Wieso „Pokémon Go“ uns alle komplett durchdrehen lässt

Server sind überlastet, Nintendos Aktienkurs ist so gut wie seit 1983 nicht mehr. Die ganze Welt will die kultigen Monster jagen. Zurecht: Vor allem die Technik hinter „Pokémon Go“ beeindruckt.

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Liebe ist: Zusammen auf die Jagd nach Pokémon gehen. © Screenshot | Instagram | headhunterz

Und plötzlich steht da ein Glumanda im Wohnzimmer.

Nintendo holt die Pokémon mit Augmented Reality (AR) in die reale Welt. Die coole Technik ist einer der Gründe für den enormen Hype, den „Pokémon Go“ entfacht. Aber von vorne: Was soll die ganze Spinnerei um ein Smartphone-Spiel eigentlich?

Pokémon ist Kult; vor 20 Jahren wurden die knuddeligen Monster in Japan geschaffen, später erschienen die ersten Spiele auf dem Gameboy. Der Trend eroberte damals schon die Kinder dieser Welt. Und diese Kinder sind heute erwachsen, berufstätig und haben Smartphones in ihren Taschen. Es war also nur eine Frage der Zeit bis das Unternehmen Nintendo, geistiger Vater der Pokémon, eins und eins zusammenzählt und eine Umsetzung der beliebten Spiele auf aktuelle Geräte bringt.

„Endlich“ denken die Spieler und beginnen zu jagen

Verständlich daher: Schon die Ankündigung eines „richtigen“ Pokémon-Spiels fürs Smartphone machte den Fans aus alten Tagen den Mund wässrig. Bisher gab es nämlich nur Spiele, die zwar den Namen trugen, aber nicht offiziell von Nintendo und der Pokémon Company veröffentlicht wurden – und auch eher semi-spielenswert waren.

Jetzt aber also sollte es endlich soweit sein. Ein echtes Pokémon-Game, in dem man die Monster jagen, sie trainieren und mit ihnen Kämpfen kann – ganz wie früher auf dem Gameboy.

Wirklich ganz so wie früher spielt sich die Smartphone-Umsetzung aber nicht: Damals nämlich steuerte man seinen Pokémon-Trainer aus der Vogelperspektive und Knopfdruck durch Pixel-Welten. Für „Pokémon Go“ schöpften die von Nintendo beauftragten Entwickler*innen Niantic aus allen Möglichkeiten, die Smartphones bieten.

Während damals die Spielwelt Stück für Stück entwickelt wurde und die Game-Designer Dörfer, Städte, Felder, Flüsse und Wälder „erfanden“, ist heute mittels Google Maps und GPS-Technik die echte Welt die Spielwelt. Spieler*innen suchen also in ihrer Umwelt nach Pokémon. Das ist ein bisschen wie Geocaching.

Wenn ein Pokémon erscheint, springt die Smartphone-Kamera an und eines der Monster erscheint durch AR auf dem Bildschirm. Das klingt alles wahnsinnig kompliziert, spielt sich aber sehr intuitiv und macht Spaß.

Die Technik ist das beeindruckendste am Spiel: Die Umgebung auf dem Display ist akkurat dargestellt, es wird genau erkannt wo man sich gerade befindet – und je nach Ort und Höhenlage findet man auch verschiedene Pokémon, die in verschiedene Klassen unterteilt sind. So erscheinen in Flussnähe etwa Wasserpokémon und auf dem Balkon im fünften Stock Flugpokémon.

John Hanke, CEO von Niantic, sagte den Kolleg*innen von Mashable, dass die Kartendarstellung essentiell für das Spiel ist: „Viele von uns arbeiteten vorher viele Jahre bei Google Maps und Google Earth, also wollten wir auch, dass die Karten gut werden.“

Überall auf der Karte sind sogenannte „Poké-Stops“ eingerichtet, dort kann man mit der Spielwährung neue Pokébälle erwerben, die man zum Fangen der Monster benötigt. Die Währung kann für das Spiel kann man auch im „echten Leben“ kaufen, das ist aber kein Muss. Je mehr unterschiedliche Monster man fängt, desto mehr Erfahrungspunkte erhält man, desto stärker wird man für die späteren Kämpfe im Spiel – das Prinzip motiviert und weckt einen Sammeltrieb.

Die „Poké-Stops“ und Kampfarenen sind dabei an Sehenswürdigkeiten und prominenten Orten platziert – beispielsweise an Stolpersteinen oder Brunnen. Den Entwicklern half dabei der Datenpool, den sie durch ihr ebenfalls auf AR und Karten basierendes Spiel „Ingress“ sammeln konnten.

Das bedeutet also: Wer spielen möchte, muss zwangsläufig vor die Tür. Und sich darauf einstellen, dass der Akku nicht stundenlang durchhält.

Von Wasserleichen, Dieben und Serverproblemen

Vergangenen Mittwoch in der USA und Australien veröffentlicht, gibt es schon jetzt wilde Geschichten über das neue Smartphone-Spiel: Eine Frau fand statt eines Wasserpokémons in Flussnähe eine Leiche. In den USA warteten Diebe auf ins Spiel vertiefte Jugendliche, um sie zu erleichtern.

Nintendos Aktienkurs beschert dem Unternehmen einen Erfolg, den es so seit vielen Jahren nicht mehr hatte. Enorme Serverprobleme brachten die Entwickler dazu, den Release des Spiels in Europa und Asien zu verschieben, überhaupt ist das Spiel derzeit die meist heruntergeladene App in den USA, verdrängt sogar Tinder, Twitter und WhatsApp von den Ranglisten.

Schon jetzt sind nicht offizielle Versionen von Pokemon Go für Android im Umlauf (teilweise mit Trojanern verseucht), auch für das iPhone kann man sich das Spiel über einen Umweg aufs Handy laden.

Offiziell erscheinen soll Pokémon Go in Deutschland noch in dieser Woche. Dann können endlich auch hierzulande die Kinder von früher in ihren Erinnerung schwelgen – und versuchen, sie alle zu schnappen.

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