Wenn der Pariser Klimagipfel in die Geschichtsbücher kommen soll, müssen konkrete Pläne her

Beim Klimagipfel in Paris haben sich 195 Staaten darauf geeinigt, gemeinsam dem Klimawandel entgegenzutreten. Die meisten haben bereits Pläne vorgelegt – allerdings sind viele noch zu unkonkret.

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Flut in Venedig. Wenn die Klimaveränderung gebremst werden soll, müssen konkretere Pläne her. © Oliver Morin/AFP/Getty Images

Seit dem 12. Dezember gibt’s endlich ein gemeinsames Klimaziel: Das Gros der Staaten will den Ausstoß ihrer Treibhausgas-Emissionen zurückfahren, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau von 1850 zu begrenzen.

Außerdem wollen die Staaten in einen Topf einzahlen, um Entwicklungsländer mit insgesamt 100 Milliarden US-Dollar beim Klimaschutz zu unterstützen. Ab 2020 soll es alle fünf Jahre Treffen geben, um ihre Fortschritte abzugleichen und die Ambitionen anzuziehen. Wissenschaft und Medien sprachen in den vergangenen Wochen euphorisch von einem historischen Ereignis.

Schön und gut. Wie geht es jetzt weiter?

Den ausgehandelten Vertragsentwurf müssen nun mindestens 55 Länder unterschreiben, die gemeinsam für 55 Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich sind. Die Unterzeichnungsphase läuft ab April 2016 ein Jahr lang. Dass der Vertrag nicht zustande kommt, ist unwahrscheinlich: Mehr als 100 Staaten – darunter die Mitglieder der EU und die USA – werden als „High Ambition Coalition“ definitiv unterzeichnen. Die größten Klimasünder sind diese:

Quelle: Global Carbon Atlas

Wie soll der Klimaschutz konkret aussehen?

Wie sie dieses Ziel erreichen wollen, sollen die Staaten in sogenannten „Intended Nationally Determined Contributions“ ausführen und der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) vorlegen. Welche Beiträge bereits eingegangen sind, zeigt aktuell die CAIT Paris Contributions Map des World Resources Institute (WRI).

Bisher haben die UNFCCC 160 Beiträge aus 187 Ländern erreicht. Mehrere Staaten haben gemeinsam Paper formuliert, unter anderem die 28 Mitgliederstaaten der EU. Erklärungen zum Beispiel aus Lybien, Syrien und Usbekistan stehen noch aus.

Wie sind die Beiträge zu bewerten?

Ein Blick in die Klimabeiträge der fünf größten Umweltsünder-Staaten lässt Zweifel an der Bedeutung des ausgehandelten Abkommens aufkommen. Denn die Paper unterscheiden sich in Art und Umfang der Ziele erheblich voneinander.

  • China nimmt sich in seinem Beitrag zum Beispiel die Zeit, die bereits erreichten Ziele zu feiern. In 42 Provinzen habe man bereits Pilotprojekte gestartet, um den Emissionsausstoß einzuschränken. Irgendwann bis 2030 soll schließlich der höchste Ausstoß an Treibhausgasen überschritten sein – bei welchem Wert er liegen soll? Und in welchem Jahr der Peak erreicht sein soll? Der Beitrag gibt keine Antwort.
  • In der gerade mal anderthalbseitigen Einsendung der USA ist zu lesen, man werde sich „große Mühe geben“, bis 2025 den Treibhausgasausstoß um 28 Prozent im Vergleich zu 2005 zu verringern.
  • Bei der Europäischen Union spricht man von einer Reduktion von „mindestens 40 Prozent“ bis 2030 gegenüber 1990.
  • Das Königreich Bahrain nennt gar keine Zahlen, aber beteuert, in Zukunft würden Häuser energieeffizienter gebaut.

Laut WRI beinhalten immerhin 66,7 Prozent der Beiträge klare Klimaziele.

Allerdings unterscheiden sich deren Referenzwerte erheblich, eine Vergleichbarkeit ist im Grunde unmöglich, wie die Übersicht Climate Policy Observer anschaulich zeigt. Es mangelt zudem an konkreten Umsetzungsvorhaben. Wenn der Klimagipfel tatsächlich in die Geschichtsbücher eingehen soll, dann müssen diese bald folgen.