Warum uns diese Songcover aus Filmzitaten so begeistern

Manchen reicht es nicht, „Hello“ aus Adeles Mund zu hören – sie wollen James Bond oder den Terminator. Aber warum sind Lieder „sung by movies“ so beliebt im Internet? Weil sie Popkultur par excellence sind.

Screenshot: © The Unusual Suspect/Youtube

Wieso gehen uns vor allem Songs aus Filmen nur schwer aus dem Kopf? Screenshot: © The Unusual Suspect/Youtube

Es muss mit dem Tod des klassischen Musikfernsehens zusammenhängen. Seitdem Musik immer und überall im Netz zur Verfügung steht, sitzt keiner mehr stundenlang vor der Röhre, um diesen einen Clip nochmal zu sehen. Das Musikvideo hat an Reiz verloren.

Mit einer Ausnahme: Lieder „sung by movies“. Dabei schneidet ein gelangweilter Mensch irgendwo in der Welt ein Musikvideo für einen beliebten Song aus Filmzitaten zusammen. Ein aktuelles Beispiel ist diese Montage von Linkin Parks „In The End“:

Das Internet liebt diese Videos. Wieso eigentlich?

1. Nostalgie

Jede Kultur hat ihre popkulturellen Auswüchse, die geschichtliche und soziale Umstände der jeweiligen Zeit aufgreifen. Diese Popkultur lebt vom gegenseitigen Zitieren, Kopieren und Verweisen. Sie hilft, das kulturelle Gedächtnis aufrechtzuerhalten, damit wir, im wahrsten Sinne: unsere Kultur nicht vergessen.

Es geht dabei um Wissen, das nicht verloren gehen soll. Früher funktionierte das hauptsächlich über das Erzählen von Märchen und Legenden oder das gemeinsame Singen von Liedern in der Kirche.

Durch die Digitalisierung wurde es möglich, vorhandenes Material zu benutzen und neues daraus zu schaffen. Film-Montagen folgen diesem Prinzip – wie das Samplen im Hip Hop: Verbinde zwei popkulturelle Produkte miteinander und herauskommt ein neues. So wird Wissen verknüpft und digital weitergegeben.

2. Zocken

Vielleicht kennt ihr dieses stolze Gefühl, wenn ihr ein Filmzitat erkennt. Dieses „Hey, das ist doch Brad Pitt in Inglourious Basterds.“ Wenn das passiert: Herzlichen Glückwunsch, du gehörst zur Kultur! Denn nur, wer innerhalb einer Kultur lebt, versteht auch deren Symbole und Bedeutungen.

Aber nicht nur das: Wer viele oder seltene Zitate erkennt, wird zum Kenner. Diese Glorifizierung von Experten gibt es in allen Bereichen der Popkultur – in der Musik, der Kunst und im Film. Die Nerdiness, die früher negativ gemeint war, ist heute cool.

Wer sich die Video-Montagen ansieht, prüft sich selbst: Wie viele Filme erkenne ich? – ergo: Wie cool bin ich?

Challenge: Welche Filme erkennst du in diesen Songs?

Adele

Wu-Tang Clan

Sir Mix-a-Lot

Journey

Vanilla Ice

3. Faszination

Ein weiterer Grund, die Videos anzusehen, ist Neugier: Schafft es der Macher bis zum Ende des Songs, passende Zitate zu finden? Es scheint nicht nur unmöglich zu sein, sondern vor allem umständlich und aufwendig. Es muss Stunden dauern, Filme nach passenden Wortlauten zu durchsuchen und die Szenen passend zusammenzuschneiden.

Doch gerade diese absurde Investition in ein so zweckfreies Ding wie ein Video ist faszinierend. Hat der Mensch nichts besseres zu tun? Steckt dahinter eine größere Message? Nein, es ist schlichtweg banal.

Und das ist die gute Nachricht: Ihr müsst euch nicht einmal schlecht fühlen, wenn ihr eure eigene Lebenszeit für das Ansehen der Videos ver(sch)wendet. Andy Warhol hat fast seine komplette Karriere mit der Faszination des Banalen verbracht und war damit sehr erfolgreich.