Warum sind unsere Politiker nicht so lustig wie Obama?

Barack Obama hat mit Rapper Lin-Manuel Miranda im Weißen Haus gefreestylt – und das Video davon ging viral. Doch das ist nicht das erste Mal, dass der US-Präsident eine Entertainer-Performance abliefert. Und es ist bei weitem nicht die Beste. 

© AP Photo/Jacquelyn Martin

Barack Obama wird immer mehr zum Stand-Up-Comedian. © AP Photo/Jacquelyn Martin

„Drop the beat!“ Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten (aka POTUS) diese Anweisung gibt, dann legt der Schlagzeuger erst recht zackig los. So auch bei einem Termin im Weißen Haus, bei dem die Besetzung des Musicals „Hamilton“ zu Gast war.

Im Anschluss ging Barack Obama mit dem Macher und Rapper Lin-Manuel Miranda und einem Drummer in den Rosengarten und warf Miranda politische Begriffe zum Freestylen zu:

Am Ende dropt Obama ein unsichtbares Mic, high-fivet auf die coolste Weise und konstatiert: „Glaubt ihr, das geht viral? Das geht viral.“ Er behielt Recht. Aber er ist ja auch der Präsident. Und ein Performance-Profi.

Comedy-Naturtalent?

Obamas Reden können manchmal echte Stand-Up-Comedy sein. Diese hier zum Beispiel, in der er die Republikaner mit dem rhetorischen Florett rasiert:

„Er performt richtig. Total typisch für Stand-Up sind kurze Sätze, hohe Gag-Dichte“, erklärt uns Comedian Thomas Schwieger das Erfolgsrezept. „Auch Pausen, Aufbau und Satzbau sind im Grunde drei Elemente, die wir in der Comedy genau so verwenden.“

Seine Reden denkt sich aber nicht nur Obamas oberster Redenschreiber Cody Keenan aus; der Präsident arbeitet mitunter selbst bis in die Nacht daran.

Auch als Schauspieler ist der Politiker nicht unbegabt. In einem Fake-Kinotrailer mit Steven Spielberg spielte er Daniel Day-Lewis, der Obama spielt:

Und er kann sogar singen:

Obama geht ungewöhnliche Wege, um für seine Politik und seine Anliegen (zum Beispiel den Affordable Care Act) zu werben. Und das funktioniert besonders gut mit Unterhaltung – Comedy als Strategie.

Extra-lustig auf den letzten Metern

Inzwischen hat Obama keine Kampagne mehr vor sich, muss keine Wähler überzeugen, seine Amtszeit neigt sich dem Ende zu. Oder wie es US-Journalist Ben Dreyfuss ausdrückt: „Obama has zero fucks to give.“

Deshalb kann er noch deutlicher, lässiger, lustiger auftreten als ohnehin. Wie zum Beispiel in Jerry Seinfelds Sendung „Comedians in Cars getting Coffee“ Ende vergangenen Jahres.

„Ich komme wirklich gut bei der Altersgruppe null bis acht an, sie lieben mich“, sagt Obama im Auto zu Seinfeld. „Ich glaube, das liegt daran, dass meine Ohren so groß sind und ich wie ein Cartoon-Charakter aussehe.“ Mit solchen selbstironischen Inszenierungen gelingt ihm eine PR-wirksame Verbindung zwischen Mensch und Politiker, Staatsräson und Showmanship.

Bei uns? Wohl kaum!

Bei uns in Deutschland wäre das allerdings nicht vorstellbar. „Es wäre undenkbar, dass hier ein Politiker an so einer Show teilnimmt, da fällt man sofort in Ungnade. Das macht man nicht, das gehört sich nicht. Weil sich hier jeder schrecklich ernst nimmt. Uns fehlt ganz oft die Fähigkeit, auch über uns selbst zu lachen“, sagt Comedian Schwieger. Schade eigentlich.

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