Was jammernde Menschen unseren Gehirnen antun

Natürlich wollen wir immer für unsere Freunde da sein, besonders wenn sie uns ihr Leid klagen. Aber irgendwann ist auch mal gut.

Nadine Platzek / photocase.de

Manche Menschen vergiften ihre eigenen Freundschaften. Nadine Platzek / photocase.de

Es gibt diese Menschen, die beständig auf andere einreden mit irgendwelchen Sorgen, die eigentlich keine sind. Und vielleicht ist es irgendwie verlockend, wenn man sich gern aufregt – man hat immer ein Gesprächsthema, bekommt Aufmerksamkeit, Mitgefühl. Als gäbe es keine anderen Gesprächsthemen. Wir könnten über Musik sprechen, Reiseziele, Sport, Politik, das Wetter, aber hey, lasst uns unsere Probleme diskutieren. Wie unfair der Professor ist, wie scheiße unser Job, wie dumm unsere Kollegen und wenn es keine akuten Probleme gibt, dann sind wir mit der Gesamtsituation unzufrieden. Alle behandeln sie uns schlecht.

Woher kommt eigentlich dieser Wettkampfwahn? Wer das schlimmste Leben hat, gewinnt?

Ich möchte das nicht. Und Neurowissenschaftler haben festgestellt: Wir bringen uns in körperliche Gefahr, wenn wir uns mit negativen Menschen umgeben.

Das fängt beim Stress an: Stress, keine Überraschung an dieser Stelle, schadet uns. Nicht nur psychisch, weil wir zu weich sind, zu emotional. Stress schadet unserem Körper. Das Herz schlägt schneller, Arterien verkalken, es drohen Schlaganfall und Herzinfarkt. Unsere Verdauung leidet, wir werden fett, reizbar, bekommen Pickel und die Haare fallen aus.

Dümmer werden wir übrigens auch: In schlechter Stimmung fällt es uns schwerer, Probleme zu lösen, unser Kurzzeitgedächtnis leidet und wir werden unaufmerksam, haben Experimente bewiesen. Das liegt daran, dass uns die Sorgen ablenken von dem, das wir eigentlich zu tun hätten.

Nicht nur unsere eigenen Sorgen machen uns krank. Psychologen sprechen von „Gefühlsansteckung“; diesen Effekt hat die Psychologin Elaine Hatfield untersucht. Sie sagt, Menschen neigen dazu, die Gesichtsausdrücke anderer zu imitieren, außerdem Gesten, die Körperhaltung, den Ton der Stimme. Die Folge davon: Wir fühlen mit unserem Gegenüber. Lächelt uns jemand an, lächeln wir zurück, dadurch fühlen wir uns besser. Ist jemand in düsterer Stimmung, verschlechtert sich auch unsere Laune.

Es sind nicht immer „die anderen“

Und das sollen wir durchmachen, nur weil manche Menschen es nicht schaffen, nach Feierabend ihre Chefin zu vergessen oder die giftige Antwort des Supermarkt-Kassierers sie noch stundenlang beschäftigt? Danke. Nein Danke. Wir verdienen unseren Feierabend. Wir haben uns doch nicht den ganzen Tag über durch Lernstoff und Arbeit gequält, um am Abend noch Menschen zu therapieren, die nicht therapiert werden wollen.

Und übrigens: Es sind nicht immer „die anderen“. Oft genug sind wir es selbst, weil die Fürsorge der anderen uns so verdammt gut tut. Wir sollten das lassen. Wir saugen die Menschen aus und lassen sie erschöpft zurück.

Wenn wir die Minusmenschen in unserer Umgebung nicht loswerden – oder sie tatsächlich ein wenig mögen, warum auch immer – rät Bloggerin Abigail Bruley, sie herauszufordern: „Wie willst du das Problem lösen?“, ist wohl die richtige Antwort auf jene Menschen, die keine anderen Gesprächsthemen kennen. Wir sollten uns wehren.


Wie geht ihr mit dem Problem um? Schreibt uns in den Kommentaren oder unter ip@ze.tt.