Weibliche Fußball-Fans haben es schwer

Für viele ist Fußball ein Männersport. Auch Spiele zu schauen, scheint reine Männersache. Warum das nervt, hat unsere Autorin aufgeschrieben.

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Lasst uns einfach in Ruhe das Spiel schauen! So wie diese belgische Fans. © KIRILL KUDRYAVTSEV / Getty Images

Seid ihr auch im EM-Fieber? Ich bin zwiegespalten, schließlich bedeutet die EM gleichzeitig die Festspiele jener Männer, die alle zwei Jahre das Schland-Trikot rausholen und mir ungefragt Fußball erklären wollen. Ich bin gespannt, wann ich bei irgendeinem Public Viewing mal wieder die Abseitsregel erklären soll, um zu beweisen, dass ich nicht wegen der durchtrainierten Spieler oder als Dekoration meines Freundes da bin. Klingt nach Klischee? Ihr würdet euch wundern, was einem als Fussballfan mit Brüsten heutzutage noch begegnet, gerade zu Turnierzeiten, wo plötzlich jeder zum Bundestrainer mutiert.

Das Missverständnis fängt bei Bildergalerien („Die schönste Spielerfrau“ „Die süßesten Spieler der EM“) an und hört bei dem ewigen sich rechtfertigen müssen noch lange nicht auf. Oder wie viele Männer müssen ohne Vorwarnung Abseitsregel, Catenaccio oder Pressing erklären, um am Tisch ernst genommen zu werden? Zuweilen komme ich mir vor wie bei einem Fußballquiz, nur dass es für mich selten etwas zu gewinnen gibt.

Schüchtern wir euch ein?

Ihr dürft uns übrigens auch dann Ernst nehmen, wenn wir kein Fußball spielen können. Als kleines Mädchen wollte ich nach der WM 1990 (für die jüngeren unter uns: Deutschland wurde damals Weltmeister) zusammen mit meinen Kumpels in den örtlichen Fußballverein. Leider gab es keine Mädchenmannschaft und bei den Jungs durfte ich nicht mitspielen. Auch in der Schule kämpften wir vergeblich für einen Fußballanfängerkurs. So war das damals, mitdiskutieren kann ich aber trotzdem. Sollte eigentlich niemanden kümmern, denn man muss ja kein Automechaniker sein, um Auto fahren zu können.

Ich begleitete einmal einen Freund in seine verrauchte Fankneipe irgendwo in der Provinz. Ein Ort, an dem Bier kleinstenfalls in Halblitergläsern ausgeschenkt wird und man vor lauter Rauch die Leinwand kaum sieht. Ich war wie so oft in meinem Leben der einzige weibliche Gast und es war ungewöhnlich still am Tisch. Mit meinem Schimpfen und Fluchen war ich fast alleine. Man erklärte mir hinterher, dass viele sich nicht getraut hätten, irgendwas zu sagen, weil eine Frau anwesend war. Normalerweise sieht man Frauen dort nämlich nur nach dem Spiel, als verständnisvolle Taxis für ihre alkoholisierten Partner. Eine oder mehrere ähnliche Anekdoten kann jeder weibliche Fußballfan erzählen.

Überraschung: Wir gucken gern Fußball

Entgegen anders lautender Gerüchte interessieren sich weibliche Fußballfans vor allem für eines: Fußball. Die eine oder andere erfreut sich nebenbei sicher auch an taktischen Analysen, dem Transferticker und Bier, aber das dürfte den meisten männlichen Fans ja bekannt vorkommen. Möglicherweise tragen manche von uns auch ihren Nagellack passend zum Trikot, aber zum Glück hat das äußere Erscheinungsbild ja nichts mit dem Sachverstand einer Person zu tun. Außer halt bei Frauen.

Was ich mir wünsche: Lasst uns in Ruhe das Spiel schauen, ohne komisch zu gucken, wenn wir anfangen zu fluchen oder zu grölen. Versteht, dass man auch dann Taktikdiskussionen führen kann, wenn man farblich passenden Nagellack aufgelegt hat. Lasst uns mit Waschbrettbäuchen und Spielerfrauen in Ruhe. Schaut nicht immer so komisch, wenn eine Frau interessiert in der 11Freunde liest. Verschont uns mit misogynen und frauenfeindlichen Sprüchen. Behandelt uns einfach wie Menschen.