKA/Photocase.de

Essen ist heutzutage cool, lecker, gesund und hip – wir besuchen immer mehr Streetfood-Märkte, hypen Ernährungs-Trends und posten unseren Quinoa-Süßkartoffel-Avocado-Salat mit dem Hashtag #foodporn.

Aber Quinoa kommt aus Peru, Süßkartoffeln kommen aus China, Avocados aus Israel – das Kohlenstoffdioxid-Gewissen dieses Salates (und damit auch das unsrige) ist schwer belastet.

Doch was passiert auf unserem Lebensmittelmarkt? Wissen wir eigentlich, was hinter unserem Salat steckt? Und wie geht es eigentlich den Bauern in Deutschland, wenn wir nur noch Quinoa-Salat & Co. auftischen?

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Essen ist Politik

Klar ist das Kochen mit exotischen Lebensmitteln spaßig, lecker und auch gesund. Der Trend zum Streetfood, Functional Food, Superfood und #foodporn steigert unser Interesse an exotischen Lebensmitteln anscheinend enorm. Aber bei allem Hype sollten wir die Verantwortung mit jedem Bissen nicht einfach runterschlucken.

Denn Essen ist nicht nur Genuss, sondern auch Politik.

Die Landwirtschaft steckt in einer schweren Krise, was Preise und Vertrauen der Kunden angeht.

Über den Zustand der deutschen Landwirtschaftsbranche und das Leben der Bauern lesen wir nur selten etwas. Auf dem deutschen Bauerntag in Hannover wird genau darüber diskutiert.

Der Berliner Food-Aktivist Hendrik Haase weiß: „Auf dem Bauerntag geht es um viel und für viele um alles. Die Landwirtschaft steckt in einer schweren Krise, was Preise und Vertrauen bei ihren Kunden angeht.“

Dialog mit Verbrauchern, NGOs und Aktivisten

Gerade wählte der Bauernverband den Präsidenten Joachim Rukwied wieder, der für eine weitere Industrialisierung von Landwirtschaft und Tierhaltung steht. Auch innerhalb der Bauernschaft sei er zunehmend umstritten, sagt Haase. Was die Landwirtschaft brauche, sei der Dialog mit Verbrauchern, NGOs und Aktivisten. „Doch statt sich zu verändern und auf Qualität und Transparenz zu setzen, wird sich weiter verbarrikadiert und abgeschottet“, meint Haase.

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Eines weiteres Problem sei die Konzentration der Massenproduktion in der deutschen Landwirtschaft.  „Aus meiner Sicht zerstört diese Politik und Lobbyarbeit weiteres Vertrauen in der Bevölkerung und fördert die Abkehr von der Landwirtschaft. Auf der Strecke bleiben vor allem die bäuerlichen Betriebe, die die Industrialisierung nicht mitmachen können.“

Was können wir tun?

Da gibt es wahrscheinlich nur eine Antwort. Und zwar eine, die vermutlich schon jeden nervt, aber trotzdem wahr und wichtig ist: Lasst uns auf unseren Konsum achten. Werfen wir immer wieder einen genauen Blick auf das Regal mit Produkten aus dem Umland: Was ist gerade saisonal? Mit welchem bewussten Kauf können wir die Bauern in unserer Umgebung gezielt unterstützen?

Also: Wann hast du das letzte Mal einen einfachen Kartoffelsalat gegessen (ohne Süßkartoffeln!), statt dir auf dem Streetfood-Markt schicke Sommerrollen zu gönnen?

Wenn wir es als Herausforderung sehen, macht das Kochen mit Kartoffeln, Bohne und Kohlrabi bestimmt mindestens genauso viel Spaß wie das Experimentieren mit exotischen Produkten. Satt macht es auf jeden Fall.

Hier ein einfaches Rezept zum ausprobieren:

750g festkochende Kartoffeln kochen, abschrecken, schälen, etwas abkühlen lassen und in Scheiben schneiden. Zwiebel in feine Würfel schneiden und zu den Kartoffeln geben.
Für das Dressing 5 EL Gemüsebrühe2-3 EL Apfelessig2 EL Kürbiskernöl1 TL Senf und 1 TL Honig gut vermischen und darüber geben. Abschmecken und mit Schnittlauch garniert servieren.