Warum man eine der größten Umweltkatastrophen der USA nicht sieht, sondern nur riecht

Seit zwei Monaten strömen große Mengen Gas aus einem Leck eines unterirdischen Gastanks in Kalifornien. Bis es geschlossen wird, könnten Monate vergehen. 1700 Häuser wurden bereits evakuiert – das Klima leidet weiter.

© DAVID MCNEW/AFP/Getty Images

Wegen eines Gaslecks sind bislang rund 1700 Häuser von Porter Ranch evakuiert worden. © DAVID MCNEW/AFP/Getty Images

„Mashable“ nennt das Gasleck 40 Kilometer nördlich von Los Angeles das „Deepwater Horizon“ Kaliforniens. Die Ölplattform im Golf von Mexiko explodierte im April 2010. Daraufhin strömten hunderte Millionen Tonnen Öl aus einem Bohrloch ins Meer – es dauerte Monate, bis Arbeiter das Leck stopfen konnten.

Ähnlich stellt sich die Situation jetzt im San Fernando Valley in Kalifornien dar. Bereits Ende Oktober hatte der Betreiber „Southern California Gas Company“ ein Leck in einem unterirdischen Gastank in 150 Meter Tiefe festgestellt. Seitdem strömen Tag für Tag große Mengen Gas in die Atmosphäre – und Behörden und Betreiber gelingt es nicht, das Leck abzudichten.

Aufnahmen einer Infrarotkamera zeigen das Gasleck. © EDF

Das Gas stinkt nach faulen Eiern

Der Unterschied zu Deepwater Horizon: Während eine Ölpest Küsten verklebt und als Schmierfilm auf dem Meer treibt, sieht man das Gas mit bloßem Auge nicht – aber man riecht es. Behörden haben bislang Dutzende Bewohner aus Rund 1700 Häusern umgesiedelt und entschieden, zwei Schulen für das laufende Schuljahr an andere Orte zu verlegen.

Anwohner in der Nähe hatten über gesundheitliche Probleme geklagt. Grenzwerte wurden nicht überschritten, aber das Gas stinkt nach faulen Eiern, weil es mit Mercaptan versetzt ist.

Das Methan im Gas schadet dem Klima bis zu 80 mal mehr als Kohlendioxid

Schlimmer ist jedoch der Schaden, den das Leck dem Klima zufügt: Das Problem ist das darin enthaltene Methan. Eine Tonne davon schadet dem Klima (je nach Betrachtung des Zeithorizonts) bis zu 80 mal mehr als eine Tonne Kohlendioxid.

Der Environmental Defense Fund hat errechnet, dass das Leck dem Klima in gut zwei Monaten so sehr geschadet hat, wie sechs Millionen Tonnen Kohlendioxid es im selben Zeitraum tun würden. Zum Vergleich: Ganz Berlin ist pro Jahr für rund 20 Millionen Tonnen Kohlendioxid verantworlich.

Noch ist unklar, wie das Leck entstehen konnte. Der Tank hatte eine Routineuntersuchung im Vorjahr bestanden. Ingenieure versuchen seit Ende Oktober fieberhaft, das Leck in 150 Metern Tiefe zu schließen – bislang ohne Erfolg. Nun soll eine Bohrung in 2500 Metern Tiefe das Problem lösen. Durch das Bohrloch soll eine Gemisch aus Schlamm und Salzwasser in die Tiefe gepumpt werden. So wollen die Arbeiter den Gasfluss zum Leck stoppen.

Wie eine Sprecherin der Southern California Gas Company „Motherboard“ sagte, dürfte das „Ende Februar oder Ende März“ der Fall sein. Bis dahin wird das Gas weiter ungehindert in die Atmospähre entweichen.