Was mit Erholungsorten passiert, wenn der Mensch sie verlässt

Ein Automechaniker dokumentiert den Verfall von ehemals idyllischen Urlaubsresorts aus den 1960er Jahren.

Damals und heute. © Foto: Pablo Iglesias Maurer / Postkarte: Bill Bard Associates

Der 37-jährige Automechaniker Pablo Iglesias Maurer liebt Orte, die früher belebt waren und jetzt verwaist sind. Dieses Mal trieb er sich in einem verwaisten Urlaubsresort im US-Bundesstaat Pennsylvania herum. Dort entdeckte er auf einem Tisch ein Streichholzbriefchen. Darauf war ein Bild, das den Pool des Urlaubsresorts zeigt, in dem er gerade unterwegs war. Bloß war es aus den 60er Jahren. Auf dem Bild waren Menschen, wie sie in Badeanzügen und Badehauben eine fröhliche Zeit am Pool verbringen. Wie würde dieser Pool wohl heute aussehen?

Pablo ging durch das Resort und suchte den Pool. Was er fand, erinnerte nur noch wenig an die schönen Zeiten von damals. Statt Wasser war der Pool heute mit Müll gefüllt, mit verdrehten Badenliegen, mit aufgerissenen Rettungsringen, mit toten Tieren.

© Foto: Pablo Iglesias Maurer, Streichholzbild: unbekannt

Pablo war so fasziniert von dieser Veränderung, dass er sie festhalten wollte. Er studierte das Bild auf den Streichholzbriefchen und versuchte, dasselbe Foto etwa 50 Jahre später aus dem gleichen Blickwinkel noch einmal zu schießen. Es funktionierte. Und es gefiel Pablo so gut, dass er sich kurze Zeit später eine Sammlung alter Postkarten verschiedener Urlaubsresorts auf eBay kaufte. Er hatte beschlossen, sein neues Projekt zu vertiefen.

„Eigentlich war ich schon oft an verlassenen Orten. Und jedes Mal denke ich an deren Vergangenheit, wie sie früher ausgesehen haben können, was ihre Geschichte ist“, erzählt Pablo. Mit seinen neu erworbenen Postkarten wollte er diesen Überlegungen in umgekehrter Reihefolge nachgehen: Wie sehen einst idyllische Orte heute aus?
In den vergangenen Jahren arbeitete Pablo daran, die Motive in den Postkarten wiederzufinden und noch einmal abzulichten. Vor ein paar Jahren ging er über die Weihnachtsfeiertage zurück zu einem der Resorts und fand eine verlassene Bowlingbahn. „Ich stellte die Pins auf und spielte ein paar Bahnen. Dieses typische Geräusch, wenn die Pins auf aufeinanderprallen, klingt an so einem Ort ganz anders“, sagt Pablo.
© Foto: Pablo Iglesias Maurer, Postkarte veröffentlicht von Bill Bard Associates
So viel Spaß es Pablo machte, die alten Bilder nachzustellen, so schwierig war es auch. „Der Entstehungsprozess war bei jedem einzelnen Foto mühsam. Ich besuchte jeden Ort zwei- bis dreimal, jedes Mal schaffte ich es, die Ausrichtung des Fotos genauer an der des Originals anzupassen.“ Um bei Sonnenaufgang vor Ort und bereit zu sein, stand er oft um zwei oder drei Uhr morgens auf.
Da es von offizieller Seite nicht erlaubt ist, die Grundstücke des ehemaligen Resorts zu betreten, musste Pablo widerrechtlich handeln, um die Bilder zu machen. Nicht nur einmal wurde er daher von der Polizei oder dem Grundstücksbesitzer konfrontiert. Ernsthafte Konsequenzen gab es zum Glück nie.
© Foto: Pablo Iglesias Maurer, Postkarte veröffentlicht von Bill Bard Associates
© Pablo Iglesias Maurer, Postkarte veröffentlicht von Kardmaster Brochures