Wer in China nicht regelmäßig seine Mutti anruft, kriegt kein Geld von der Bank

Wann hast du das letzte Mal deine Eltern angerufen oder besucht? Lange her? In Shanghai würde dafür deine Kreditwürdigkeit wackeln.

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"Hallo Mama. Kannst du der Bank sagen, dass wir eine enge Beziehung führen?" © David Dieschburg / photocase.com

Ein neues Gesetz in Shanghai, das am 1. Mai in Kraft tritt, soll den Respekt der Kinder gegenüber ihren Eltern fördern. Er gilt als wichtiger Punkt im Konfuzianismus. Damit werden Kinder rechtlich verpflichtet, öfter ihre Eltern zu besuchen. Tun sie das nicht, reduziert sich ihre Kreditwürdigkeit bei der Bank aufgrund von Untreue.

Das neue Regelwerk der Stadt sieht vor, dass erwachsener Nachwuchs regelmäßig die Eltern besuchen oder Grüße schicken muss. Sind Eltern der Meinung, ihre Kinder gehen dieser Verantwortung nur unzureichend nach, könnten sie Klage wegen Vernachlässigung einreichen. Weigert sich das undankbare Balg trotz Gerichtsbeschluss dann immer noch, geht seine oder ihre Kreditwürdigkeit flöten.

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Schon im Juli 2013 gab es in Peking einen ähnlichen Vorstoß mit dem Gesetz zum „Schutz der Rechte und Interessen alter Menschen“. Da aber weder festgelegt wurde, was „regelmäßig“ bedeutet noch wie eine etwaige Bestrafung aussehen soll, war das Gesetz entsprechend erfolglos.

Drei Jahre später soll mit der Verknüpfung von Kreditwürdigkeit der Kinder mit der Besuchspflicht sichergestellt werden, dass das Gesetz eingehalten würde. Das gilt vorerst nur für Shanghai.