Warum der Nebenjob nicht das Wichtigste für den Berufseinstieg ist

Nahezu jeder Student hatte schon einmal einen Nebenjob. Die Liste scheint endlos: Barkeeper, Fahrradkurier, Wachdienst, Verkäufer, Messehostess, Schreiner oder Obstverkäufer auf dem Wochenmarkt. Aber bringt der Job neben dem Geld einen Mehrwert?

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Neben dem Studium arbeiten? © coralie/photocase.de.

Laut einer Studie des Personaldienstleisters univativ arbeiten nur 22,6 Prozent der Studenten nebenbei nicht. Etwas mehr als ein Viertel arbeitet zehn Stunden und mehr. 3,7 Prozent sogar über 20 Stunden.

„Studenten agieren kurzfristig. Für sie sind Jobs eher ein Mittel zum Zweck. Sie tragen zum Lebensunterhalt bei und machen sich gut im Lebenslauf. Der spätere Karriereweg spielt bei der Jobauswahl keine nennenswerte Rolle — Hauptsache, die Bezahlung stimmt“, so Olaf Kempin, univativ-Geschäftsführer.

Statistisch gesehen übernehmen die Eltern den größten Teil der Lebenshaltungskosten — mit etwa der Hälfte. An zweiter Stelle finden sich Jobs mit 29,2 Pozent.

© Screentshot/ Quelle: Unicensus 2013.

Nur ein Sechstel der Befragten (16 Prozent) findet, dass akademische Wissensvermittlung die beste Vorbereitung auf den Jobeinstieg ist. Wichtiger sind aus Sicht der Studenten Praxissemester und Praktika (56 Prozent) sowie Nebenjobs (23 Prozent).

Screenshot/Quelle: Unicensus 2013.

Die meisten Befragten erklärten, sie studieren auf ein klares Ziel hin und wollen das Studium schnell abschließen, scheinen sich aber noch nicht mit ihrem Berufseinstieg zu befassen. Monika Sieverding vom Psychologischen Institut der Universität Heidelberg sieht darin kein Problem. „Das war früher auch nicht anders. Man studiert erst einmal auf ein nahes Ziel hin — Bachelor, Master oder Diplom — und versucht, das möglichst gut zu erreichen.“

Wichtig ist nur, dass man überhaupt etwas neben dem Studium macht, sonst hat man später schlechte Chancen. Wer bereits im Studium erste Kontakte knüpft, hat es später leichter. Am einfachsten geht das über Praktika und Werkstudententätigkeiten. Hier lernt man die richtigen Leute kennen und sammelt begehrte Erfahrung in der Berufswelt.

Auch als Wissenschaftliche Hilfskraft an einem Lehrstuhl kann man viel Erfahrung sammeln. Wer Doktoranden bei der Promotion hilft, lernt eine Menge für die akademische Kariere. Hier lernt ihr mit Experten aus dem eigenen Fachgebiet kennen oder arbeitet eng mit der freien Wirtschaft zusammen. Dieser Pool aus Kontakten kann sich beim Berufseinstig als sehr nützlich erweisen. Fast jede dritte Stelle wird ohne Ausschreibung vergeben.

Wer von euch „nur“ als Kellner oder Verkäufer gejobbt hat, braucht sich dennoch keine Sorgen zu machen. Es kommt darauf an, wie ihr eure Tätigkeit darstellt: Redet sie nicht klein. Durch den direkten Kontakt mit Kunden erlernt ihr wertvolle Softskills: der höfliche Umgang mit Menschen, Stressresistenz, Konzentration, ein gutes Gedächtnis, selbstbewusstes Auftreten, Überzeugungskraft.

Als Schreibtischtäter in einer Kanzlei oder in der Accounting-Abteilung eines Unternehmens lernt ihr womöglich eure Fachkenntnisse anzuwenden, dafür fehlt das Gefühl für das Zwischenmenschliche.

44 Prozent der Studenten fühlen sich allerdings wegen Stress erschöpft. Bei allen Vorteilen von Nebenjobs sollte man sich auch bei Geldmangel also nicht überarbeiten.

Von Marco Janoschka auf Business Insider Deutschland.