Warum Los Angeles seine Straßen hellgrau streicht

Keine Stadt in den USA hat mehr Straßen als Los Angeles. Sie tragen allerdings auch dazu bei, den ohnehin heißen Ort noch mehr aufzuheizen. Ein Pilotprojekt soll helfen, die Stadt abzukühlen.

Straßen, mehr Straßen, und noch mehr Straßen. © JOE KLAMAR/AFP/Getty Images

Rund 13 Millionen Menschen leben in der Metropolregion Los Angeles. Vor allem im Sommer leiden sie regelmäßig unter Tagen mit über 35 Grad Celsius. Je nach Stadtteil waren es in den Jahren zwischen 1981 und 2000 zwischen vier und dreißig Tage im Jahr. Forscher*innen der University of California haben untersucht, welchen Einfluss der Klimawandel bis Mitte des Jahrhunderts auf die Temperaturen in der Stadt haben könnte. Ihr Ergebnis: In manchen Teilen der Stadt verdoppeln sie sich, in anderen wären es sogar viermal so viele. Das bedeutet auch mehr Todesfälle durch Überhitzung und Schlaganfälle.

Doch nicht nur der Klimawandel ist schuld daran. Die Stadt selbst ist ein Problem. Nirgends in den USA gibt es mehr Straßen als in Los Angeles. Nach Angaben des Bureau of Street Services sind es knapp 170 Quadratkilometer, eine Fläche großer als ganz Liechtenstein.

Sie verstärken einen Effekt, den man urban heat island effect nennt. Er beschreibt die Tatsache, dass Gebäude und Straßen Sonnenwärme speichern und an die Umgebung abgeben. Dieser Effekt führt dazu, dass Los Angeles drei Grad Celcius heißer ist als das Umland.

Ursprünglich fürs Militär entwickelt

Um die Hitze abzumildern, hat die Stadt sich einen sustainable city pLAn auferlegt. Das Ziel: Die Durchschnittstemperatur bis 2035 um etwa zwei Grad Celsius senken. Dafür soll die Oberfläche, die Hitze speichert und an die Umgebung abgibt, kleiner werden, etwa durch reflektierende Dächer, mehr Bäume und seit Neuestem auch hellere Straßen. In einem Pilotprojekt hat die Stadt einige davon hellgrau gestrichen.

More miles to go. © LA Street Services / Twitter

Die Farbe dafür stammt von der Firma GuardTop, die sie ursprünglich für das Militär entwickelt hatte. Rollfelder wurden mit dem Material gestrichen. Das sollte verhindern, dass sich die Flugzeuge darauf aufheizten – und sie so weniger sichtbar machen für Infrarotkameras des Feindes.

Während regulärer Asphalt 80 bis 90 Prozent des Sonnenlichts absorbiert und sich so aufheizt, reflektiert die Spezialfarbe das Licht. Wie ein Video zeigt, ist der normaler Asphalt am Morgen bereits um knapp sieben Grad Celsius wärmer als solcher mit Spezialfarbe.

Das Pilotprojekt soll auch klären, ob sich der Farbwechsel auf die gesamte Stadt übertragen lässt und wie Autofahrer*innen damit zurechtkommen.

Straßen, Straßen, Straßen

Ob sich das Projekt großflächig umsetzen lässt, ist bislang unklar. „Wir gehen davon aus, dass es einen starken Effekt hätte, wenn wir es auf ein Drittel der Stadt übertragen würden“, sagte Greg Spotts der Washington Post. Er ist stellvertretender Leiter der Straßenbaubehörde von Los Angeles, schränkt aber zugleich ein: „Mehr als 10 Prozent der Stadt sind mit Asphalt bedeckt. Das sind 69.000 Häuserblocks.“

Dafür würde das Budget des Pilotprojekts nicht reichen. Das beträgt 150.000 US-Dollar, umgerechnet 125.000 Euro. Damit ließen sich nur ungefähr fünf Kilometer Straße streichen, wie die Washington Post schreibt. Einen Gewinner hat das Projekt aber jetzt schon: Die Firma GuardTop hat bereits Anfragen aus Israel, Saudi Arabien und Australien für ihre Spezialfarbe bekommen.