Wer das Great Barrier Reef nie lebendig sah, schafft es womöglich nicht mehr

Das größte Korallenriff der Erde stirbt. Forscher*innen sehen das australische Naturwunder in den letzten Zügen.

Ausgebleichte Korallen bei Lizard Island. © dpa

Im zweiten Jahr in Folge hat ein Forscherteam aus der Luft die größten Bereiche des Great Barrier Reefs untersucht. Und sie bescheinigten dem australischen Naturwunder erneut nichts Gutes. Die Korallen bleichen immer mehr aus, sprich: Sie sterben.

[Außerdem auf ze.tt: Dieses Datenprojekt zeigt unseren Einfluss auf den Klimawandel]

Über zwei Drittel der Korallen sind mittlerweile ausgeblichen, so das Ergebnis der Expert*innen der James-Cook-Universität in Townsville, wie der Guardian berichtet. Schuld ist vor allem der Klimawandel und das in der Folge unverhältnismäßig aufgeheizte Wasser in der Region.

Das Riff sei nahezu unrettbar

Mit seinen rund 2.000 Kilometern Länge ist es das größte Korallenriff der Erde. Seit 1981 ist es ein Unesco-Weltnaturerbe. Korallen sind lebende Organismen – und generell sehr widerstandsfähig. Wenn das Wasser zu warm wird, beginnen Algen giftige Moleküle zu produzieren, wie das Wissenschaftsressort von Zeit Online schreibt. Um sich zu schützen, stoßen die Korallen ihre Mitbewohner ab, wodurch es ihnen dann aber an Nahrung fehlt. In der Folge produzieren sie keinen Kalk mehr und verlieren ihre Farbe.

Die Forscher*innen um den Institutsleiter Terry Hughes analysieren die Situation des Riffs im Osten Australiens schon seit zwei Jahrzehnten. Die Ausbleichung habe im Norden begonnen und sich über die vergangenen Jahre weiter in den Süden ausgebreitet. Ein Wirbelsturm habe im März zusätzlich etwa 100 Kilometer zerstört. Auch die schlechte Wasserqualität sei am Absterben des Riffs mitverantwortlich, unter anderem verschmutze der australische Bergbau das Wasser zusehends. Weil viele Australier*innen die Natur und insbesondere das Korallenriff als Teil ihrer nationalen Identität betrachten, gab es in der Vergangenheit immer wieder Demonstrationen und eine große Protestbewegung gegen die anhaltende Umweltverschmutzung.

Insgesamt war das Riff bereits viermal von einer Massenbleiche betroffen: 1998, 2002, 2016 und nun eben auch in diesem Jahr.

© Terry Hughes / ARC Centre of Excellence for Coral Reef Studies

„Zusammen erstreckt sich das von diesen beiden aufeinanderfolgenden Bleichen betroffene Gebiet auf insgesamt 1.500 Kilometer. Damit bleibt nur das südliche Ende unversehrt“, sagt Hughes. In der Regel benötigen schon die schnell wachsenden Korallen mindestens zehn Jahre, um sich davon zu erholen. Dass die Frequenz der Bleichen sich derart erhöhe, sei deshalb besorgniserregend, sagte Hughes dem Guardian. „Es war keine Zeit für die Korallen, sich zu erholen.“

Bisherige Bemühungen, zumindest die Wasserqualität in der Region zu verbessern, seien alle gescheitert, sagt der Experte Jon Brodie von der James-Cook-Universität. Den Großteil seines Lebens habe er damit verbracht, das Wasser dort zu verbessern: „Wir haben aufgegeben. Es war mein Leben, für gutes Wasser zu sorgen, aber wir haben versagt. Wir haben sehr viel Geld ausgegeben, aber hatten keinen Erfolg.“

So sehen gesunde Teile des Riffs aus. Es ist Heimat für sehr viele Tierarten. © dpa

Forscher Hughes warnte nun die australische Regierung: Sollte sie sich jetzt nicht aktiv um den Klimawandel kümmern, werde sich das Fenster schließen – die Korallen würden unrettbar.

Je wärmer das Klima, desto schneller sterben die Korallen. Der endgültige Tod des Great Barrier Reefs scheint laut den Forscher*innen unausweichlich, sollte sich unser Weltklima nicht wie durch ein Wunder plötzlich stabilisieren.

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