Was ist eigentlich der Bechdel-Test? Und was hält Frau Bechdel davon?

Die Erfinderin des Bechdel-Tests möchte, dass der Bechdel-Test umbenannt wird – was voll und ganz im Sinne des Bechdel-Tests ist. Aber Moment: Was ist das eigentlich für ein Ding?

HBO

Jessa und Hannah aus der HBO-Serie "Girls" im Gespräch. Bechdel-Test bestanden. HBO

Die Comiczeichnerin Alison Bechdel ist für etwas bekannt, das sie nicht erfunden hat, das aber ihren Namen trägt. Dagegen wehrt sie sich seit Jahren – und hat jetzt im Interview mit NPR erneut gefordert: Der Bechdel-Test solle Bechdel-Wallace-Test heißen!

Was ist das überhaupt für’n Test?

Mit dem Bechdel-Test lässt sich prüfen, wie präsent Frauen in Unterhaltungsmedien sind. Ein Film besteht den Test, wenn darin

  1. mindestens zwei Frauen
  2. ein Gespräch führen, in dem es
  3. um etwas anderes geht als um einen Mann.

Doofer Feministenquatsch und nichts dabei? Leider doch: Der Test verdeutlicht, dass Frauen nicht nur in Vorständen deutlich unterrepräsentiert sind, sondern auch in unserer alltäglichen Unterhaltung. Jüngst sind „Ant-Man“, der neue „Mission: Impossible“-Film und „Pixels“ gnadenlos durchgefallen. Auch Reihen wie „Harry Potter“ und selbst tolle Indiestreifen à la „The Grand Budapest Hotel“ bestehen den Bechdel-Test nicht. Wer seine Lieblingsfilme auf diese Kriterien prüfen möchte, findet auf Bechdeltest.com eine umfangreiche Sammlung.

Die Ergebnisse sind häufig nicht eindeutig, die Meinungen klaffen auseinander. Nicht selten steht der gesamte Test in der Kritik:

Aber zurück zur vermeintlichen Erfinderin des Ganzen: Die Comiczeichnerin Alison Bechdel hat in den 80ern die Reihe „Dykes To Watch Out For“ (auf deutsch: „Lesben, vor denen man sich in Acht nehmen sollte“) gestartet. Inzwischen sind über 500 Teile in unterschiedlichen Zeitungen erschienen. In einem Comic im Jahr 1985 lässt sie eine ihrer Figuren erklären, dass diese nur Filme schaue, die sich an die drei oben genannten Regeln halten.

1985 lässt Alison Bechdel eine ihrer Figuren drei Regeln für Filme erklären, die später als Bechdel-Test bekannt werden. (Abbildung: Wikimedia Commons) Abbildung: Wikimedia Commons

Im Mainstream landete der Test in den späten Nullerjahren und schließlich 2012, als die Medienkritikerin Anita Sarkeesian in ihrem Vlog „Feminist Frequency“ Oscar-Filme unter die Lupe nahm.

Inzwischen werden regelmäßig Zeichentrickfilme, Serien und Bücher auf Bechdels Kriterien hin überprüft. Wissenschaftler haben sogar Social-Media-Kanäle unter die Lupe genommen. Der Test befeuerte immer wieder Diskussionen über Mann-zentrierte Botschaften in Filmen. Und erreichte sogar den Sport:

Doch so recht zufrieden ist Bechdel mit der Verbindung des Tests zu ihrem Namen nicht: „Mir ist die ganze Sache ein bisschen unangenehm“, sagte die Zeichnerin zu NPR. „Es ist nicht so, dass ich diesen Test erfunden oder gesagt hätte, das sei jetzt der Bechdel-Test. Er ist mir über die Jahre irgendwie zugeschrieben worden.“

Am liebsten wäre ihr der Name Bechdel-Wallace-Test. Denn zu dem Comicstrip habe sie damals eine Bekannte inspiriert – ihre Karate-Sparirngspartnerin Liz Wallace. Die wiederum sei von Virginia Woolfs feministischen Essay „Ein Zimmer für sich allein“ auf die Regeln gekommen. Schön an der Umbenennung wäre auch: Der Bechdel-Wallace-Test würde sich selbst erfüllen, indem er darauf hinweist, dass sich Bechdel und Wallace einmal über ihn unterhalten haben.

Nicht jeder ist von der Idee überzeugt:

Queere Charaktere? Kannste knicken!

Übrigens: Nicht nur Frauen spielen selten große Rollen im Film. Ganz mies sieht es aus, wenn man Streifen allein auf das Auftreten lesbischer, schwuler und transgeschlechtlicher Figuren überprüft. Eine Studie der US-Organisation GLAAD (Gay and Lesbian Alliance Against Defamation) hat ergeben, dass auch Nischenfilme kaum queere Personen in den Fokus nehmen.