Warum „The Shannara Chronicles“ deine nächste Lieblings-Fantasy-Serie sein sollte

Mit „Shadowhunters“ und „The Shannara Chronicles“ kannst du dich auf gleich zwei neue Fantasy-Serien stürzen. Es lohnt sich aber nur eine von beiden.

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Amberle muss die magische Welt der Zukunft retten. © Viacom Media Networks

Machen wir es kurz: Wenn du überlegst, „Shadowhunters“ anzufangen – lass es! Die Serie hat viele handwerkliche Mängel, sie ist unübersichtlich erzählt, die Spezialeffekte wirken künstlich, die Charaktere sind unglaubwürdig, die Dialoge hölzern. Dagegen schneidet fast jede Serie gut ab. Wenn du ein neues Fantasy-Epos anfangen willst, dann dieses: „The Shannara Chronicles“. Und zwar aus diesen Gründen:

Die postapokalyptische Welt


Die postapokalyptische Welt, die hier entworfen wird, ist faszinierend: Die Menschheit ist fast ausgestorben, andere Lebewesen haben die Herrschaft übernommen, die Kämpfe ums Überleben sind blutig, die Landschaft ist teilweise lebensfeindlich. Und: Überall erinnern Relikte an unsere hochtechnologische Gegenwart, die in dieser Welt längst Vergangenheit ist, sie spielen sogar hin und wieder eine Rolle in der Geschichte. Wunderbar umgesetzt in der neuseeländischen Landschaft.

Die Bösen


Die Bösen sehen wirklich gut aus und sind richtig schön fies. Um welche Bösen es sich handelt? Da können wir aus Spoilergründen nicht zu sehr ins Detail gehen. Nur so viel: Das Aussehen des Oberbösewichts wurde von Weta Workshop entworfen – die Firma, die unter anderem die Masken und Waffen für „Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ gestaltet und hergestellt hat. Entsprechend furchteinflößend sieht er aus, überzeugend fies sind auch seine Taten und die seiner Unterbösewichte.

Die tollen Frauenrollen


Zwei der drei Figuren, die die Welt vor dem Untergang retten müssen, sind junge Frauen: Amberle und Eritrea. Sie sind hartnäckig, können richtig gut kämpfen und lernen sehr schnell, sich gegen dominante Männer durchzusetzen. In Fantasy-Serien oder -Filmen sind weibliche Rollen noch viel zu oft reine Anhängsel der männlichen Helden.

[Außerdem bei ze.tt: Der Bechdel-Test analysiert die Stärke weiblicher Filmfiguren]

Der Soap-Faktor

Und weil der dritte im Weltretter-Trio der gut aussehende junge Typ Wil ist, gibt es – na klar – auch ein Schüsschen Liebesdrama. Gegen wohldosierte Soap-Anteile haben wir ja alle nichts, das macht das Mitfiebern noch schöner. Bei einer MTV-Eigenproduktion wäre es auch wirklich verwunderlich, wenn Herzschmerz nicht vorkommen würde.

Die Coming-of-Age-Elemente

In der Serie stellt sich den Figuren immer wieder die Frage: Erwachsen werden und nebenbei sehr viele Mitlebewesen retten? Oder eher andersherum: Viele Mitlebewesen retten und nebenbei erwachsen werden müssen. Das haben wir alle zwar schon des Öfteren gesehen – „Buffy“, „Hunger Games“ oder auch „Herr der Ringe“ – aber eigentlich ist die Mischung von Coming-of-Age und Heldenreise immer wieder spannend anzuschauen. Wenn, ja, wenn sie …

Das Storytelling

… gut erzählt wird. Und das wird sie: Die Serie basiert auf den mehr als 20 Büchern der „Shannara“-Saga von Terry Brooks, einer der meistverkauften Fantasy-Reihen der Welt. Die Drehbuchautoren erzählen allerdings nicht eins der Bücher nach, sondern haben unterschiedliche Charaktere und Ereignisse zu einer eigenen, serientauglichen Geschichte verwoben. Eigentlich keine Überraschung, schließlich mischt hier ein Mann mit, der sich damit auskennt, fantasievolle Vorlagen in überzeugende Filme zu übersetzen: Executive Producer ist Jon Favreau, unter seiner Leitung sind die ersten drei „Iron Man“-Filme und die beiden „Avengers“-Filme entstanden.

Klingt spannend? Gut. Es gibt jedoch fünf Dinge, die du bedenken solltest, bevor du jetzt mit „The Shannara Chronicles“ loslegst:

Es gibt keine Vampire

Wenn für dich Vampire unbedingt zu einem guten Fantasy-Spektakel dazugehören, solltest du dich trotzdem nicht „Shadowhunters“ zuwenden. Dort gibt es zwar attraktive Vampire zuhauf. Doch die sind nichts im Vergleich zu Vampiren, die wir aus anderen Serien kennen. Wer sexy Vampire sehen will, sollte sich besser „Vampire Diaries“ anschauen. Und wer sexy Vampire in ordentlichen Sexszenen sehen will, für den gibt es eh nur eins: „True Blood“.

[Außerdem auf ze.tt: So schnell würden Vampire die Menschheit ausrotten]

Künstliche Kulissen

Die technische Umsetzung ist phasenweise zwar richtig gut (siehe oben), manchmal wirkt sie aber auch billig. Besonders die Szenen, die im Schloss der Elfen spielen, sind nicht immer gut gemacht, sehen steril und künstlich aus – erinnern hin und wieder sogar an übrig gebliebene Kulissen aus „Stargate“. Aber, seien wir mal ehrlich: Sind unsere Ansprüche an die Produktionsqualität manchmal nicht zu hoch, weil wir durch die Qualität von „Game of Thrones“ verdorben sind? Die HBO-Serie hat ein Budget, von dem die Macher jeder anderen Serie auf diesem Planeten nur träumen können. Dass „Shannara“ da nicht in jeder Szene mithalten kann, ist kein Wunder. Und wenn man die „GoT“-Verzerrung abzieht: Diese MTV-Serie ist sehr gut umgesetzt. (Psst. Bei „Shadowhunters“ sind mitunter CGI-Szenen dabei, die wirklich zum Ausschalten sind.)

Talent? Naja …


Nicht alle Schauspieler wurden nur wegen ihres Könnens ausgewählt. Bei manchen scheint das Aussehen die entscheidende Rolle gespielt zu haben. Nun ja, da muss man durch – das Problem hält sich glücklicherweise in Grenzen und nimmt ab, je weiter die Serie voranschreitet. Und: Das ist ein Problem, das sich in „Shadowhunters“ leider sogar bei den Hauptdarstellern durchzieht, Besserung ist nicht in Sicht.

Mehr Herzschmerz

Du liebst die „Shannara“-Bücher? Dann sei darauf gefasst, dass dich hier nicht nur eine neu verwobene Geschichte erwartet, sondern auch andere Schwerpunkte gesetzt wurden: mehr Herzschmerz, weniger Magie. Auf Wunsch von MTV, aber mit Terry Brooks’ Segen.


„The Shannara Chronicles“ ist bei Amazon Video im Prime-Paket enthalten. Wöchentlich wird mittwochabends bis 2. März eine neue Folge veröffentlicht.