Welche Songs werden wir auch in 50 Jahren noch hören?

Der Datenjournalist Matt Daniels wollte wissen, wie populär Songs aus der Vergangenheit heute sind – und welche Songs von heute wir auch in Zukunft noch spielen werden. Mit überraschenden Ergebnissen.

© Instagram: nirvana_still_lives

Ihm verdanken wir den meistgehörten Song der 90er: Kurt Cobain. © Instagram: nirvana_still_lives

Was heute in den Charts ist, kann in Zukunft niemanden mehr interessieren und für immer in der Versenkung verschwinden. Umgekehrt gibt es Lieder, die bei ihrer Veröffentlichung nicht besonders populär waren, aber heute als Klassiker gelten.

Bestes Beispiel: Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“. Er schaffte 1991 nicht mal in die amerikanischen Billboard Top 5. Heute ist er auf Spotify der meist gespielte Song der 90er-Jahre ist.

Mit diesem Phänomen hat sich Datenjournalist Matt Daniels auf der Website The Most Timeless Songs of All Time auseinandergesetzt. Er untersuchte alle Songs, die in den 90er Jahren in den Charts waren und ihre Abspielzahlen bei Spotify.

Spitzenreiter im untersuchten Jahr 2014 ist „Smells Like Teen Spirit“ mit mehr als 50 Millionen Aufrufen. Dann folgt „Iris“ von den Goo Goo Dolls und das unvermeidliche „Wonderwall“ von Oasis. Spotify-User haben „No Diggity“ von Blackstreet immerhin gut 30 Millionen mal abgespielt – damit landet der Titel auf Platz fünf, obwohl mehr als 20 Jahre seit seiner Veröffentlichung vergangen sind.

Diese Songs werden wir und nachfolgende Generationen vermutlich auch noch in 30, 40 oder 50 Jahren hören, Bands wie Pearl Jam finden sich auf der Liste dagegen nicht.

Aber was entscheidet darüber, ob ein Song auch über sein Veröffentlichungsdatum hinaus beliebt ist?

Dieser Frage versuchte Daniels mit Songs aus dem Jahr 2013 nachzugehen. Dafür prüfte er, wie häufig 2013 auf Spotify veröffentlichte Songs damals und heute auf dem Streamingdienst abgespielt werden.

Überraschend: Hits wie „Get Lucky“ von Daftpunk (das immerhin den Grammy für die Aufnahme des Jahres gewonnen hat) wird heute gerade mal so häufig abgespielt wie „Do I Wanna Know“ von den Artic Monkeys, das bei seiner Veröffentlichung kaum jemanden interessiert hat.

Daniels folgert daraus, dass große Popularität ein Pakt mit dem Teufel sein kann. Fast jeder hat den Song im Radio gehört, er läuft ständig und überall und Hörer*innen werden seiner irgendwann überdrüssig. Anders bei eher unbekannten Songs wie „Do I Wanna Know“, die vermutlich Empfehlungen von Freunden sind und sich länger halten.

Sein Fazit aus der Studie von 50 Jahren Musikgeschichte auf Spotify:

Was aus verschiedenen Zeitspannen noch heute populär ist, ist selten das Offensichtliche. Auszeichungen, Grammys und kulturelle Dominanz bedeuten kommenden Generationen gar nichts.

Matt Daniels, Polygraph


Hier geht es zu Daniels‘ Datenvisualisierung. Dort könnt ihr auch nach euren Lieblingsbands suchen und sehen, wie erfolgreich sie heute auf Spotify sind.