Warum sich Paare nicht erzählen sollten, mit wie vielen Leuten sie Sex hatten

Wenn wir jemand Neues kennenlernen, wollen wir alles über diese Person erfahren. Die Anzahl bisheriger Sexpartner*innen sollten wir aber verschweigen, empfiehlt eine Paarberaterin.

Mit wie vielen Menschen was bisher im Bett geschah, sollte ein Geheimnis bleiben. Photocase

Beim Dating stellt man sich häufig ganz furchtbare Fragen. Besonders eindrücklich zeigt das zurzeit der RTL-Bachelor bei seiner wöchentlichen Fernsehbrautschau. „Fütterst du gerne Männer?“, „Was machst du am liebsten in München?“, „Bin ich ein Charmeur und wie hat sich das bemerkbar gemacht?“ – niemand hat Bock auf derlei nichtssagendes Smalltalk-Gefasel.

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Spätestens wenn man nackt und nassgeschwitzt nebeneinander liegt, dürften endlich tiefschürfende Fragen zur Sprache kommen. Die Beziehung zu Freunden und der Familie zum Beispiel. Glaube. Drumpf. Petry. Der ganze serious stuff. Endlich geht es um was und endlich kann man sich ein besseres Bild von der Person in seinem Bett machen.

So gern man sich aber auch kennenlernen und mit Fragen überschütten will, es gibt auch Themen, die ganz schnell zum Fallstrick für junge Beziehungen werden können. Die schlimmste aller Fragen ist wohl diese: Mit wie vielen Leuten hattest du eigentlich vor mir Sex?

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Bei flüchtigen Affären mag es noch egal sein, die wievielte Nummer man ist. Da stellt man die Frage eh nicht. Wenn es um ernstere Beziehungen und um Liebe geht, interessiert uns natürlich, was und mit wem es unsere Partner*innen vor uns getrieben haben. Wir wollen wissen, was für Erfahrungen unser Gegenüber bereits gesammelt hat, ob er*sie möglicherweise noch an alten Liebschaften hängt oder, ganz egoistisch und banal, wie viele angestrengte Begegnungen mit Expartner*innen wir auf der Straße fürchten müssen.

Die Sexpartner*innen-Frage ist der Killer

Doch die Paartherapeutin Juliette Boisson rät davon ab, die Sexpartner*innen-Frage zu stellen. Sie würde unklärbare moralische Implikationen mit sich bringen. „Wer bestimmt denn, welche Anzahl von Partnern okay ist? Da steckt man schnell in Diskussionen, auf die es keine eindeutige Antwort gibt“, sagt Boisson. Außerdem würde man sich mit der Diskussion in Vergangenem verrennen, das sich ohnehin nicht mehr ändern lässt.

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Ob jemand mit einer Person oder mit dreiundachtzig geschlafen hat, spielt keine Rolle. Sie offenzulegen, kann das Gegenüber oder einen selbst nur verunsichern und unnötig Streit provozieren. Aber nur, weil die Zahl kein Thema sein sollte, heißt das nicht, dass man gar nicht über vergangene Beziehungen und Affären sprechen darf. Im Gegenteil: „Gerade Gespräche über vergangene Verletzungen, sei es in Beziehungen oder in der Ursprungsfamilie, geben Aufschluss darüber, warum ich mich heute in bestimmten Situationen so oder so verhalte“, sagt Boisson.

Wer etwa in vergangenen Beziehungen betrogen wurde und das erzählt, der bekommt von dem*der neuen Partner*in womöglich mehr Empathie und Verständnis für bestimmte Verhaltensweisen wie beispielsweise Misstrauen entgegengebracht.

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Wie detailliert man sich von Vergangenem erzählt, liegt im eigenen Ermessen. Sobald ein Störgefühl auftauche, sollte man das deutlich sagen. „Denn auch innerhalb einer Beziehung gilt: Jeder hat ein Recht auf Privatsphäre, die vom anderen respektiert werden sollte“, sagt Boisson.

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