Welche Modebrands giftfrei produzieren – und welche nicht

Greenpeace hat überprüft, welche Modefirmen auf den Einsatz giftiger Chemikalien verzichten. Auf dem letzten Platz landet der größte Sportschuhhersteller der Welt, auf Platz 1 eine Firma, von der man es nicht erwartet hätte.  

© van vank / photocase.de

Wie wurden diese T-Shirts gefärbt? © van vank / photocase.de

Ohne Chemikalien würde unsere Kleidung vieles nicht können: kein Wasser oder Schmutz abweisen, nicht glitzern oder aussehen, als hätten wir die Hosen schon seit Jahren an. Diese Special Effects verschmutzen jedoch die Umwelt. Die Gewässer im Umkreis der Fabrik sind oft belastet mit Stoffen, die Namen wie kurzkettige chlorierte Paraffine oder Azofarbstoffe haben – was alle diese Chemikalien gemeinsam haben: sie sind giftig.

Sie töten Fische, erregen Krebs oder schädigen die Fortpflanzung von Tieren. Wie „Zeit Online“ schreibt, sind in China beispielsweise gut 60 Prozent der Gewässer in großen Städte wegen der Textilproduktion stark verschmutzt.

Seit 2011 untersucht Greenpeace mit der „Detox my Fashion“-Kampagne, unter welchen Bedingungen große Modehersteller ihre Produkte herstellen. Ihr Ziel: Bis 2020 soll giftfrei hergestellt werden.

Wer hat Fortschritte gemacht?

Zara und H&M schneiden im aktuellen Greenpeace-Test gut ab. Sie seien „Trendsetter für eine saubere Textilproduktion“, lobt die Umweltschutzorganisation, die auch Benetton zur „Avantgarde“ in der Modebranche zählt. Besonders schlecht schnitten Nike und Esprit ab. Im Mittelfeld sind Firmen wie Adidas oder Mango.

Insgesamt hat Greenpeace 19 Firmen untersucht, die freiwillig zugesichert haben, bei der Kampagne mitzumachen. Sie verpflichteten sich, bis 2020 auf eine giftfreie Produktion umzustellen. Für den „Detox Catwalk 2016“ hat Greenpeace drei Kategorien untersucht und jeweils 0 bis 3 Punkte vergeben – von „bisher nichts unternommen“ zu „ernsthafte Schritte“ eingeleitet.

Wie weit sind die Unternehmen in der Umsetzung des Detox 2020-Plans?

Hier überprüft Greenpeace, welche Chemikalien von den Textilherstellern zum Einsatz kommen. Verzichten sie auf Substanzen, die die Umweltschutzorganisation auf eine schwarze Liste gesetzt hat? Bis 2020 müssen sie insgesamt rund 400 Chemikalien aus der Herstellung verbannt haben.

Verzichtet die Firma auf PFC?

PFC steht für per/polyflourierte Chemikalien. Sie machen zum Beispiel Outdoorkleidung wasserabweisend. Sie sind besonders schwer zu ersetzen – und zersetzen sich sehr langsam. „Sie verteilen sich über ganzen Globus, sind krebserregend oder fortpflanzungsschädigend“, sagt Santen.

Wie transparent ist das Unternehmen?

Sobald sich die Firmen für die Kampagne verpflichtet haben, müssen sie ihre Lieferketten offenlegen. Viele der Textilien produzieren sie nicht selbst, sondern beziehen sie von Lieferanten. Doch was passiert in deren Fabriken? Nur wenn die Unternehmen eine vollständige Liste der Zulieferer veröffentlichen und die wiederum Daten über die Herstellung veröffentlichen, gibt es gute Noten. Die Zulieferer müssen die Daten in eine Datenbank einspeisen, die Greenpeace kontrolliert – auch, weil die Umweltschützer nicht alle Gewässer selbst überprüfen können. Santen sagt: „Viel beruht auf Vertrauen.“ Seien die Daten unplausibel, könne durchaus nachgemessen werden – oder das Unternehmen wird abgewertet.

Arbeitsbedingungen außer Acht gelassen

Worüber die Kampagne keine Aussage trifft, sind die Arbeitsbedingungen, die in den Fabriken herrschen. Nur weil ein Unternehmen kein Gift mehr verwendet, bedeutet das noch nicht, dass man deren Produkte guten Gewissens kaufen kann. „Wir heißen das Geschäftsmodell von Zara und H&M nicht gut, aber wir sind eine Umweltschutzorganisation“, sagt Manfred Santen, Chemiker bei Greenpeace und Koordinator des Detox-Projekts.