Warum Lettland Energy Drinks für unter 18-Jährige verbietet – und Deutschland nicht

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In Lettland dürfen Jugendliche bald keine Energy Drinks mehr kaufen. © picture alliance

Lettische Politiker fürchten sich um die Gesundheit ihrer Jugend. Sie verbieten ihnen, Energy Drinks zu kaufen. In Deutschland fordert die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch ähnliches – doch der Ernährungsminister lehnt ab.

Was ist passiert?

Vom 1. Juni an dürfen Menschen unter 18 Jahren in Lettland keine Energy Drinks mehr kaufen. Das hat das lettische Parlament Ende Januar beschlossen. 88 Abgeordnete stimmten für das Gesetz, zwei dagegen, einer enthielt sich. Ähnlich wie beim Alkohol in Deutschland müssen Verkäufer künftig das Alter der Kunden überprüfen – anhand des Ausweises. Zudem müssen Verkäufer die Ware auf separaten Regalen präsentieren und mit einem Schild versehen, dass auf die möglichen Risiken der Getränke hinweist.

Außerdem dürfen die Anbieter der Getränke keine Werbung mehr schalten, die gezielt Jugendliche anspricht. Anzeigen für Energy Drinks dürfen keine Verbindung zu Sport oder Alkohol haben – das dürfte unter anderem den österreichischen Hersteller Red Bull treffen, der sein Marketing stark auf Extremsportler ausrichtet.

Warum verbietet Lettland Energy Drinks?

Die Getränke stehen im Verdacht, Herzrhythmusstörungen, Nierenversagen und Krampfanfälle zu verursachen. In einer Pressemitteilung des lettischen Parlaments verweist die Regierung auf eine Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). In ihr hatten Wissenschaftler untersucht, wie viel Koffein Jugendliche zu sich nehmen. Ein Ergebnis: Jugendliche in fünf von 13 untersuchten EU-Mitgliedsstaaten nehmen mehr Koffein zu sich als empfohlen. Ein Grund dafür sind Energy Drinks. Der Studie zufolge sind Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren die Hauptkonsumenten von Energy Drinks. 41 Prozent von ihnen würden sie trinken, um beim Sport mehr leisten zu können oder um sie mit Alkohol zu mischen.

Wie ist die Lage in Deutschland?

Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert ein Verkaufsverbot in Deutschland. Auch die SPD ist für ein Verbot.  Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) lehnt das ab. „Verbote laufen ins Leere. Wir müssen stattdessen das Bewusstsein schärfen“, lässt er über eine Sprecherin mitteilen. Nachhaltige Erfolge seien nur durch Aufklärung und Bildung möglich. Er verweist auf die Website „Check deine Dosis“, die einen Koffeinrechner enthält. Dort kann man sich anzeigen lassen, ob man sich noch im sicheren Bereich bewegt. Außerdem gebe es Faltblätter, Hörfunkbeiträge sowie Materialien für den Schulunterricht.