Warum sich niemand als Trostpflaster hergeben sollte

Menschen zu daten, die frisch aus einer Beziehung kommen, geht in den meisten Fällen nach hinten los und tut weh. Aus offensichtlichen Gründen, die du vielleicht nicht wahrhaben willst.

Rebound

Kein Mensch sollte auf Dauer ein Ersatz für jemand anderen sein. © mirrorrorrim / Photocase

Niemand kann etwas für seine*ihre Gefühle. Weder du noch der Mensch, dem du dein Herz geschenkt hast. Aber es gibt Konstellationen, da ist Schmerz fast vorprogrammiert. Wenn du dich beispielsweise in jemanden verliebst, der*die direkt eine Trennung hinter sich hat.

Klar, auch tiefe Liebe kann spontan passieren. Aber oft genug ist es so, dass dabei jemand verletzt wird. „Der neue Partner dient häufig als Tröster und Therapeut“, erklärt Stefanie Stahl, Psychotherapeutin und Buchautorin (“Vom Jein zum Ja! Bindungsangst verstehen und lösen“).

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Verständlich ist, dass Getrennte oder Verlassene eine Schulter zum Anlehnen brauchen. „Es liegt in unseren Genen, dass wir nach Bindung suchen, wenn wir uns einsam, ängstlich und traurig fühlen. Das ist erstmal ein recht natürlicher Prozess“, so die Beziehungs-Expertin. Wer Liebeskummer habe, sei zutiefst verunsichert, habe das Gefühl, nicht zu genügen und suche daher umso mehr Bestätigung bei anderen. In emotionalen Krisenzeiten sei man besonders bedürftig und deshalb recht unkritisch bei der Partnerwahl. Dann suche man in erster Linie einen Stabilisator.

Auch verständlich, dass du trotzdem Hoffnung hast. „Viele Menschen verlieben sich am heftigsten, wenn der andere eben nicht wirklich sicher ist“, so Stefanie Stahl. „Dahinter steckt der Wunsch, von sich zu überzeugen.“

In dieser Konstellation besteht jedoch die Gefahr, dass du dich hauptsächlich zur Projektionsfläche für die Aufwertung deines*deiner frisch getrennten Partner*in machst oder zur Überbrückung dienst. Stahl: „Es kann auch leicht passieren, dass der Getrennte wieder mit seinem Ex-Partner zusammen kommt.“

[Außerdem bei ze.tt: Worauf du achten solltest, wenn du jemanden mit gebrochenem Herzen datest]

Was du verdient hast? Alles!

Denn mal ganz ehrlich: Du bist mehr wert als das.

Du hast es verdient, dass dir jemand seine*ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt – und nicht den gesamten Abend über immer wieder semi-heimlich aufs Smartphone schielt, in der unterdrückten Hoffnung, der*die Ex habe sich gemeldet oder irgendwas in sozialen Netzwerken gepostet.

Dir sollte jemand zuhören, dich in den Arm und Anteil an deinem Leben nehmen – und nicht permanent ausschließlich von seinen*ihren eigenen Problemen sprechen und dich womöglich auch noch darum bitten, dass du ihn*sie an deiner vollgeheulten Schulter nach Hause bringst.

Du bist es wert, dass jemand Rücksicht auf deine Gefühle nimmt – und nicht eure Beziehung dazu benutzt, seine*ihre eigenen seelischen Wunden zu kaschieren oder zu heilen und sich mit deiner erbaulichen Gesellschaft lediglich vom zertrümmerten Ego ablenkt.

Mit dir sollte jemand vollkommen bekloppte Zukunftspläne schmieden, einen Roadtrip durch Mexiko oder eine Ballonfahrt zum Beispiel – und sich nicht mit vagen Aussagen aus allem rausreden, was über einen Zeitraum von sechs Monaten hinausgeht oder immer ohne dich in den Urlaub fahren.

Nicht zuletzt hast du es definitiv verdient, dass jemand „wir“ sagt, wenn es drauf ankommt und dich als echte*n Partner*in sieht und behandelt – und nicht alles allein macht oder entscheidet, um lediglich bei Bedarf auf dich und deine Zuneigung zurückzugreifen.

Unsicher? Hinhören!

Wenn du dir jetzt noch immer nicht ganz klar darüber bist, ob dein*e Partner*in offen für eine neue Beziehung bist, höre genau hin. „Menschen, die mit einer Partnerschaft wirklich abgeschlossen haben, haben selten noch das Bedürfnis, über diese zu reden“, sagt Stefanie Stahl. Und falls die neue Person in deinem Leben noch oft und mit viel Wut und Kränkung über die vergangene Beziehung spricht und dir nicht gibt, was du verdienst, hilft laut der Expertin nur eins: „Nach meiner Erfahrung wird ambivalentes Verhalten in einer Beziehung meistens (…) schlimmer. Je früher man sich also aus so einer ungesunden Situation verabschiedet, desto besser.“

Bye
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