Warum sich Trump und der Papst in den Fall eines unheilbar kranken Babys einschalten

Das Schicksal eines kranken Babys in England erregt weltweit Aufmerksamkeit. Ärzt*innen sagen, das Baby hätte keine Chance zu überleben, die Eltern wollen trotzdem nicht aufgeben.

Connie Yates und Chris Gard mit ihrem kleinen Sohn. © gofundme

Charlie Gard wird am heutigen Dienstag elf Monate alt. Dass er noch am Leben ist, verdankt er allein medizinischer Unterstützung, denn Charlie leidet am Mitochondrialen DNA-Depletionssyndrom, einer seltenen genetischen Krankheit. Seit seiner Geburt ist er nicht in der Lage, seine Arme und Beine zu bewegen. Er kann nicht essen, sich bewegen oder selbstständig atmen, er hat epileptische Anfälle.

Das Londoner Krankenhaus, das Charlie behandelt, fragte vergangene Woche nach der Erlaubnis, alle lebenserhaltenden Maßnahmen einzustellen. Es gäbe keine Möglichkeit mehr, Charlie zu helfen, ein Heilverfahren für seine Krankheit gibt es nicht. Seine Eltern, Connie Yates and Chris Gard, hingegen geben nicht auf. Sie wollen Charlie in den USA einem experimentellen Verfahren unterziehen, um sein Leben wenigsten ein bisschen zu verlängern.

Drei Gerichte in Großbritannien stimmten mit dem Krankenhaus bereits überein. Genauso wie der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR), der vergangene Woche eine Berufung von Charlies Eltern ablehnte. Eine Verlängerung von Charlies Leben sei unmenschlich und unvernünftig.

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Sowohl das juristische als auch das medizinische System stellte sich gegen die Wünsche der Eltern, die damit die Entscheidungsbefugnis verloren hatten. Seitdem ist Charlies Schicksal Gegenstand einer weltweiten Diskussion, in die sich auch Papst Franziskus und Donald Trump zu Wort einschalteten.

Der Papst bietet Hilfe an

Ein Sprecher des Vatikans, Greg Burke, sagte zu Vatikan Radio vergangenen Sonntag, dass der Papst dem Fall mit „Zuwendung und Trauer“ folgen würde. Er würde dafür beten, dass der Wunsch der Eltern, ihr eigenes Kind bis zum Ende zu begleiten und zu versorgen, nicht ignoriert würde. Die Sprecherin eines vom Vatikan betriebenen Kinderkrankenhauses, das Bambino Gesù in Rom, sagte zur italienischen Nachrichtenagentur Ansa am Montag, dass es Charlie aufnehmen würde.“Wir können die Verzweiflung verstehen. Sollte es der Wunsch der Eltern sein, werden wir das Kind so lange bei uns aufnehmen, wie es am Leben ist.“

Donald Trump bot in einem Tweet seine Hilfe an. „Wenn wir dem kleinen Charlie Gard […] helfen können, würden wir uns freuen“, schrieb er vergangenen Montag. Trump hat noch nicht mit der Familie gesprochen, da er sie „auf keinen Fall unter Druck setzen wolle“. Von Charlies Eltern kam bisher keine Reaktion zurück.

Dabei müssten derartig schreckliche Entscheidung ständig getroffen werden, sagt Jonathan D. Moreno, ein Ethikprofessor an der University of Pennsylvania. „Es ist sehr unüblich, dass ein Fall wie dieser so hohe globale Aufmerksamkeit erhält. Sie werfen schwierige moralische und ethische Fragen auf.“

1,5 Millionen Euro Spenden

Seit Oktober kämpfen Charlies Eltern um seine Lebenserhaltung. Online konnten sie mehr als 1,3 Millionen Pfund (etwa 1,5 Millionen Euro) an Spenden für das experimentelle Heilungsverfahren in den USA namens Nukleosid-Therapie sammeln. Es läuft eine internationale Kampagne und eine Online-Petition, vor dem Buckingham Palast in London gab es bereits Straßenproteste.

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Der High Court of Justice in England ließ unterdessen mitteilen, dass Charlie mit signifikantem Schaden konfrontiert sei, sollte sein Leiden ohne realistische Erfolgsaussichten verlängert werden. Das experimentelle Heilungsverfahren sei zudem nicht effektiv. Die unabhängigen und objektiven Beurteilungen der Gerichte seien im Interesse des Kindes.

„Wir sind für die Unterstützung der Öffentlichkeit in dieser extrem schweren Zeit sehr dankbar“, sagte Charlies Mutter vergangenen Freitag. Es scheint, dass die Eltern Charlies Schicksal mittlerweile akzeptiert haben: „Bitte respektieren Sie unsere Privatsphäre während wir uns für den Abschied unseres Sohnes vorbereiten“. Das Krankenhaus sei darauf vorbereitet. Seit Monaten wird dort von den Ärzt*innen überlegt, wie ein Abzug der Behandlung funktionieren könnte. Es gäbe keine Eile, sofort zu handeln. In Absprache mit der Familie würde diese Planung einige Tage in Anspruch nehmen.

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