Wenn du auf Trash-Filme stehst, bist du ein wahrer Gourmet

Ein deutscher Wissenschaftler wollte herausfinden, was Trash-Filme ausmacht. Und warum Menschen sich so etwas freiwillig anschauen. Seine Studie liefert Antworten.

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Oh Gooott, die fliegenden Haie werden uns alle töten! © Screenshot | Trailer

Community-Aufruf: Schickt uns eure Lieblings-Trash-Filme an till.eckert@ze.tt! Wir werden sie uns alle anschauen und die schlechtesten in einem Video kommentieren.

Bei „Sharknado“ überfallen fliegende Haie eine Stadt. Bei „Zombiber“ frisst ein wildgewordener Biber junge, gutaussehende Menschen. Bei „Braindead“ nimmt ein Typ seinen Rasenmäher hochkant, um damit dutzenden Untoten das Hirn zu zerfetzen.

Diese Low-Budget-Produktionen sind in Sachen Story, Dramaturgie und Effekte so dermaßen schlecht, dass ich vor Faszination über diesen Grad an Beschissenheit oft wie paralysiert bin.

Ich staune dann nur noch darüber, wie abgebrüht die Produktionsfirma sein muss, so einen Rotz ernsthaft zu verkaufen. Gleichzeitig aber schauen ich und viele andere uns solche Filme gerne immer wieder an: Trash-Filme sind ungebrochen beliebt. Warum, zur Hölle?

Keyvan Sarkhosh vom Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik fragte sich das auch: „Auf den ersten Blick erscheint es paradox, warum sich jemand bewusst und gezielt schlecht gemachte, peinliche und oftmals sogar verstörende Filme anschauen und daran Gefallen finden sollte. Ich habe mich deshalb gefragt, warum so etwas erfolgreich sein kann, wer solchen Schund guckt und vor allem – warum?“ Um dem Phänomen auf den Grund zu gehen, hat er Trash-Film-Zuschauer befragt.

Die Studie „Enjoying trash films: Underlying features, viewing stances, and experiential response dimensions“, die im Fachblatt „Poetics“ erschienen ist, stellt die erste umfangreiche empirische Untersuchung zu Trash-Filmen und ihrem Publikum dar, schreibt die Max-Planck-Gesellschaft in ihrer Pressemitteilung. Dabei ist es gelungen, nicht nur Annahmen über den Medienkonsum schlechter Filme mit Daten zu untermauern, sondern auch neue Erkenntnisse über Trash-Fans und ihren Blick auf die Filme zu liefern.

Der ironische Blick macht die miesen Filme wieder gut

In erster Linie ist ein echter Trash-Film vor allem: Richtig billig, budgettechnisch und qualitativ. Und auch wenn die Bezeichnung Filme aus verschiedenen Genres umfasst, nannten fast alle Teilnehmer Low-Budget-Horrorfilme als typische Beispiele. Die meisten Nennungen fielen dabei auf „Sharknado“, „Plan 9 from Outer Space“ und „The Toxic Avenger“.

Wirklich ernst nehmen die typische Trash-Fans diese Filme aber nicht: Ihre Haltung ihnen gegenüber sei vor allem eine ironische. Und obwohl sich die Studienteilnehmer*innen darin einig waren, dass die Filme billig gemacht sind oder als filmischer „Müll“ gelten, sehen sie sie laut der Studie doch überwiegend als eine Form positiver Unterhaltung. Mit ironischer Distanz betrachtet, sorgten Trash-Filme durchaus für Vergnügen – sie unterhielten und wirkten komisch.

Trash-Fans sind überdurchschnittlich gebildet und kulturinteressiert

„Was unsere Ergebnisse vor allem bekräftigen: Trash-Fans sind nicht nur überwiegend männlich – fast 90 Prozent unserer Teilnehmer waren Männer –, sondern es sind vor allem enthusiastische Cineasten, für die Trash-Filme eine interessante und willkommene Abwechslung vom Mainstream-Allerlei darstellen“, schreibt Sarkhosh.

„Wir haben es hier mit überdurchschnittlich gebildeten Zuschauern zu tun, die man in gewisser Weise als ‚kulturelle Allesfresser‘ bezeichnen könnte.“ Sie interessierten sich für ein breites Spektrum an Kunst- und Medienformen jenseits traditioneller Grenzen von Hoch- und Populärkultur. Dass das typische Publikum von Trash-Filmen diese vor allem aus einem künstlerischen Interesse heraus anschaut, ist eine der zentralen Erkenntnisse der Studie.

Die Lust am Billigen

Sarkhosh berichtet, dass sich viele der Studienteilnehmer in Online-Foren und Blogs über ihre Filmerlebnisse austauschen. „Auch wenn sich manche der typischen Vorstellungen, die man mit einem Kultfilmerlebnis verbindet, mit Blick auf Trash-Filme gerade nicht bestätigt haben, konnten wir doch zeigen, dass der aktive Austausch in ganz erheblichem Maße zum Genuss der Filme beiträgt.“

Na dann – auf diesen Schock erstmal eine Runde „Angriff der Killertomaten“: