Was tun, wenn die Seele Alarm schlägt?

Wie Frauen ein erfolgreiches Leben leben? Indem sie sich auf sich selbst einlassen und ihre wahren Bedürfnisse erkennen.

© Svea Anais Perrine. / photocase.de

Warum können uns unsere Ängste so sehr ins Wanken bringen? © Svea Anais Perrine. / photocase.de

Du sollst dich nicht verbiegen!

Schon als kleines Mädchen bringt man uns bei: Es kommt nicht auf deine Talente und Begabungen an, sondern, dass du beweist, was du leisten kannst. Das bedeutet in der Praxis, dass schon in der Kita die Kinder gelobt werden und Anerkennung bekommen, die brav in der vorgegebenen Spur bleiben und sich anpassen.

Später in der Schule begreifen wir schnell, dass es eher darauf ankommt, gute Noten zu schreiben, als Freude am Lernen zu haben. So wird unser „wahres Ich“, unsere ursprüngliche Identität, immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Unsere Genialität und unsere Kreativität werden schwächer und schwächer. Wir verbiegen uns für andere immer mehr.

Identität versus Status

Das Ego, unser „falsches Selbst“, wird dadurch immer stärker. Junge Mädchen sehen sich zunehmend als Konkurrentinnen, es geht um Schönheit, eine makellose Figur, Intelligenz, schicke Klamotten und einen möglichst hohen Status.

Die meisten Eltern wünschen sich ein „Sieger- und Gewinnerkind“. Es wandern Geldscheine für beste Leistungen in das Sparschwein von Kindern und Jugendlichen. Aufmerksamkeit, Anerkennung und „Liebe“ gibt es im Tausch mit glänzenden Schulnoten und Abschlüssen. Und so werden früh Konditionierungen gesetzt, die oft ein Leben lang anhalten:

Ich muss mir Liebe „verdienen“. So, wie ich bin, werde ich nicht geliebt. Ich kann mir durch überdurchschnittlich gute Leistungen Liebe „erkaufen“.

Deckt das unsere wahren Bedürfnisse?

Warum verfolgen uns diese Prägungen aus der Kindheit bis heute?

Weil wir kein Bewusstsein für unsere Ego-Konditionierungen haben! Unsere wahren Bedürfnisse waren und sind nicht wichtig für andere und uns selbst. Schließlich sollen wir funktionieren. Es geht nicht darum, glücklich und erfüllt zu sein, sondern viel Geld zu erarbeiten und nach vorne zu kommen.

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Viele junge Frauen unterwerfen sich unbewusst diesen Erwartungen, die von überall an sie gestellt werden: Sie sollen ein perfektes Studium vorweisen, sie sollen einen perfekten Partner für eine perfekte Ehe an der Seite haben, sie sollen einen perfekten Job finden, sie sollen später perfekte Kinder haben und natürlich – spielerisch –  den Spagat zwischen Job, Partnerschaft und Kindern lächelnd und immer perfekt gestylt auf die Reihe bekommen.

Müdigkeit? Erschöpfung? Traurigkeit? Leere? Ach was! Bei uns doch nicht!

Das Zaubermittel: Mentale Stärke

Immer mehr Unternehmen öffnen sich für das Thema „seelische Gesundheit“. Menschen, die sich zu sehr verbiegen und sich immer mehr von sich selbst und den ureigenen Sehnsüchten entfremden, fühlen sich leer und einsam. Sie sind unkonzentriert, machen viele Fehler, fühlen sich immer am falschen Platz und sind ständig auf der Suche nach Liebe und Anerkennung.

Besonders Frauen spüren schnell, wenn sie sich auf dem falschen „Ego-Weg“ befinden, der sie von der eigenen Lebensbestimmung und Sinnhaftigkeit wegführt. Frauen sind hochintuitiv, haben eine herausragende Sozialkompetenz und Empathiefähigkeit.

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Männer verdrängen dagegen oftmals jahrelang ihr „wahres Ich“, übersehen erfolgreich unterschiedlichste psychosomatische Krankheitssymptome, die die Seele ihnen als Hilferuf schickt, nach dem Motto: Was nicht sein darf, kann auch nicht sein.

Frauen hinterfragen und reflektieren das eigene Leben häufiger: Ist es das, was ich mir vorgestellt habe? Möchte ich so leben? Was nützt mir die tolle Karriere, wenn ich jeden Tag mit Kopfschmerzen schlafen gehe? Was soll ich mit all dem Geld anfangen, wenn sich mein Körper schwer und leer anfühlt? Was möchte ich in meinem Leben wirklich erreichen? Wie wird mein Wert wirklich definiert? Was bin ich mir selbst wert?

Das Bewusstsein stärken

Wir haben das Bewusstsein dafür verloren, dass wir in unseren Grundbedürfnissen alle gleich sind: Wir alle wollen geliebt werden und Liebe verschenken, ein Dach über dem Kopf haben, in Frieden leben und genug zu essen und zu trinken bekommen. Es geht um das große Ganze.

Wir wurden seit Kindheitstagen auf Hochleistung getrimmt. Uns wurde die Freude am Lernen und die Neugier auf unser wahres Ich zum großen Teil genommen. Wir haben begriffen, dass wir funktionieren sollen, haben uns dafür immer mehr verbogen. Manchmal so sehr, dass die Seele irgendwann Alarm schlägt.

Die Rückkehr zu uns selbst

Sich seiner selbst bewusst zu werden, ist eine machtvolle Willensentscheidung. Keiner bringt es uns bei. Keiner weist uns darauf hin. Keiner erkennt die Wichtigkeit. In einer noch immer sehr männlich geprägten Welt liegt der Fokus auf Logik, Analytik und Durchsetzungskraft. Doch nun ist es Zeit für den Paradigmenwechsel: Immer mehr Menschen – Frauen und Männer – werden psychisch krank und fühlen sich seelisch erschöpft.

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Psychosomatische Krankheitssymptome nehmen stark zu: Das Herz rast und sehnt sich nach bedingungsloser Liebe und danach, angenommen zu werden. Die Haut juckt und bildet Ekzeme und möchte mehr gestreichelt und berührt werden. Die Ohren dröhnen und wollen nichts mehr hören. Der Magen verkrampft sich und warnt vor immer mehr neuen Reizen. Der Rücken, die Schultern und der Nacken schmerzen, weil der Rucksack, den wir uns täglich aufladen, viel zu schwer ist. Die Liste der Warnsymptome ist unendlich lang.

Wichtig: sich fokussieren

Den Fokus nach innen zu richten heißt, das Ego zu disziplinieren. Denn unser Verstand, unser Ego, haben manchmal nur das eine Ziel: Uns von unserem Glücklichsein abzuhalten.

Wir alle kennen sie, die Stimmen in uns, die uns manchmal zum Wahnsinn treiben: der Anpeitscher, der uns ständig zu Höchstleistungen antreibt und uns keine Ruhe gönnt. Der Schweinehund, der uns weismachen möchte, dass wir gelebt werden, anstatt uns aus unserer Komfortzone heraus zu bewegen und die Verantwortung für unser Leben zu übernehmen. Das Ego, das mit seinen hohen Anforderungen und Ansprüchen nie mit uns zufrieden ist und immer noch mehr möchte. Es ist das Echo der Stimmen aus Kindheitstagen, als uns Lehrer, Eltern, Großeltern, Freunde und Bekannte immer wieder vermittelten, dass wir so, wie wir sind, nicht okay sind.

Mit Vergangenem abschließen

Von all dem, was damals war, muss man sich irgendwann freimachen. Das schließt auch eventuellen Gram gegenüber Personen ein, den man dann hinter sich lassen kann, wenn man ihnen vergibt. Zeitgleich muss man auch sich selbst für Situationen vergeben, in denen man sich Schuld aufgeladen hat.

Schuld fühlt sich schwer und erdrückend an und manifestiert sich irgendwann im Außen: Etwa in einem wankenden Selbstwert, der einen schnell in der Angst statt im Vertrauen leben lässt. Schuld stattdessen aufzulösen, befreit unendlich.

Angst in Liebe und Vertrauen verwandeln

Man muss sich immer wieder bewusst machen, wie stark Ängste auf uns einwirken können. Denn sie sind die Basis von Gedanken voller Zweifel, Sorgen, Bedenken und Katastrophenszenarien. Dadurch enstehen etwa Verlustängste, die uns in Panikattacken Bilder vor Augen führen, wie wir zugrunde gehen, wenn wir unser Geld, unseren Job oder unsere*n Partner*in verlieren. Oder Versagensangst, die uns detailgenau fühlen lässt, was alles passieren könnte, wenn wir unsere eigenen Träume leben, unsere Bestimmung erfüllen oder unseren eigenen Weg gehen. Oder wir fühlen Konkurrenzangst, die uns jeden Tag zeigt, wie klein und minderwertig wir sind und wie mächtig, stark und einflussreich die anderen von Erfolg zu Erfolg gehen – mühelos und leicht, wie eine Gazelle.

Zeit für einen Paradigmenwechsel!

Diese Ängste muss man umwandeln. Denn wir alle dürfen die sein, die wir sind! Wir dürfen in wunderbarer Eigenliebe für uns sorgen und erkennen: Wir sind wertvoll, liebenswert und einzigartig. Und wenn das geschafft ist, dann sind wir auch stark. Dann erreicht man eine innere Stärke, mit der man endlich seiner Intuition folgen kann, ohne Angst vor den Konsequenzen zu haben und schafft sich selbst eine Ruhe, von der man immer im Trubel des Alltags und beim Erfüllen der eigenen Träume zehren kann.


Von Simone Langendörfer auf EDITION F.

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