Wer an sich glaubt, hat mehr Mut etwas zu verändern

Um unseren Planeten steht es nicht so gut: Wenn wir wollen, dass unsere Enkel und Urenkel ein ähnlich bequemes Leben auf der Erde genießen dürfen, wie wir es tun, müssen wir handeln. Am besten jetzt, nicht morgen.

©Vanderlei Almeida/AFP/GettyImages

Ein Demonstrant zeigt Einsatz ©Vanderlei Almeida/AFP/GettyImages

Nachhaltigkeit, Umweltschutz und soziales Miteinander sind keine Nischenthemen, immer mehr junge Menschen machen sich darüber Gedanken. Das ergibt das Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometer 2015,  eine Studie, bei der Menschen zwischen 15 und 24 Jahren zu Themen der nachhaltigen Entwicklung und ihrem Engagement befragt wurden.

In der Studie unterteilten die Wissenschaftler die Befragten in verschiedene Nachhaltigkeits-Typen. Der Großteil (30,8 Prozent) setzt sein starkes Bewusstsein für Nachhaltigkeit in Engagement und Aktivismus um – in der Tendenz sinkt dieser Anteil jedoch. Der Typ, der zwar an Nachhaltigkeit interessiert ist, aber nichts dafür tut, nimmt tendenziell zu – nämlich auf 20,3 Prozent.

Mehr Interesse, aber weniger Handlung – das muss sich ändern

Ein ausschlaggebender Faktor dafür ist die sogenannte Selbstwirksamkeitserwartung – der Glauben an die Wirkung der eigenen Handlung. Ein gestärktes Vertrauen in sich selbst ist eine Voraussetzung für die nötige Motivation, die man für das Engagement braucht. Das Konzept hat in den 70ern ein kanadischer Psychologe entwickelt.

Heute denkt Philipp Ruch die Idee weiter. Er ist der Gründer des Zentrums für politische Schönheit – einer Künstlergruppe, die mit ihren Projekten für ein stärkeres politisches Bewusstsein kämpft. In seiner Lektüre „Wenn nicht wir, wer dann?“ geht er dem Menschen auf den Grund: Warum gucken wir Krieg, Hinrichtungen, Hunger tatenlos zu, anstatt etwas zu tun? Den Schlüssel sieht er im verlorenen Selbstwert, den wir durch die Rationalisierung unserer Gesellschaft verloren haben.

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Philipp Ruch bei der Beerdigung eines Flüchtlings: eine Protestaktion gegen die europäische Abschottungspolitik. Foto: © Sean Gallup/Getty Images

Ruch kritisiert, dass unsere Gesellschaft intuitives Handeln verurteile: Auf das Bauchgefühl können wir uns anscheinend nicht mehr verlassen. Intuition, Instinkt, Gefühle seien negativ konnotiert. Wir können sie schwer belegen, nachvollziehen oder begründen, weshalb wir lieber auf unseren Verstand hören. Ohne Sinn für Schönheit, große Taten und den Glauben an die eigene Wertigkeit, so Ruch, können wir nichts bewegen.

Wer an sich glaubt, hat mehr Mut und Motivation zur Veränderung

Die Greenpeace-Studie ergibt, dass nur 30 Prozent der Befragten überhaupt das Bewusstsein entwickelt haben, dass sie mit ihrem Engagement etwas verändern können. Das ist traurig. Damit ist der Appell deutlich an uns gerichtet: Wir müssen Wege finden, wie junge Menschen mehr Selbstvertrauen gewinnen und endlich wieder selbst an uns glauben.