Warum Tateh seiner Oma ein Haus aus Plastikflaschen baute

Am Westrand der Sahara leben seit über 40 Jahren Hunderttausende Geflüchtete in Lagern. Auch Tateh ist dort geboren und aufgewachsen. Als Ingenieur kehrte er jetzt zurück.

Wie schwer es ist in der Sahara zu überleben, weiß der heute 28-jährige Tateh Lehbib Breica nur zu gut. Er ist Teil einer Generation, die in einem Geflüchtetenlager mitten in der algerischen Wüste geboren und aufgewachsen ist. Er kennt die extreme Trockenheit, die starken Sandstürme und die teils schweren Regenfälle, mit denen die saharauischen Geflüchteten in der algerischen Provinz Tindūf zu kämpfen haben.

Das Lager, in dem Tateh aufgewachsen ist, existiert bereits seit den 1970er Jahren. Damals hat sich Spanien als Kolonialmacht aus der Westsahara zurückgezogen und das Land, in dem die Sahraui lebten, wurde in großen Teilen von Marokko annektiert. Es folgten schwere Auseinandersetzungen zwischen der marokkanischen Regierung und der Befreiungsbewegung der Sahrauis, die Freute Polisario. Hunderte Menschen kamen dabei ums Leben und Tausende flohen in das benachbarte Algerien. Bis heute ist der Konflikt nicht beigelegt.

Die Geflüchtetenlager, in denen die Sahrauis seit Jahrzehnten auf ihre Unabhängigkeit warten, ähneln mittlerweile kleinen Städten. Längst stehen neben Zelten auch kleine Häuser. Als 2015 das Haus von Tatehs Oma bei einem großen Unwetter in sich zusammenfiel, beschloss Tateh sein Stipendium an einer Universität in Algerien und Spanien zu nutzen, um nach einem Baukonzept für Unterkünfte in seiner Heimat zu suchen. „Die Häuser werden aus Lehm gebaut, also können sie starken Regen nicht standhalten”, erzählt Tateh und „wenn ein Sandsturm aufkommt, verlieren die Häuser ihre Dächer.”

In seiner Nachbarschaft nennen die Menschen Tateh mittlerweile den crazy bottle boy – rund 6.000 Plastikflaschen schleppte der Ingenieur von einer zwei Kilometer entfernten Mülldeponie in das Lager. Er tauschte Lehmziegel gegen mit Sand gefüllte PET-Flaschen, das Dach aus Zinkblech gegen Zement und isolierte die Flaschenfassade mit einer Mischung aus Stroh und Erde.

„Anfangs war es wirklich schwierig, weil das Konzept keine Akzeptanz fand”, erzählt Tateh. Aber nur solange, bis das erste Haus für Tatehs Oma Form annahm. Mittlerweile stehen 25 Häuser in dem Lager, das in dem Grenzgebiet zwischen Algerien, Mauretanien, Marokko und der Westsahara liegt. Für Tateh ist das erst der Anfang, denn für die Hunderttausenden Menschen, die dort teilweise seit über vierzig Jahren leben, werden noch sehr viele sichere Unterkünfte gebraucht.