Warum Studierende immer länger bei den Eltern wohnen

Wir ziehen immer später aus dem Elternhaus aus. Das liegt nicht nur an zu hohen Mieten und vollen Stundenplänen – auch das Verhältnis zu Mama und Papa hat sich verändert.

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Besonders für Männer bleibt Mutti die beliebteste Mitbewohnerin. © photocase.com/cydonna

Statt sich in zahllosen Castings um WG-Zimmer zu prügeln, ziehen viele Student*innen gar nicht erst aus dem Kinderzimmer aus. Vier von zehn Deutschen wohnen auch mit Mitte 20 noch bei den Eltern. Das ergab eine Umfrage des statischen Bundesamtes – vor fast fünfzig Jahren waren es nur zwei von zehn.

Außerdem gibt es ein Geschlechtsgefälle: Insgesamt bleiben mehr Jungs im warmen Nest und ziehen statisch gesehen später aus. 2014 lebte rund die Hälfte aller 23-jährigen Männer mit den Eltern zusammen, bei den Frauen war es nur jede dritte.

Gründe dafür sind gestiegene Mieten, Wohnungsmangel, längere Ausbildungszeiten und volle Stundenpläne, die keinen Raum für einen Nebenjob lassen. Die meisten wohnen nicht aus Bequemlichkeit im „Hotel Mama“, sondern aus fehlender Alternative.

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Dass immer mehr Kinder zuhause bleiben, liegt aber auch am veränderten Verhältnis zwischen den Generationen. Es ist freundschaftlicher als früher: „Man muss sich nicht mehr wie James Dean gegen die Eltern auflehnen. Es herrscht weitgehend Konsens zwischen den Eltern und jungen Erwachsenen“ sagt Familiensoziologin Corinna Onnen in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeine.

Und doch haben Nesthocker kein gutes Image. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov gaben 65 Prozent der Befragten an, dass junge Erwachsene bis zu ihrem 25. Geburtstag aus dem elterlichen Haus ausgezogen sein sollten.