Wegen dir schmelzen jedes Jahr 30 Quadratmeter Eis in der Arktis

Eine neue Studie stellt erstmals eine konkrete Verbindung zwischen dem eigenen CO₂-Verbrauch und dem Abschmelzen von Eis im arktischen Ozean her. Kann das dazu führen, dass sich mehr Menschen klimaschonender verhalten?

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Für viele Menschen ist der Begriff des Klimawandels zu abstrakt, als dass er Auswirkungen auf ihr konkretes Verhalten hätte. © Getty Images

Klimawandel, Treibhauseffekt und CO₂-Emissionen sind Begriffe, deren Bedeutung man heutzutage schon in der Schule lernt. Jedes Kind weiß, dass umweltschonendes Verhalten wichtig für den Erhalt unseres Planeten ist. Trotzdem verhält sich ein Großteil der Erdbevölkerung nicht gerade klimaschonend. Woran liegt das?

Als Antwort auf diese Frage wird oft die Abstraktheit des Klimawandels genannt. Vielen Menschen fällt es schwer, das eigene Verhalten mit konkreten Naturveränderungen zu verbinden. Eine neue Studie, die das Wissenschaftsmagazin Science veröffentlichte, ermöglicht es nun, eine direkte Verbindung zwischen dem eigenen CO₂-Verbrauch und dem Eisschmelzen der Arktis herzustellen.

Die Forscher ermittelten, dass für jede Tonne emittiertes Kohlendioxid das arktische Meereis um drei Quadratmeter zurück geht. Da es möglich ist, zu berechnen, wie viel Kohlendioxid beispielsweise eine Fahrt von Berlin nach Hamburg oder ein Flug von München nach Köln emittiert, lässt sich konkret errechnen, wie viele Quadratmeter Eis wir aufgrund unserer Aktivitäten schmelzen.

Der durchschnittliche CO₂-Verbrauch eines Einwohners der 35 reichsten Nationen in der Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD) entspricht jährlich etwa 10 Tonnen. Deutschland liegt mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 9 Tonnen leicht unter diesem Schnitt. Umgerechnet bedeutet das: Jede*r Deutsche bewirkt durch seinen CO₂-Ausstoß das Schmelzen von jährlich etwa 30 Quadratmetern arktischem Eis.

Einwohner*innen der USA, Kanada und Australiens haben einen höheren CO₂-Ausstoß und verursachen damit einen Verlust von rund 50 Quadratmetern Eis pro Jahr. Die Briten dagegen verbrauchen weniger, nur 7,5 Tonnen pro Jahr, was einem Schmelzen von 22,5 Quadratmetern entspricht.

„Sogar für mich war Klimawandel immer sehr abstrakt und schwer auf das eigene Leben zu beziehen“, sagt Klimaforscher Dirk Notz vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, der Süddeutschen Zeitung zufolge. „Mit unseren neuen Ergebnissen hat man eine direkte positive Rückmeldung, was eine bestimmte CO₂-Einsparung konkret bringt.“

Wenn sich die globalen CO₂-Emissionen nicht reduzieren, könnte es sein, dass der arktische Ozean bereits in 30 Jahren komplett enteist ist.