Was ich nach acht Monaten im Ausland am meisten vermisse

Eva Horn kündigte ihren Job und reist nun gemeinsam mit ihrem Freund für mehrere Monate durch Amerika. Von unterwegs berichtet sie für ze.tt.

@Sean Gallup/Getty Images

Deutsches Bier ist und bleibt unersetzbar @Sean Gallup/Getty Images

In Teil 1 schrieb sie, was eine Weltreise für ihre Beziehung bedeutet. Teil 2 handelte davon, wie sie von unterwegs Kontakt mit Freunden und Familie hält. In Teil 3 ging es darum, wie man sich vor Ort den Magen nicht verdirbt – und trotzdem gut und günstig isst. Teil 4 handelte von zehn Dingen, die sie in Mexiko gelernt hat. Im 5. Teil erzählt Eva davon, was ihr im Ausland am meisten fehlt.

1. Deutsches Brot


Woran erkennt man Deutsche im Ausland? Sie jammern ständig rum, weil sie deutsches Brot vermissen. Auch ich gehöre zu dieser Spezies. Jedes Mal, wenn ich außerhalb Deutschlands einen halbwegs passablen Bäcker entdecke, führe ich innerlich einen Freudentanz auf. In Deutschland wissen die Deutschen gar nicht mehr zu schätzen, wie toll es ist, täglich Brot kaufen zu können, das nicht nach einem halbem Tag schon alt und trocken ist. Erfreulicherweise hat der Trend zum Sauerteigbrot auch vor Nord- und Mittelamerika nicht Halt gemacht. Deshalb finden wir doch ab und an Bäckereien, die seelen- und geschmacklose Teiglinge aus dem Supermarktofen genauso schlimm empfinden wie ich.

2. Infrastruktur

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Wenn in Deutschland auf dem Fahrplan steht, dass ein Bus kommt, dann kommt er auch – manchmal mit zwei Minuten Verspätung, aber mehr auch nicht. Darüber regen sich dann alle auf. In Mittelamerika gibt es zwar ein wirklich gut ausgebautes Busnetz, aber die Busse fahren, wann sie wollen. Vor allem vermisse ich aber das deutsche Schienennetz. Ich fahre sehr gerne Bahn und je länger ich im Ausland bin, desto mehr vermisse ich diese Art der Fortbewegung. Im Bus kann ich weder arbeiten, noch aufstehen, um mir ein bisschen die Füße zu vertreten. Außerdem ist die Bahn in der Regel viel schneller als der Bus.

3. Mein Sofa

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Ich ahnte es schon vor der Abreise und es ist tatsächlich eingetreten. Es kam der Punkt, an dem ich verkatert aufwachte und es bitterlich vermisste, nur ein paar Meter zur Couch zu laufen, um bei Naturfilmen und Handballübertragungen den Tag zu vergammeln. Auf Reisen geht so etwas einfach nicht. Gewisse Gemütlichkeiten musste ich mir im Ausland abgewöhnen: Das Bett im Hostel ist nun mal nicht mein Sofa.

4. Mein Fitnessstudio


Vor meiner Abreise war ich ein sportlicher Mensch. Natürlich könnte ich auch auf Reisen Sport machen – aber lange nicht so wie zuhause. Es fehlt entweder am Platz, an Geräten oder am geregelten Tagesablauf. Außerdem ist es an vielen Orten sogar zu heiß zum joggen – ganz davon abgesehen von meiner Erfahrung, beim Joggen wie ein Exot gemustert zu werden.

5. Kääääääse


Als ich noch in Deutschland wohnte, gönnte ich mir jede Woche eine anderes Stück Rohmilchkäse. Meistens ging ich dafür ganz normal in den Supermarkt. Das funktioniert im amerikanischen Ausland nicht. Selbst in den USA fand ich viele Sorten, die man in Frankreich oder Deutschland in jedem kleinen Supermarkt bekommt, nur in gut sortierten Feinkostläden – meistens zu einem Preis, der mich schnappatmen ließ. Schließlich muss der meiste Käse aus Europa importiert werden. Deswegen ist guter Käse auf meiner Reise zum Luxusgut geworden. Einmal habe ich Mexiko City ungefähr 8 Euro für 100 Gramm für einen Grueyeré ausgegeben. Was soll ich sagen? Es hat sich gelohnt.

6. Bier

Es tut mir leid, folgenden Satz zu schreiben, aber: Ich vermisse deutsches Bier. Vor allem das Bayerische. Natürlich gibt es mittlerweile fast überall regional gebraute Craft Beers. Allen voran natürlich in den USA, wo die Bewegung herkommt. In Sachen Bier bin ich aber traditionell: Es macht mir zwar großen Spaß, mich durch Schoko- und Erdbeerbier zu probieren, aber keins kommt an ein kühles Augustiner heran. Die meisten kommerziellen Biere, die ich bisher angeboten bekam, schmeckten tragischerweise nach Wasser.

7. Jahreszeiten


Nun zum krassesten First-World-Problem aller Zeiten: Seit 9 Monaten bin ich unterwegs, seit 9 Monaten ist ununterbrochen Sommer – das wird irgendwann langweilig. Ich möchte gar nicht über ständige Hitze, Dehydrierung und dem 15 Kilogramm Rucksack auf meinem verschwitzten Rücken jammern. Was mir wirklich fehlt, ist die Abwechslung. Herbstspaziergänge, buntes Laub, Kürbissuppe und der Moment, in dem endlich wieder Frühling wird.

8. Familie und Freunde


Ja, ich vermisse auch meine Familie und ich vermisse meine Freunde. Ich vermisse es, mit vertrauten Menschen in der Kneipe zu sitzen und über andere Dinge zu sprechen, als den üblichen „Wokommstduherwohinfährstdualsnächstes“-Hostelsmalltalk. Allerdings vermisse ich meine Lieben weniger, als ich am Anfang der Reise gedacht hatte. Denn ich weiß: Ich werde alle wiedersehen.