Warum Streit auch in Fernbeziehungen erlaubt sein sollte

Streit in Fernbeziehungen gilt als No-Go, viel zu wertvoll scheint die gemeinsame Zeit. Trotzdem gibt es Meinungsverschiedenheiten. Wie ihr damit umgehen solltet.

Darf man streiten, oder muss man um jeden Preis die Harmonie bewahren? © Unsplash / Francisco Moreno / CC0

Fernbeziehungen sind so eine Sache. Ich stecke mittlerweile seit einem Jahr in einer drin. Manchmal könnte man auch sagen, ich bin darin gefangen. Denn mitunter fühlt es sich so an. Wie eine Gefangenschaft. Weil ich nicht einfach so Entscheidungen treffen kann. Weil ich in meiner Freiheit beschränkt bin. Ich kann nicht einfach zu meinem Partner gehen, seine Hand nehmen, mich bei ihm anlehnen. Ich kann nicht mit ihm gemeinsam essen, ihn bei Sorgen in den Arm nehmen. Und wir können uns nicht streiten. Aber, Moment, können wir uns wirklich nicht streiten oder wollen wir das einfach nur vermeiden?

Grundsätzlich kann man sich mit allen Menschen streiten. Dazu ist es nicht wichtig, ob sie auf dem Sofa neben mir sitzen, oder am anderen Ende der Welt. Das Internet und andere Formen der Kommunikation machen heutzutage fast alles möglich. So auch das Streiten.

Streiten über WhatsApp ist besonders anstrengend

Streiten über WhatsApp ist besonders anstrengend. Hier wird mir wohl jede*r zustimmen können. Es ist verdammt mühselig, alle Gefühle in Worte zu verpacken und das geht auch nicht in der Geschwindigkeit, wie wir es gerne tun würden. Alle kennen das und hassen es. Nicht umsonst gibt es dieses lustige Bild auf dem steht: Warum zehn Minuten telefonieren, wenn man es bei WhatsApp auch in acht Stunden erledigen kann. Oder so ähnlich.

Wie ist das mit dem Streiten aber nun in einer Fernbeziehung? Darf man das oder muss man um jeden Preis die Harmonie bewahren?

Natürlich hat man Meinungsverschiedenheiten. Auch in einer Fernbeziehung lässt sich das nicht vermeiden. So ist das Leben. Gerne streitet man sich dann auch mal am Wochenende, wenn man sich für 48 kostbare Stunden sehen darf. Nachdem man stundenlang durch die Welt gegondelt ist, um einander berühren zu können. Diese gemeinsame Zeit erscheint oft viel zu wertvoll, um sie mit streiten zu vergeuden. Ja, aber streiten ist wichtig und auch gesund für eine Beziehung. Egal ob nun fern oder nah. Trotzdem muss ich sagen, dass man kleine Dinge einfach manchmal runterschluckt, weil man seine Zeit lieber anders verbringen möchte.

[Außerdem auf ze.tt: Fernbeziehung: Dieses Pärchen überwindet Distanz in gemeinsamen Fotos]

Oder wenn es dann zum Knall kommt, dann ist man schneller bereit, wieder aufeinander zuzugehen. Auch weil die Zeit kurz ist und das nächste Treffen wieder ein paar Tage oder Wochen entfernt ist. Man sieht sich nicht oft. Und das zehrt zusätzlich an den Nerven. Während man sonst vielleicht ein paar Stunden im eigenen Saft schmoren würden, rafft man sich in einer Fernbeziehung schneller zu einer Versöhnung auf.

Nicht immer ist das einfach; wenn man streitet, hat man schließlich seine Gründe. Aber will man wirklich Zeit, Geld und Nerven in ein Wochenende gesteckt haben, um sich dann aus dem Weg zu gehen? Nein, natürlich nicht. Man möchte möglichst Frieden schließen und sich mit Freude und Versöhnlichkeit voneinander verabschieden. Im Streit auseinanderzugehen ist wirklich schlimm. Es hängt dann die ganze Zeit, bis zum nächsten Wiedersehen nach.

Wichtig für das Streiten in Fernbeziehungen ist:

1. Rafft euch auf

Schleppt den Konflikt nicht ewig mit euch rum und versauert stur in getrennten Zimmern. Rafft euch auf und klärt das! Nichts ist schlimmer, als die gemeinsame Zeit in einer dicken Wolke aus Missmut zu verbringen.

2. Vermeidet Streitsituationen nicht prinzipiell

Ihr müsst euch auch mal fetzen, denn das staut sich sonst bloß auf. Ihr seid zwei verschiedene Charaktere, da werdet ihr auch mal Reibungspunkte haben. Das ist ganz normal. Sich künstlich Zugeständnisse zu machen, die deine Laune in den Keller treiben, lässt sich auch nicht lange durchhalten.

3. Klärt Unstimmigkeiten lieber am Telefon, als über stundenlanges Schreiben

Schreiben führt zu vielen Missverständnissen und mit der Stimme lassen sich einige Dinge doch noch mal genauer darlegen. So wütend man vielleicht auch ist, das Schreiben wird deinen Unmut garantiert nicht reduzieren.

4. Verabschiedet euch möglichst im Guten

Abschiede sind auch ohne Streit schon schwierig genug. Ich kann dir sagen, dass ein Abschied und Streit überhaupt nicht gut miteinander funktionieren. Man wird die Kälte und die gespielte Belanglosigkeit bis zu dem Tag bereuen, an dem man den*die geliebte*n Partner*in das nächste Mal im Arm halten kann.

Ein Streit in einer Fernbeziehung funktioniert letztlich ähnlich, wie wenn ihr euch eine Wohnung teilt. Es kommt darauf an, mit dem*der Partner*in das Gespräch zu suchen. Der einzige Unterschied ist der, dass man nicht alles so lange vor sich herschieben kann, da die gemeinsame Zeit viel kürzer und irgendwie auch kostbarer ist. In einem gewissen Maß ist streiten gut und gesund für eine Beziehung. Macht euch das beide zunutze und freut euch lieber auf die Versöhnung.