Warum wir gerade jetzt unbedingt alle nach Warschau müssen

Aus Polen kommen derzeit meist negative Schlagzeilen. Dabei ist das Land eines der aufstrebenden EU-Mitglieder und seine Hauptstadt Warschau längst mehr als ein Geheimtipp. Gerade in diesem Sommer sollte euch kein Weg an der Weichselmetropole vorbeiführen – aus sechs guten Gründen.

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Warschau ist unbedingt einen Sommerurlaub wert – und auch gar nicht so teuer. Pixabay/CC0

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1. Das Budget: Die Preise schonen euren Geldbeutel

Ein Gratis-Konzert im Park. Foto: Alexander Hertel
Ein Gratis-Konzert im Park. Foto: Alexander Hertel

Die Zeiten des extremen Schnäppchen-Tourens jenseits der Oder sind schon lange passé. Aber durch den aktuell günstigen Wechselkurs kann man dort trotzdem mit minimalem Budget maximal viel erleben. Ein Hostel-Bett etwa gibt’s schon für umgerechnet zehn Euro, ein Mittagessen kostet vier und ein Bier zwei Euro.

Viele Museen und Ausstellungen sind an bestimmten Tagen kostenlos, ebenso wie Open-Air-Kinos und -Konzerte. Eins davon gehört zum Pflichtprogramm jedes Warschau-Besuchs: Im Sommer spielen sonntags Konzertpianisten Chopin-Stücke vor dem Denkmal des berühmtesten polnischen Musikexports. Mitten in Park! Selbst für Klassikmuffel ein besonderes Erlebnis.

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Nach Warschau kommt man am preiswertesten mit dem Bus. Entspannter geht es jedoch per Zug mit dem Berlin-Warszawa-Express. Ab 29 Euro kommt ihr in knapp über fünf Stunden von der deutschen in die polnische Hauptstadt. Das Highlight gibt’s im Speisewagen: eine echte Küche. Bei einem frisch geschlagenen Rührei ist die Aussicht gleich doppelt toll.

2. Kultur: Die Museen gehören zu den spannendsten Europas

Fast im Jahrestakt eröffnen in Warschau neue Museen. Das Museum des Warschauer Aufstands lässt zwischen Originalbomber und nachgebautem Fluchttunnelsystem erahnen, welches Trauma die Zerstörung Warschaus durch die Deutschen ausgelöst hat. Harter Tobak, aber wichtig, um diese Stadt zu verstehen.

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Interaktiv ist auch das preisgekrönte Museum der polnischen Juden POLIN nahe des Stadtzentrums. Architektonisch ist es eines der spannendsten Gebäude des neuen Warschaus. Und drinnen wandert man durch 2000 Jahre jüdischer Geschichte.

Das Highlight ist aber das Kopernikus-Zentrum direkt am Weichselufer. Das Ufo-ähnliche Gebäude beherbergt das größte Naturkundemuseum Polens, ein echtes Ausprobier-Paradies mit hunderten Stationen. Dort könnt ihr Kameraroboter durch eine Pyramide steuern oder zum menschlichen Blitzableiter werden. Ist eigentlich für Kinder und Jugendliche konzipiert, aber auch für große Kinder ein Riesenspaß.

3. Natur: Das Weichselufer ist ein einzigartiges Biotop. Noch!

Das Weichselufer wird immer belebter. Foto: Alexander Hertel
Das Weichselufer wird immer belebter. Foto: Alexander Hertel

Direkt neben dem Museum liegt die wiedererwachte Lebensader der Stadt. Jahrzehntelang war die Weichsel eine vernachlässigte Kloake. Doch seit einigen Jahren kehrt das Leben zurück. Am Westufer entsteht eine Kilometerlange neue Uferpromenade. Und an den schon fertigen Stücken reihen sich schwimmende Bars aneinander. Im Sommer vergnügen sich die Warschauer*innen hier zu Tausenden bis in den Morgen.

Auf der gegenüberliegenden Seite liegt die eigentliche Besonderheit des Flusses. Weite Teile des Ufers sind komplett verwildert. Ein Waldstreifen schirmt es vom Stadtteil Praga ab. Im hohen Schilf könnt ihr hier entspannt grillen, den Bauch in die Sonne halten und die Ruhe genießen. Bei einem malerischen Blick auf die Altstadt. Oder ihr stürzt euch in das Getümmel der vollkommen überfüllten Hipsterstrände rund um das Nationalstadion.

4. Feiern: Die Clubs haben internationales Niveau erreicht

Viel und ausgiebig feiern gehört zu den Lieblingshobbys der Warschau*innen. Und Tanzen natürlich. Dutzende Clubs locken allabendlich mit Live-Musik oder DJ bis zum Morgengrauen. Hydrozagadka und Sen Pszczoły in Praga gehören schon zum Stamminventar der Stadt.

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Neuster Liebling aller Freund*innen der elektronischen Musik ist aber ein Laden mit dem Metaebenen-Namen „1.500 Quadratmeter zur Miete“ mitten im Stadtzentrum. Regelmäßig legen dort Größen der europäischen Clubszene, aber auch polnische Newcomer auf.

Den Berliner Partyveteran*innen mag das nur ein mildes Lächeln abgewinnen, allen anderen wird der unprätentiöse Feierstil der Warschauer aber entgegenkommen: Für fünf Euro kommt ihr überall rein, auch ohne Lederanzug und getanzt wird auf Wodka statt MDMA.

5. Fußball: Die Nationalelf könnte die Überraschung der EM werden

Wie fußballverrückt die Polen sind, konnte man bereits vor vier Jahren erleben, als das Turnier in der Ukraine und Polen stattfand. Damals verwandelten die Fans Warschau fast vier Wochen lang in eine Partyzone. Und das, obwohl ihre Mannschaft heillos unterlegen war.

Beim Singen der Hymne sind die Warschauer*innen schon Weltklasse. Hier vor dem EM-Spiel Polen gegen Griechenland 2012.

Vor der EM in Frankreich sieht es sportlich viel besser aus. Die Truppe um Bayern Münchens Superstar Robert Lewandowski qualifizierte sich souverän für die Endrunde und besiegte sogar Weltmeister Deutschland. Bei der erstmals mit 24 Teams ausgetragenen Europameisterschaft sollte die Mannschaft mindestens in die KO-Runde einziehen.

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Gleich am zweiten Spieltag geht es wieder gegen Deutschland. Sollte ihr Team da gewinnen, zeigen euch die Warschauer*innen, wie man ausrasten auf Polnisch konjugiert. Definitiv ein größeres Erlebnis als ein schnöder deutscher „Pflichtsieg“.

6. Freunde: Die Warschauer wollen Gästen das andere Polen zeigen

Überhaupt ist die Gastfreundschaft der Warschauer*innen legendär. Nach zehn Minuten kennt ihr bereits die halbe Kneipe. Der beste Ort zum Ausprobieren sind die hippen Pawilony, eine Hand voll kleiner Kneipen in einem runtergekommenen Innenhof im Stadtzentrum. Hinstellen, Bier kaufen und Hallo sagen, schon habt ihre ein halbes Dutzend neuer Freunde. Und gerade wegen der Diskussionen um die neue Regierung fühlen sich viele junge Pol*innen besonders motiviert, euch zu zeigen, dass sie, ihre Stadt und ihr Land anders sind als die Schlagzeilen: nämlich fröhlich, modern und weltoffen.


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