Welche Sprache wir jetzt lernen sollten

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Völkerverständigung: Mit Englisch kommt man weiter. © Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images

Französisch ist out in Deutschland, Deutsch ist out in Frankreich, Spanisch ist überall irgendwie in und bald irrelevant sind sie angeblich alle. Chinesisch und Arabisch seien die Sprachen der Zukunft. Diese Einschätzungen sind etwas voreilig.

Swahili? Oder doch Mandarin? Arabisch? Französisch? Eigentlich würden wir doch alle ganz gern noch eine Fremdsprache lernen – aber welche nur? First off all: improve your English; it will stay important. Doch noch immer lernt fast jeder vierte Schüler in Deutschland Französisch, berichtete Spiegel Online kürzlich. Ganz schön viel, wenn man bedenkt, dass unsere Nachbarsprache nur von zwei Prozent der Weltbevölkerung gesprochen wird.

Die Welt berichtet nun, Französisch würde Englisch eines Tages als Weltsprache ablösen, weil die Sprache gerade in Ländern gesprochen wird, die schnell wachsen – Mali und der Kongo zum Beispiel. Aus derzeit etwa 220 Millionen Sprechern würden bis zum Jahr 2050 750 Millionen.

Nunja. Erstens: 2050 ist noch echt lange hin. Zweitens: Die Zahlen haben die Franzosen selbst in die Welt gesetzt, schreibt die Welt, und komisch gezählt haben sie auch noch. Achja, drittens: Schon bei der Recherche für diesen Artikel haben wir unterschiedliche Quellen mit unterschiedlichen Zählungen der Sprecher entdeckt. Französisch ist eine Sprache mit vielen Dialekten. Da versteht der Eine den Anderen nicht.

Meistgehörte Sprache ist das chinesische Mandarin, 1,03 Milliarden Menschen sprechen die Sprache schon jetzt, das sind etwa 15 Prozent. Sollten wir also alle Chinesisch lernen? Nein. Die meisten Schriftzeichen-Kenner leben in China, und das wird auch noch eine Weile so bleiben. Chinesisch lernen muss also nur, wer nach China will. Dann ist es aber auch wirklich ratsam.

Sprachen mit den meisten Muttersprachlern. Wikipedia/CC BY SA
Sprachen mit den meisten Muttersprachlern. Wikipedia/CC BY SA

MIT-Wissenschaftler haben die Verbreitung der Sprachen in einem hübschen Netzwerk visualisiert.“ Verbindungen zogen sie durch Buchübersetzungen, mehrsprachige Twitterer, Wikipedia-Übersetzungen. Wichtigste Sprache für jene, die gehört werden wollen, bleibt Englisch, schreiben sie in den Proceedings of the National Academy of Sciences. Die Forscher rund um Microsoft-Manager Shahar Ronen sprechen von „Hubs“: Wie ein USB-Hub leiten die Hub-Sprachen Informationen in die Welt.

Wichtig sind auch: Spanisch, Deutsch, Französisch, Russisch. Auch Portugiesisch und Chinesisch werden übersetzt, aber schon deutlich seltener. Hindi, eine Sprache, die immerhin von fast 400 Millionen Menschen gesprochen wird, taucht in der Liste gar nicht auf.

Beim Twittern ist der Effekt noch stärker zu sehen. Die englische Sprache steht im Zentrum des Informationsnetzwerk, wer mehrsprachig twittert, der hat meist Englisch dabei.

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Ihre Daten warfen sie dann mit der Zahl berühmter Menschen zusammen. Gut, das ist jetzt nicht mehr überraschend: Wer in einem Land geboren wird, dessen Sprache von vielen verstanden wird, der wird mit größerer Wahrscheinlichkeit berühmt.

Nichts gegen besondere Sprachen: Wer einen Bedarf deckt, den sonst niemand decken kann, der hat immer einen Vorteil. Und beim Jiddisch-Kurs entdeckt ihr vielleicht sogar Wörter, die ihr schon aus dem Deutschen kanntet. Doch wer gehört werden will, der sollte vor dem Swahili-Kurs vielleicht noch an seinem Englisch arbeiten.

Aber wenn ihr schon die Motivation habt: Wieso lernt ihr nicht die Gebärdensprache? Rund 80.000 Gehörlose gibt es in Deutschland, auch sie wollen verstanden werden.