Warum wir alle mehr Kuscheln sollten

Wem es schlecht geht, der sehnt sich oft nach Zuneigung und Zärtlichkeit. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts haben nun herausgefunden, warum das so ist und dass derselbe Mechanismus auch gegen Schmerzen helfen könnte.

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Free Hugs – vielleicht sind Umarmungen besser als Schmerztabletten? © picture alliance / Moritz Vennemann

Kuscheln ist nicht nur ein Grundbedürfnis und schützt vorm Kotzen, es ist auch schmerzlindernd. Beim Kuscheln wird im Gehirn das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, dass auf den Menschen nicht nur eine befriedigende und beruhigende Wirkung hat. Das Hormon soll ein wahrer Alleskönner sein, wie Forscher des Max-Planck-Instituts in Heidelberg nun berichten.

Sie haben bei Ratten eine kleine Population an Nervenzellen entdeckt, die die Ausschüttung von Oxytocin ins Blut koordiniert und auch Zellen im Rückenmark anregt. Werden diese Zellen gereizt, erhöht sich der Oxytocinspiegel im Körper. Was wiederrum eine schmerzlindernde Wirkung hat.

Müssen wir jetzt auf mehr Kuschelparties gehen?

Die Forscher regten die Population der kleinen Zellen gezielt mit Licht an und brachten sie so dazu, mehr Oxytocin auszuschütten. Die Ratten mit einem erhöhten Oxytocin Spiegel im Blut reagierten weniger stark auf die Berührungen eines entzündeten Fußes.

Die Wissenschaftler folgern daraus, dass ihre Schmerzempfinden niedriger ist. Eine Hemmung der Oxytocinwirkung erhöhte dagegen das Schmerzempfinden.

Die Forscher gehen davon aus, dass es eine vergleichbare Wirkung im menschlichen Körper gibt. „Vermutlich ist das menschliche Oxytocin-System jedoch komplexer und besteht aus mehr als 30 Zellen“, erklärt der Direktor Peter Seeburg. Was für Schlüsse sollten wir nun daraus ziehen? Statt Schmerztabletten vielleicht der verpönten Kuschelparty noch mal eine Chance geben.