Was es über dich aussagt, wenn du „man“ statt „ich“ verwendest

Schon mal eine Geschichte erzählt, in der aus „ich“ plötzlich „man“ wurde? Es gibt einen guten Grund für einen solchen Personenumschwung, haben Wissenschaftler*innen herausgefunden.

Wenn jemand in einer Geschichte von "ich" zu "man" wechselt, hat das einen guten Grund. Timmzie/Photocase

Neulich erzählte mir ein Freund von seinen jüngsten Dates. Auf der Hälfte seiner Storys fiel mir plötzlich etwas auf: Es war nicht mehr mein Freund, der Kerle datete und knutschte, sondern ein Unbekannter war zum Protagonisten seiner Geschichten geworden, ein undefinierter „man“. „Man wird einfach immer enttäuscht“, stellte er abschließend fest. „Man glaubte, da würde eine Bindung entstehen und alles gut laufen und dann wurde man vom anderen plötzlich auf Distanz gehalten und abserviert.“

Dieser „man“-Protagonist taucht nicht nur in den Geschichten meines Kumpels immer mal wieder auf. Vom „ich“ zu einer unbestimmten Person zu wechseln, ist vermutlich jedem mal selbst passiert. Drei Wissenschaftler*innen der University of Michigan haben diesem Phänomen nachgespürt und jetzt einen Grund dafür präsentiert, wie Popular Science berichtet.

Im Science-Magazin der American Association for the Advancement of Science schrieb das Trio, dass wir vom „ich“ zum „man“ beziehungsweise im Englischen vom „I“ zum „you“ wechseln, um persönliche Erlebnisse aus der Distanz besser betrachten zu können.

„Wenn Menschen ,man‘ benutzen, um eine Bedeutung aus einer negativen Erfahrung zu gewinnen, dann erlaubt es ihnen, die Erfahrung zu normalisieren und sie aus der Distanz zu reflektieren“, sagte Ariana Orvell, Doktorandin und Co-Autorin der Studie. Gleichzeitig ordnen wir mithilfe des „mans“ unser Schicksal in einen universellen Kontext ein und vergewissern uns darüber, dass auch andere die gleiche negative Erfahrung gemacht haben können. Das „man“ macht unsere Negativgeschichten dadurch für uns selbst erträglicher.

Zu diesem Ergebnis kamen die Wissenschaftler*innen nach mehreren schriftlichen Versuchen mit circa 600 Teilnehmer*innen. Bei einem Experiment sollten die Proband*innen beispielsweise in zwei Gruppen von einem negativen und einem neutralen Erlebnis berichten. Die Wissenschaftler*innen stellten fest, dass die Teilnehmer*innen in den Negativgeschichten eher dazu tendierten, vom allgemeinen „man“ zu sprechen.