Warum Sojawürstchen besser als Fleisch sind

Steak aus Lupinen, Fleischwurst aus Soja, Medaillons aus Seitan. Wenn Fleischesser gegen Vegetarismus argumentieren, kauen sie gerne auf dem Fleischersatz rum. Tasnim Rödder hält mit Fakten dagegen.

Cris Bouroncle/AFP/Getty Images

Ein Veggie Burger von Miss Nissei in Peru. Er basiert auf Quinoa. Cris Bouroncle/AFP/Getty Images

In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich die Anzahl der Vegetarier laut Vegetarierbund mehr als verzehnfacht. Die Mehrheit der Vegetarier entscheidet sich aus moralischen Gründen dafür. Nur 11 Prozent ernähren sich vegetarisch, weil sie Fleisch nicht mögen.

Viele Omnivoren (Menschen, die alles essen, sogar Brokkoli) begründen ihre Ernährungsweise damit, dass sie auf zu viel verzichten müssten. Darauf reagierten Lebensmittelunternehmen mit Fleischersatzprodukten: Das ist pflanzliches Eiweiß, aus zum Beispiel Soja oder Gluten, gepresst in Form von Nuggets, Wurst oder sogar Scampis. In den letzten fünf Jahren hat sich deren Umsatz mehr als verdreifacht – 2014 gaben die Deutschen 98 Millionen Euro für Fleischimitate aus, berichtet das Magazin enorm.

Fleischkonzerne entdecken Vegetarier-Trend für sich

Seit diesem Jahr machen auch Fleischkonzerne wie Tönnies,  Wiesenhof und Rügenwalder Mühle große Geschäfte mit fleischfreien Spezialitäten, berichtet die FAZ. Das Unternehmen Rügenwalder Mühle kündigte sogar an, 2016 ein Drittel seines Umsatzes mit vegetarischen Produkten ausmachen zu wollen. Sogar der Möbelkonzern IKEA schrieb sich vegane Köttbullar auf die Imbisstafel.

Oft heißt es von Fleischessern: Wenn Vegetarier Ersatzprodukte essen, sind sie nicht viel besser als Fleischesser. Denn das Soja für das Tofu käme bekanntlicherweise aus Brasilien, wo dafür die Regenwälder abgeholzt würden und Bauern ihr Land verlieren. So weit, so schlecht.

Dieses Argument hat Lücken: Es stimmt zwar, dass mehr als 50 Prozent der Sojaimporte Deutschlands aus Brasilien stammen, jedoch dient dieses größtenteils der Produktion von Tierfutter. Laut WWF sind 80 Prozent des Sojas weltweit für die Verarbeitung zu Futtermittel und zehn Prozent zu Agrartreibstoffen bestimmt. Allenfalls zehn Prozent werden zu Lebensmitteln verarbeitet. Davon werden wiederum 90 Prozent für die Herstellung von Margarine verwendet.

Tofu aus Europa

Und auch wenn viele Vegetarier und Veganer auf Ersatzprodukte als Eiweißquelle oder aus geschmacklichen Gründen zurückgreifen, müssen sie noch lange nicht vegetarische Schinken Spicker von „Rügenwalder Mühle“ kaufen. Tofuhersteller wie Taifun oder GranoVita produzieren ihre Tofuprodukte aus österreichischem Soja; sie sind in so gut wie jedem Biomarkt oder Reformhaus erhältlich.

Auch bezogen auf den ökologischen Fußabdruck ist die Tofuwurst klar im Vorteil. Lebensmittelwissenschaftler Kurt Schmidinger hat das in einer Studie ausgerechnet: Während ein konventionelles Stück Fleisch bis zu 335 Kilogramm Kohlendioxid produziert, lassen sich Fleischalternativen lediglich 3,8 und 2,4 Kilogramm Kohlendioxid zu Schulden kommen.

Faktisch betrachtet leben die Vegetarier und Veganer unter uns nachhaltiger, freundlicher, für unseren Planeten. Doch bei allen Debatten sollten wir zuerst auf unseren eigenen Teller gucken. Saisonalität, Regionalität und Bioqualität sind Merkmale, nach denen wir uns richten können.

Am Ende muss jeder selbst entscheiden, wie viel Verantwortung er oder sie mit der Ernährung tragen möchte und welcher Ernährungsstil der Richtige ist – Tofuwurst hin oder her.